Wirtschaft
Beispiellose "Flucht": Immer mehr Unternehmen kehren Griechenland in der Schuldenkrise den Rücken. (Symbolbild)
Beispiellose "Flucht": Immer mehr Unternehmen kehren Griechenland in der Schuldenkrise den Rücken. (Symbolbild)

Brause-Abfüller zieht in die Schweiz: Konzerne verlassen Griechenland

Griechenlands Wirtschaft liegt brach. Der Schuldenberg droht das Land zu erdrücken. Immer mehr Unternehmen ziehen die Konsequenzen und flüchten. Das jüngste Beispiel ist besonders erschreckend, denn es handelt sich um den größten börsennotierten Konzern des Landes.

Die angespannte Lage in Griechenland treibt immer mehr Unternehmen ins Ausland. Diesen Schritt geht nun auch die Coca-Cola Hellenic Bottling Co, der weltweit zweitgrößte Abfüller von Coca-Cola-Produkten - und der gemessen am Wert größte an der Börse in Athen notierte Konzern. Die Firmenzentrale soll nach Zug in die Schweiz verlegt werden. Die Hauptnotiz wird zudem künftig in London sein. Die Produktion verbleibt in Griechenland.

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Coca-Cola Hellenic, die in 28 Ländern Säfte und Softdrinks abfüllt, ist mit dieser Art des "Grexit" in guter Gesellschaft. Den Grexit, eigentlich ein Synonym für den Austritt des Landes aus der Eurozone, hat zuvor auch schon die große griechische Molkerei Fage vollzogen. Fage ist in Deutschland für ihren Total-Joghurt bekannt.

Ein Fünftel der Börse

Die Unternehmen reagieren vor allem auf die finanziellen Belastungen in dem hoch verschuldeten südeuropäischen Land. Vor allem die Aufnahme neuer Mittel ist inzwischen sehr schwierig.

Einen schweren Schlag bedeutet die Abwanderung der Coca-Cola Hellenic auch für die Athener Börse. Im Zuge der Schuldenkrise sind die Kurse dort auf ein 20-Jahrestief gesunken. Coca-Cola Hellenic steht für ein Fünftel der Marktkapitalisierung der Börse. 2009 waren es rund 5 Prozent.

Kaum noch Bankkredite

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Griechenland steckt in einer Rezession, Athen nähert sich mit schnellen Schritten der Staatspleite. Um diese abzuwenden, ringt das Land derzeit mit strikten Sparplänen um eine dringend benötigte Hilfstranche von 31,5 Mrd. Euro.

Viele Unternehmen in dem Land - aber auch in Spanien und Italien - stecken in einem Teufelskreis. Internationale Investoren sind inzwischen kaum noch zu Engagements in den Ländern bereit. Die Aktienkurse sind stark unter Druck geraten, was eine Mittelaufnahme am Kapitalmarkt schwierig macht. Zudem halten sich die Banken mit der Vergabe von Krediten zurück.

Besonders desolat ist die Lage in Griechenland. Bankkredite gibt es kaum noch, und internationale Geldgeber flüchten aus dem Land. Das Handelsvolumen an der Börse Athen ist in den vergangenen Monaten auf ein Tief von rund 20 Mio. Euro pro Tag gesunken. Einige internationale Broker sind inzwischen gar nicht mehr bereit, mit griechischen Wertpapieren zu handeln.

Der Zins spielt die Musik

Die endgültige Entscheidung für den Grexit dürfte bei Coca-Cola Hellenic gefallen sein, nachdem die Ratingagenturen die Bonität des Unternehmens abgewertet haben. Sie liegt nun nur  noch drei Stufen über dem Ramsch-Status. Da half auch nicht das starke finanzielle Profil der Gruppe: Die in Atlanta ansässige Coca-Cola hält 23 Prozent an den Griechen, die wiederum 95 Prozent der Einnahmen außerhalb des Landes erzielen.

Üblicherweise besorgt sich Coca-Cola Hellenic Geld an den internationalen Kapitalmärkten. Auf die heimischen Banken greift sie eher selten zurück. Die Abstufung der Bonität habe die Preise ihrer Anleihen gedrückt, sagte Finanzvorstand Michalis Imellos. Somit fürchte der Vorstand nun, dass bei einer weiteren Bondemission höhere Zinsen gezahlt werden müssten.

Die günstigere Mittelaufnahme war auch einer der Gründe, die die Molkerei Fage ins Ausland getrieben haben. Sie residiert künftig in Luxemburg. Sie stand zuletzt bei Standard & Poor's wegen einer möglichen Herabstufung auf der Beobachtungsliste. Die Gefahr ist gebannt. Der Umzug nach Luxemburg reduziere das Risiko, das mit dem möglichen Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro verbunden sei, so S&P.

In der Industrie wächst unterdessen die Sorge. "Jetzt, da Fage und Coke das Land verlassen, zeigt sich, wie ernst die Lage ist", sagte Constantine Michalos, Vorsitzender der Handelskammer in Athen.

Angst in Spanien

In Spanien bleibt abzuwarten, ob den vielen Arbeitslosen, die ins Ausland abwandern, auch Unternehmen folgen. Der Mischkonzern Abengoa - er bringt es auf einen Umsatz von 7 Mrd. Euro - plant zumindest schon mal eine Zweitnotiz in den USA. Künftig sollen neue Gelder dann dort aufgebracht werden.

"Wir müssen uns aus Spanien heraus diversifizieren", sagte IR-Chefin Barbara Zubiria. Bisher habe man dies aus der Geschäftsperspektive heraus getan. Nun wolle man dies auch unter Finanz-Gesichtspunkten tun.

In Griechenland wird die Flucht ins Ausland noch andauern. Evangelos Politis, ein auf Kapitalmärkte spezialisierter Anwalt aus Athen, hat in den vergangenen Monaten vermehrt Anfragen von abwanderungswilligen Firmen bekommen. Sollte sich die Lage in den nächsten Monaten nicht entspannen, so werde das ganze Thema eine neue Dynamik bekommen, erwartet er. Das Ganze würde sehr hart.

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Quelle: n-tv.de

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