Wirtschaft

Zockerei bis zur letzten Minute Kraft lässt Cadbury zappeln

08.11.2009, 11:41 Uhr

Der US-Lebensmittelkonzern Kraft steuert im Übernahmepoker mit dem britischen Schokoladenhersteller Cadbury auf die entscheidende Kraftprobe zu. Einen Tag vor Ablauf der Frist zur Vorlage eines formalen Angebots am Montag ließ der Milka-Produzent den britischen Traditionskonzern weiter zappeln.

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(Foto: dpa)

Cadbury hatte die informelle Offerte von knapp 17 Mrd. Dollar im September als zu niedrig abgeschmettert. Doch Eingeweihte gehen davon aus, dass Kraft am Montag trotzdem eine Offerte in derselben Größenordnung auf den Tisch legen dürfte - sie aber später noch versüßen könnte. Laut "Financial Times" bereitete Kraft eine feindliche Übernahme vor, um den Deal für einen internationalen Schokoladenriesen doch noch unter Dach und Fach zu bringen.

Unter Berufung auf Verhandlungskreise berichtete die Zeitung, die Cadbury-Aktionäre sollten direkt auf den Geschmack einer Verschmelzung mit Kraft gebracht werden. Es wurde aber noch debattiert, ob das bestehende Gebot aus Aktien und Barmitteln noch aufgestockt werde. Bei Cadbury wurde laut "FT" kein freundlicher Vorstoß mehr erwartet.

Wohl kein Gegengebot in Sicht

Kraft muss am Montag nach britischen Übernahmeregeln entweder ein offizielles Angebot vorlegen oder sechs Monate lang auf neue Avancen verzichten. Dass Kraft bis zur letzten Minute wartet, deutet darauf hin, dass die Amerikaner keine Rivalen im Rennen um Cadbury erwarten. Unter Experten war zwar über die Möglichkeit eines gemeinsamen Gegenangebots von Hershey aus den USA und Nestle aus der Schweiz diskutiert worden. Doch mit schwindender Aussicht auf einen Konkurrenzkampf um Cadbury sank auch der Preis, der von Experten für möglich gehalten wurde.

Der in Großbritannien für den beliebten Schokoriegel "Dairy Milk" bekannte Konzern Cadbury hatte das Kraft-Gebot von 745 Pence je Aktie abgelehnt. Auch der Aktienwert von 762 Pence am Freitag deutete darauf hin, dass sich Kraft-Chefin Irene Rosenfeld nach Einschätzung der Märkte kaum auf einen übermäßig großen Aufschlag auf die ursprüngliche Offerte einlassen wird. In Bankkreisen geht man davon aus, dass Cadbury Kraft bei einem Gebot von 745 Pence je Aktie weiter die kalte Schulter zeigen wird und für eine Offerte von weniger als 800 Pence ohnehin nicht an den Verhandlungstisch kommen wird.

Ein an dem Deal nicht beteiligter Investment-Banker sagte gegenüber Reuters, es gebe eine geringe Chance, dass Kraft den Bar-Anteil seiner Offerte noch erhöhen könne. Die Briten würden aber darauf bestehen, dass sie Kraft nicht brauchen und dass das Angebot den bekanntesten Schokoladenfabrikanten der Insel unterbewertet. "Cadbury wird die Vorteile seiner Unabhängigkeit betonen."

Quelle: wne/rts