Wirtschaft
(Foto: Introbiz)

Kein Umsatz, ein Angestellter: Klitsche soll 4 Milliarden Dollar wert sein

Von Jan Gänger

Nein, das ist kein Tippfehler: Um sage und schreibe 24.000 Prozent steigen die Aktien einer völlig unbekannten Firma innerhalb von wenigen Tagen. Auf dem Papier kostet das "Soziale Netzwerk" damit mehrere Milliarden Dollar. Wieso eigentlich?

Das klingt nach einer beeindruckenden Erfolgsstory. In kürzester Zeit explodiert der Aktienkurs eines Internet-Start-Ups, Investoren und Gründer klatschen fröhlich miteinander ab und feiern den Durchbruch einer brillanten Idee. Schlappe 10 Cent kostete Mitte Juni die Aktie der CYNK Technology, etwa vier Wochen später knapp 15 Dollar - was zu einer zwischenzeitlichen Bewertung von mehr als 4 Milliarden Dollar führte. Am Donnerstag gab das Papier auf 13,90 Dollar nach, die Marktkapitalisierung ist damit aber immer noch üppig.

Kleiner Schönheitsfehler: Es ist völlig unklar, was das Unternehmen überhaupt macht. Es betreibt eine Webseite, bei der es sich um ein "Soziales Netzwerk" handeln soll. Wie das Ganze funktioniert und was das bringen soll, ist nicht ersichtlich. Daran ändern auch die Fotos von Promis wie Justin Bieber oder Angelina Jolie auf der Startseite nichts. "Auf unseren Marktplatz Introbiz können Sie die Möglichkeit kaufen und verkaufen, sich mit Individuen wie beispielsweise Prominenten, Firmenbesitzern und talentierten IT-Profis sozial zu vernetzen", heißt es auf der Seite.

Richtig erfolgreich scheint das nicht zu sein, denn das Unternehmen hat noch nie Umsätze erzielt. Vermögenswerte sind auch nicht vorhanden. Es hat nur einen Angestellten. Der muss allerdings ein Tausendsassa sein, denn er vereint zahlreiche Jobs in Personalunion. Er ist unter anderem Präsident, Unternehmenschef, Finanzchef und Direktor. Zugleich heißt es in Auskünften an die US-Börsenaufsicht SEC vom November vergangenen Jahres allerdings, dass die Firma "kein Beschäftigungsverhältnis mit ihrem einzigen Aktionär hat, der sowohl Unternehmens- als auch Technikchef" ist. Registriert ist die Bude im Bundestaat Nevada, der Sitz ist in Belize. Die Aktie wird im unregulierten Markt gehandelt.

Auf Twitter aktiv

Was ist da los? Der "Business Insider" hat sich durch diverse Dokumente gegraben, die der SEC vorliegen und hat nichts gefunden, was die hohe Bewertung auch nur ansatzweise rechtfertigt. Stattdessen liegt der Verdacht liegt nahe, dass es sich - vorsichtig ausgedrückt - um eine wenig nachhaltige Geschäftsidee handelt.

Unterdessen sind auf Twitter zahlreiche Tweets zu finden, in denen die Aktie mit Verweis auf kräftige Kurssprünge zum Kauf angepriesen wird. Die Absender heißen zwar anders, doch der Text ist immer gleich.

Es ist wohl keine schlechte Idee, seine Altersvorsorge besser nicht in diese Aktie zu stecken.

Quelle: n-tv.de

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