Wirtschaft
Argentiniens Präsidentin Cristina Kirchner will im Streit mit den Hedgefonds alle Rechtsmittel ausschöpfen.
Argentiniens Präsidentin Cristina Kirchner will im Streit mit den Hedgefonds alle Rechtsmittel ausschöpfen.(Foto: dpa)

Argentinien zu Gesprächen bereit: Kirchner nennt Tilgungsforderungen tödlich

Argentiniens Präsidentin Kirchner wirft den Hedgefonds ein gewaltsames Vorgehen im Schuldenstreit mit ihrem Land vor. Die Forderungen der Fonds bezeichnet sie als finanzielle Raketen. Dennoch will das Land weiter mit den Gläubigern verhandeln.

Nach der gescheiterten Schlichtung im Finanzstreit zwischen Buenos Aires und zwei US-Hedgefonds hat die argentinische Präsidentin Cristina Kirchner den Fonds die Schuld gegeben. "Wir leben in einer zutiefst ungerechten und zutiefst gewaltsamen Welt", sagte Kirchner in einer vom Fernsehen übertragenen Rede. Die Tilgungsforderungen der Fonds seien ebenfalls "Gewalt". Kirchner verglich die Forderungen der Hedgefonds NML Capital und Aurelius mit "Raketen in einem Krieg", da "finanzielle Raketen ebenfalls töten". Sie forderte ihre Landsleute auf, "ruhig zu bleiben". Argentinien werde alle Rechtsmittel ausschöpfen.

Zugleich bestritt Kirchner, dass Argentinien zahlungsunfähig sei. Das geforderte Geld sei hinterlegt worden. Buenos Aires hatte bis Mittwoch um Mitternacht Zeit, 539 Millionen Dollar (403 Millionen Euro) an Staatsschulden bei internationalen Gläubigern zu tilgen. Die argentinische Regierung hinterlegte die fällige Summe auf einem Treuhandkonto bei der Bank of New York.

539 Millionen Dollar eingefroren

Auf Anordnung eines US-Bundesrichters muss Argentinien aber erst die beiden Hedgefonds ausbezahlen, ehe es die Forderungen der anderen Gläubiger begleichen darf. Buenos Aires verweigert die Zahlung an NML Capital und Aurelius, die argentinische Schulden nach der Staatspleite Ende 2001 billig aufgekauft hatten und nun den Nennwert geltend machen. Mit dieser umstrittenen Strategie fahren sie hohe Renditen ein.

Die Bank of New York erklärte nach den gescheiterten Verhandlungen, dass die 539 Millionen Dollar bis zu einer weiteren Entscheidung von Bundesrichter Thomas Griesa eingefroren blieben. Das Bundesgericht setzte eine Anhörung für Freitag um 11.00 Uhr (Ortszeit, 17.00 Uhr MESZ) an.

Wirtschaftsminister Axel Kicillof hat sich nach dem Abrutschen des Landes in die Staatspleite zu weiteren Gesprächen mit den Gläubigern bereiterklärt. Man stehe für ein Treffen mit den Hedgefonds zur Verfügung, sagte Kicillof. Seine Regierung sei nicht grundsätzlich gegen eine Einigung mit den privaten Anlegern, beteuerte der Minister. Die Voraussetzungen seien gegeben. Einzelheiten nannte er nicht. Kicillof bestritt zugleich abermals, dass die drittgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas nach Brasilien und Mexiko zahlungsunfähig sei.

Ratingagenturen reagierten bereits

Nach der US-Ratingagentur Standard & Poor's stufte am Donnerstag auch die Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit von Buenos Aires als "teilweisen Zahlungsausfall" ein. Diese Bewertung bedeutet, dass ein Schuldner eine Anleihe oder Kreditrate nicht fristgerecht zurückzahlt, aber andere Verpflichtungen weiter erfüllt. Moody's versah den Ausblick des Landes mit einem negativen Vorzeichen. Damit droht Argentinien eine Herabstufung.

Quelle: n-tv.de

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