Wirtschaft
Kerviel verliert auch in der Berufung.
Kerviel verliert auch in der Berufung.(Foto: REUTERS)

Haft und Milliarden-Schadenersatz: Kerviel geht erneut in Berufung

Der Franzose Jérôme Kerviel ist verantwortlich für den größten Verlust, den je eine Bank erlitten hat. Seine Spekulationsgeschäfte, die 2008 auffliegen, kosten die zweitgrößte französische Bank Société Général fast 5 Mrd. Euro. Eine Berufungsgericht bestätigt das Urteil von 2010: Haft und Schadenersatz. Damit ist das Thema aber noch nicht erledigt, denn Kerviel will in die nächste Instanz.

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Mit seiner erneuten Niederlage vor Gericht will sich der "Milliardenzocker" Jérôme Kerviel im Kampf gegen die Justiz und seinen früheren Arbeitgeber Société Générale nicht abfinden. Im Berufungsverfahren um einen der größten Spekulationsverluste aller Zeiten bestätigte ein Pariser Gericht das Urteil aus erster Instanz. Kerviel muss damit drei Jahre ins Gefängnis, zwei weitere Jahre Haft werden zur Bewährung ausgesetzt. In einem Radiointerview kündigte Kerviel bereits einen Antrag auf ein Revisionsverfahren vor dem Kassationshof an. Dieser ist die höchste Instanz der ordentlichen Gerichtsbarkeit in Frankreich.

Die Anklage lautete auf Untreue, Dokumentenfälschung und der Manipulation von Computerdaten. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der heute 35-Jährige eigenmächtig 4,9 Mrd. Euro verzockte und so die Bank und ihre rund 140.000 Mitarbeiter an den Rand des Ruins brachte. Seine Spekulationsgeschäfte waren 2008 aufgeflogen. Zudem verfügten sie, dass die Schadenersatzsumme auf die komplette Verlustsumme festgelegt wird. Dieses Urteil hat jedoch nur symbolischen Charakter, da der Verurteilte kein größeres Vermögen besitzt.

Aktie reagiert kaum

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Kerviel hatte im Berufungsverfahren erneut beteuert, dass sein früherer Arbeitgeber von den Spekulationsgeschäften wusste und sie tolerierte. Sein Anwalt David Koubbi nannte den Prozess eine große Vertuschungsaktion zum Schutz der Finanzindustrie. Er hatte einen Freispruch gefordert und sprach von einer "Ungerechtigkeit".

Die Bank hatte die Vorwürfe von Kerviel und seinem Verteidiger stets zurückgewiesen. Sie traf nach dem Milliardenverlust zahlreiche Vorkehrungen, um Fälle wie diesen zukünftig unmöglich zu machen. Die Affäre riss das Finanzinstitut in eine tiefe Krise und kostete etliche Top-Manager den Job.

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Die Anleger der Bank scheinen das Urteil positiv aufzunehmen: Der Kurs der SocGen-Papiere kletterte leicht.

Kerviel kein Einzelfall

Kerviel ist nicht der erste Aktienhändler, der eine Bank in Schwierigkeiten gebracht hat - und auch nciht der letzte: Die älteste britische Geschäftsbank ging im Februar 1995 pleite, weil der Aktienhändler Nick Leeson riskante Geschäfte mit Derivaten betrieb und seinem Arbeitgeber dadurch Verluste von 1,3 Mrd. Pfund bescherte. Er wurde zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt, von denen er vier Jahre absitzen musste.

Ebenfalls 1995 verlor die Daiwa-Bank, eines der größten japanischen Kreditinstitute, durch unerlaubte Geschäfte eines Angestellten in New York 1,1 Mrd. Dollar. Toshihide Iguchi bekam dafür vier Jahre Gefängnis, die Bank musste ihre Aktivitäten in den USA einstellen.

Nur wenige Monate später, im Juni 1996, stürzten Verluste von 2,6 Mrd. Dollar am Kupfermarkt das japanische Handelshaus Sumitomo in die Krise. Der für den Kupferhandel zuständige Abteilungsleiter Yasuo Hamanaka häufte die Verluste über Jahre hinweg durch dubiose Geschäftspraktiken an. Er wurde wegen Betrugs und Dokumentenfälschung zu acht Jahren Gefängnis verurteilt.

Betrug und Bilanzfälschung werfen britische Ankläger auch dem Händler Kweku Adoboli vor, der durch Fehlspekulationen der Schweizer Großbank UBS einen Verlust von umgerechnet 1,8 Mrd. Euro beschert haben soll. Seit Montag steht der 32-Jährige deshalb in London vor Gericht.

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Quelle: n-tv.de

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