Wirtschaft
Auch im Daimler-Werk in Sindelfingen kommen Kuka-Leichtbauroboter zum Einsatz.
Auch im Daimler-Werk in Sindelfingen kommen Kuka-Leichtbauroboter zum Einsatz.(Foto: picture alliance / dpa)
Montag, 20. Juni 2016

Heilsbringer oder Jobvernichter?: Kollege "Cobot" ist die Zukunft

Mensch und Roboter Seite an Seite - so sieht das Dream-Team der Generation "Industrie 4.0" aus. Zumindest dann, wenn es nach Maschinenbauern und Automobilkonzernen geht. Doch Skeptiker warnen: Die Automatisierungswelle könnte 18 Millionen Jobs kosten.

Roboter haben schon lange ihren festen Platz in den Werkshallen weltweit. Doch spätestens das Übernahmeangebot des chinesischen Hausgeräteherstellers Midea für den Augsburger Roboterbauer Kuka macht klar, dass den maschinellen Fabrikarbeitern eine Schlüsselrolle bei der Zukunft der Industrie zukommt. Gleichförmige Arbeiten wie Schweißen und Lackieren im Fahrzeugbau erledigen sie seit Jahrzehnten zuverlässig und schnell. Künftig werden Roboter aber stärker Hand in Hand mit dem Menschen arbeiten.

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Als Vorreiter beim Einsatz sogenannter Cobots gilt die Automobilindustrie. BMW nahm bereits 2013 in seinem US-Werk in Spartanburg erste "kollaborative Automaten" in Betrieb. Sie helfen den Mitarbeitern dabei, Türdichtungen anzubringen, und sorgen für den passenden Anpressdruck beim Einkleben. Mittlerweile hat BMW 30 solcher Geräte in Spartanburg, aber auch an den deutschen Standorten Dingolfing und Regensburg im Einsatz. Auch bei VW und Daimler tun Leichtbauroboter ihren Dienst.

Anders als automatische Haushaltshelfer - wie Mäh- und Staubsauge-Roboter - sind Cobots von Haus aus für die Zusammenarbeit mit dem Menschen ausgelegt und werden in Zukunft dank ausgefeilter Sensortechnik zunehmend auf sie reagieren und eingehen können. Als weitere Einsatzfelder kommen etwa Krankenhäuser, der Einzelhandel oder die Gastronomie in Betracht. Dabei sollen die Maschinen den Menschen keineswegs ersetzen – vielmehr, das beteuern Industrie und Branchenvertreter immer wieder, sollen sie die Beschäftigten bei ihrer Arbeit entlasten.

Deutschland mit hoher "Roboter-Dichte"

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In Zeiten des demografischen Wandels könnten Cobots dabei helfen, ältere Mitarbeiter länger am Arbeitsplatz zu halten, weil sie ihnen bei körperlich anstrengenden oder schlecht zugänglichen Tätigkeiten assistieren. Mit einer vergleichbaren Automatisierungswelle wie in den 1970er und 1980er Jahren sei nicht zu rechnen, heißt es bei BMW. Auch der Maschinenbauverband VDMA sieht keinen Grund für solche Sorgen. Schon heute liege Deutschland bei der "Roboter-Dichte" weltweit auf dem dritten Platz hinter Südkorea und Japan - und trotzdem sei die Beschäftigung auf einem Rekordstand. Derzeit kämen 292 Roboter auf 10.000 Industrie-Beschäftigte in Deutschland.

Auch die IG Metall sieht erst einmal mehr Chancen als Risiken - vorausgesetzt, die Menschen behalten die Oberhand und werden nicht "im Ballett der Leichtbauroboter" an den Rand gedrängt, wie Gewerkschaftschef Jörg Hofmann bei einer Fachtagung deutlich machte. Intelligent kombiniert könnte das Team Mensch/Maschine dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu verbessern - etwa durch in Summe niedrigere Arbeitskosten, eine höhere Qualifikation und ergonomische Arbeitsbedingungen.

Ein Risiko für Post- und Büroangestellte?

Skeptischer sind Experten der ING-Diba. In einer Studie von Ende April warnt die Bank, dass gut 18 Millionen Jobs in Deutschland durch die fortschreitende Automatisierung gefährdet sein könnten - darunter in Büros und Sekretariaten, bei Post- und Zustelldiensten oder in der Lagerwirtschaft. Das Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZWE) dagegen verweist - ähnlich wie die IG Metall - darauf, dass neue Technologien die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen steigern und so auch neue Jobs schaffen können.

Die Bundesregierung wiederum sieht Unternehmen wie Kuka als wichtigen Baustein der von ihr vorangetriebenen "Industrie 4.0". Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel ließ zuletzt über eine Sprecherin verlauten, dass er es begrüßen würde, "wenn es eine deutsche oder europäische Alternative aus der Wirtschaft selbst heraus gäbe und die Eigentümer sich dann entscheiden könnten, welches Angebot das bessere für das Unternehmen oder den Wirtschaftsstandort Deutschland ist".

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Quelle: n-tv.de

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