Wirtschaft
Der Exportbranche droht eine Delle.
Der Exportbranche droht eine Delle.(Foto: AP)

Düstere Prognose: Krise halbiert Exportwachstum

Die deutsche Exportbranche kriegt die Euro-Krise deutlich zu spüren. Davon ist der Deutsche Industrie- und Handelskammertag überzeugt. Im Weltkonjunkturbericht korrigiert der DIHK seine Branchenprognose deutlich. Dennoch bleibt der Exportüberschuss so groß, dass der OECD Deutschland zu mehr Konsum ermahnt.

Das Wachstum der deutschen Exporte wird sich in diesem Jahr wegen der Euro-Krise mehr als halbieren. Die Ausfuhren dürften nur noch um vier Prozent zulegen, prognostizierte der Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in seinem Weltkonjunkturbericht. 2011 waren es 8,2 Prozent, 2010 sogar 13,7 Prozent. "Die Verlangsamung geht vornehmlich auf die Schuldenkrise zurück", sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. "Viele Staaten sind zu Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen gezwungen, die zumindest vorübergehend das Wachstum dämpfen." Dennoch könne Deutschland seinen Marktanteil am Welthandel von 8,1 Prozent behaupten.

Im kommenden Jahr soll der Marktanteil wieder steigen. Der DIHK rechnet dann mit einem Exportwachstum von sechs Prozent, weil die Euro-Zone ihre Rezession hinter sich lassen werde. "Damit wird Deutschland 2013 den USA den Vize-Exportweltmeistertitel wieder abjagen", sagte Treier, der die in 86 Ländern vertretenen Außenhandelskammern leitet. "China bleibt indes unangefochten die Nummer eins."

BRIC-Staaten immer wichtiger

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Aktuell bläst den Exporteuren der Wind gleich aus mehreren Richtungen ins Gesicht. "Die deutschen Unternehmen haben es derzeit insbesondere bei Geschäften in etlichen EU-Staaten schwerer, ihre Produkte abzusetzen", klagte Treier. Das liege auch daran, "dass Geschäftspartner dort unter gravierenden Finanzierungsschwierigkeiten leiden". Banken hätten dort mit den Folgen geplatzter Immobilienblasen und Belastungen durch die Schuldenkrise zu kämpfen, was ihren Kreditspielraum einschränke.

In Übersee wiederum gebe es vermehrt Handelshemmnisse. "Vor allem behindern wechselnde Zollvorschriften, spezielle Zertifizierungsanforderungen oder umfangreiche Dokumentationspflichten den Handel - etwa in Russland und China, aber auch in den USA und der Türkei", sagte Treier. Brasilien wiederum habe mit Importsteuern auf Fahrzeuge neue Barrieren errichten. Argentinien belege den Import von Gütern teilweise mit dem Zwang, im selben Maße Exporte zu tätigen.

Osteuropa Wachstumsmarkt Nr 1

Dass die Exporteure trotz dieser Schwierigkeiten auf Wachstumskurs bleiben, verdanken sie dem schwachen Euro und der starken Nachfrage aus Übersee. "Der Warenaustausch mit den Schwellenländern gewinnt weiter an Gewicht", sagte der Außenwirtschaftsexperte. Lag der Anteil an den deutschen Exporten in die BRICS-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika im Jahr 2000 noch bei 4,5 Prozent, so werde er 2013 bereits rund 15 Prozent betragen.

Noch schneller dürften die Exporte nach Osteuropa zulegen, inklusive Russland und der Türkei: Der DIHK sagte für 2013 ein Plus von 30 Prozent voraus. Zweistellige Zuwächse werden auch in Lateinamerika sowie im Nahe und Mittleren Osten erwartet. Besonders stark anziehen werde die Nachfrage nach Umwelt- und Medizintechnik, erwartet die Handelskammer. Auch die Maschinenbauer hätten gute Aussichten.

Importe knacken Billionen-Grenze

Die deutschen Importe dürften 2013 erstmals die Umsatzmarke von einer Billion Euro knacken, die von den Exporten bereits 2011 durchbrochen wurde. "Die nicht zuletzt wegen der soliden Binnenwirtschaft und des stabilen Arbeitsmarktes robuste wirtschaftliche Lage hierzulande erweist sich als Anker für Europa", sagte Treier. "Immerhin ist Deutschland für 18 Staaten in der EU der wichtigste Absatzmarkt."

Allerdings gibt es auch Kritik am enormen Exportüberschuss, der nach Prognose der Industriestaaten-Organisation OECD in diesem Jahr mit 200 Mrd. Dollar so groß ausfallen wird wie in keinem anderen Land. Deutschland müsse mehr konsumieren, um die Absatzchancen kriselnder Euro-Länder zu erhöhen.

Quelle: n-tv.de

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