Wirtschaft
Öl-Konzernen wie der italienischen Eni macht der niedrige Ölpreis zu schaffen.
Öl-Konzernen wie der italienischen Eni macht der niedrige Ölpreis zu schaffen.(Foto: REUTERS)

Totgesagte leben länger: Kommt jetzt die Ölpreisrally?

Von Gian Hessami

Der Ölpreis erholt sich kräftig. Einige Anleger wetten bereits darauf, dass es weiter nach oben geht. Doch Experten warnen: Bei Ölinvestments sei generell Vorsicht angebracht.

Das nennt man wohl Absturz: Im Sommer 2014 kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent mehr als 100 US-Dollar. Anschließend brach der Preis für Öl regelrecht ein. Seinen vorläufigen Tiefpunkt erreichte er vergangenen Januar, als er unter die 30-Dollar-Marke rutschte.

Nun scheint es wieder ein Lebenszeichen zu geben. Das Fass Öl ist aktuell rund 40 Dollar wert. Die jüngste Kurserholung führen Experten auch darauf zurück, dass sich Mitte Februar in Doha die Ölminister aus Russland, Saudi-Arabien, Venezuela und Katar darauf verständigt hatten, die Januar-Produktion einzufrieren, sofern sich weitere Förderländer ihrem Abkommen anschließen würden.

"Seit dem sogenannten Doha-Freeze wird der Ölpreis vor allem auch von Diskussionen um Förderkürzungen geprägt", sagt Frank Klumpp, Rohstoffexperte bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) gegenüber n-tv.de. Die Wahrscheinlichkeit von Kooperationen zwischen Opec- und Nicht-Opec-Mitgliedern habe im bisherigen Jahresverlauf dadurch zugenommen. Mit Blick auf das Jahresende dürfte laut Klumpp ein Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage in Reichweite gelangen, da allmählich unrentables Angebot vom Markt genommen werde und die Nachfrage gleichzeitig ansteigen dürfte. Die LBBW erwartet, dass Brent im vierten Quartal dieses Jahres bei 45 Dollar notiert. Im zweiten Quartal 2017 sollen es sogar 50 Dollar sein.

Ölinvestments stehen bei Anlegern derzeit hoch im Kurs. "Anleger setzen zunehmend auf eine Erholung des Ölpreises", sagt Nicolai Tietze, Zertifikate-Experte bei der Deutschen Bank gegenüber n-tv.de. Anleger, die steigende Ölpreise erwarten, können ihre Marktmeinung mit ETCs (Exchange Traded Commodities) oder Zertifikaten auf Öl umsetzen. Beide Wertpapier-Typen sind rechtlich gesehen Schuldverschreibungen. Im Insolvenzfall des Emittenten kann es zum Verlust des Einsatzkapitals kommen. Dies sollen ETCs verhindern, indem diese Wertpapiere besichert werden.

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Doch es gibt einen Haken. "Bei Ölinvestments ist generell Vorsicht angebracht, da in vielen Marktphasen, wie auch aktuell, ein hohes Contango vorherrscht", sagt Klumpp. Übersetzt heißt das: Rohöl wird an der Terminbörse als Future gehandelt. Dies ist ein Vertrag, der regelt, zu welchem künftigen Preis das Öl geliefert wird. Da Anleger nicht an der tatsächlichen Lieferung interessiert sind, "rollt" der Emittent des Öl-Wertpapiers kurz vor der Lieferfrist den Future in den nächstfälligen Kontrakt. Das heißt: Der alte Future wird verkauft und der Erlös in den neuen Kontrakt investiert. Kostet nun der neue Future mehr als der alte, kommt es zum Rollverlust. Im Fachjargon spricht man dabei von der Contango-Situation.

Was bedeutet das für den Anleger? Der für die Zukunft erwartete Preisanstieg des Öls ist aktuell bereits im Kurs des ETCs oder des Zertifikats enthalten. Der Rohölpreis müsste im Endeffekt stärker steigen als es momentan die Marktakteure erwarten - erst dann erwirtschaftet das Papier einen Gewinn.

Aktien als Alternative

Alternativ können Anleger aber auch Aktien von Ölkonzernen kaufen. Da das Geschäft der Ölindustrie stark von der Preisentwicklung des Rohstoffs abhängt, könnten auch die Aktien der Ölmultis bald wieder nach oben ausschlagen. Experten trauen derzeit zum Beispiel ExxonMobil oder Royal Dutch Shell durchaus Aufwärtspotenzial zu. Aber auch Ausrüster für die Ölindustrie wie Schlumberger könnten vom Aufwärtstrend profitieren.

Wer sein Risiko auf viele verschiedene Ölaktien verteilen will, für den könnten sich Indexfonds (ETFs) oder Zertifikate, die auf einen ganzen Index setzen, eignen. Das gilt zum Beispiel für Papiere, die sich auf den Stoxx Europe 600 Oil&Gas beziehen. Das Barometer enthält 22 europäische Unternehmen, zu denen Öl- und Gasproduzenten, Ölausrüster sowie Firmen aus den Bereichen Ölservice, Öldistribution und alternative Energien gehören. Die Liste reicht von BP, Shell (beide Großbritannien) über OMV (Österreich) bis zu Total (Frankreich). In diesem Jahr konnte das Barometer um rund sechs Prozent zulegen.

"Für mittel- bis langfristig orientierte Anleger stellen Investments in Öl-Aktien eine interessante Alternative zu Öl-Futures dar, wobei auch auf eine entsprechende Streuung bei den Aktien geachtet werden sollte", resümiert Matthias Hüppe, Derivate-Experte bei HSBC gegenüber n-tv.de.

Dieser Beitrag stellt keinerlei Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Aktien oder Anlageprodukten dar. Für die Richtigkeit der Daten wird keine Haftung übernommen.

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Quelle: n-tv.de

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