Wirtschaft
Jérôme Kerviel
Jérôme Kerviel(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Zocker verlangt Milliarden: Kerviel verklagt SocGen

Fast fünf Milliarden Euro Verlust erleidet die Société Générale wegen Spekulationen des Händlers Kerviel. Der wird verurteilt, der Bank diese Summe zu erstatten. Doch der Franzose hält diesen Richterspruch für unfair und versucht, den Spieß umzudrehen.

Jérôme Kerviel gibt sich nicht geschlagen. Der ehemalige Händler der Société Générale, der die Bank durch Zockereien ins Taumeln gebracht hatte, verklagt seinen ehemaligen Arbeitgeber auf milliardenschweren Schadenersatz.

Kerviel war zu drei Jahren Haft und weiteren zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der heute 35-Jährige durch seine eigenmächtigen Spekulationen die Bank mit ihren rund 140.000 Mitarbeitern an den Rand des Ruins gebracht hatte. Die Zockereien waren 2008 aufgeflogen, als Kerviel offene Positionen in Höhe von rund 50 Mrd. Euro aufgebaut hatte. Die Bank löste diese umgehend auf – und erlitt so einen Schaden von rund 4,9 Mrd. Euro. Die Richter verurteilten Kerviel, der Bank diesen Verlust zu erstatten.

Nun kündigte Kerviel an, vor einem Arbeitsgericht die Société Générale auf Schadenersatz in exakt dieser Höhe zu verklagen. "Diese Forderung wirkt offensichtlich ein bisschen ironisch", sagte er in einem Interview. Dabei gehe es ihm vor allem um etwas anderes: "Ich verlange eine Experteneinschätzung. Ich wurde zu der Zahlung verurteilt, ohne eine Bewertung durch Dritte." Kerviel bestreitet, für den Milliardenverlust der Bank verantwortlich zu sein – und hofft, dass das Arbeitsgericht diese Einschätzung bestätigt.

Im Oktober vergangenen Jahres hatte ein Pariser Gericht in einem Berufungsverfahren das Urteil aus erster Instanz allerdings bestätigt. Kerviel kündigte daraufhin einen Antrag auf ein Revisionsverfahren vor dem Kassationshof an. Dieser ist die höchste Instanz der ordentlichen Gerichtsbarkeit in Frankreich.

Bank schreibt Verluste

Unterdessen ist die Société Générale wegen Abschreibungen, Kosten für Rechtsstreitigkeiten und die Neubewertung von eigenen Schulden zum Jahresende unter den Strich tief in die roten Zahlen gerutscht. Operativ gab es dagegen Hoffnungszeichen. So stieg der Gewinn im Investmentbanking deutlich. Zudem ist dort der Abbau von Risiken abgeschlossen.

Netto sei wegen der vielen Sondereffekte ein Verlust von 476 Mio. Euro angefallen, teilte die Bank mit. Das Minus fiel damit etwas höher aus als Experten erwartet hatten. Im Vorjahr hatte die Bank noch 100 Mio. Euro verdient.

Quelle: n-tv.de

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