Wirtschaft
Wenn London einen neuen Mega-Airport bekommt, soll Heathrow geschlossen werden. Allerdings kippen Experten das Projekt.
Wenn London einen neuen Mega-Airport bekommt, soll Heathrow geschlossen werden. Allerdings kippen Experten das Projekt.(Foto: REUTERS)

Luftschloss auf "Boris Island": Kritik versenkt Londoner Mega-Flughafen

Nicht nur in Berlin sehnt man einen neuen Hauptstadtflughafen herbei, auch London träumt von einem solchen Monster-Airport. Heathrow könnte dann schließen. Bei Experten erlebt das Lieblingsprojekt von Bürgermeister Johnson aber eine Bruchlandung.

Die Befürworter eines neuen Riesenflughafens für London im Mündungsgebiet der Themse haben einen Rückschlag erlitten: Eine von der Regierung eingesetzte Expertenkommission rät von dem Vorhaben ab. Den Schwierigkeiten und Kosten des Neubaus stünden "ungewisse Vorteile" gegenüber, erklärte das Gremium unter Vorsitz des Wirtschaftswissenschaftlers Howard Davies. Deshalb werde dieses Modell bei den weiteren Überlegungen keine Rolle spielen. Die Kommission soll ein Konzept ausarbeiten, das London auch im Jahr 2030 noch seinen Status als Luftverkehrs-Drehkreuz garantiert.

Der neue Flughafen ist ein Lieblingsprojekt des Londoner Bürgermeisters Boris Johnson. Das Konzept sieht einen Neubau mit vier Start- und Landebahnen im Mündungsgebiet der Themse rund 50 Kilometer östlich von London vor. Zu dem Vorhaben gehört auch eine künstliche Insel, von den britischen Medien "Boris Island" getauft. Im Gegenzug soll der heute verkehrsreichste Londoner Flughafen Heathrow geschlossen werden.

Heathrow-Ausbau?

Die Pläne für den neuen Mega-Airport seien "verführerisch", räumte die Expertenkommission ein. Sie verwies insbesondere darauf, dass eine Schließung von Heathrow den zahlreichen Anwohnern im Westen der Hauptstadt viel Fluglärm ersparen würde. Im Themse-Mündungsgebiet ist die Besiedelung vergleichsweise dünn.

Ihre endgültigen Empfehlungen für das weitere Vorgehen soll die Kommission im nächsten Jahr vorlegen. Nachdem sie den neuen Flughafen verworfen hat, warten noch drei andere Szenarien auf eine eingehende Analyse: die Verlängerung einer der beiden Start- und Landebahnen in Heathrow, der Bau einer dritten Bahn sowie die Erweiterung des Flughafens Gatwick von einer auf zwei Start- und Landebahnen. Die politische Entscheidung über die Zukunft des Flugverkehrszentrums London wird erst nach den nächsten Wahlen fallen.

Damit könnte London einen anderen Weg gehen, als Berlin. Der dortige neue Großflughafen sollte schon längst eröffnet sein, doch eine Pannenserie verhinderte das. Einen konkreten Eröffnungstermin gibt es bisher nicht, dafür schnellten die Kosten in die Höhe. Mittlerweile wird von einem "Milliardengrab" gesprochen. Das Projekt, samt Führung und Aufsicht steht in der öffentlichen Kritik.

Quelle: n-tv.de

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