Wirtschaft

Mit Bonds verspekuliertLBBW landet im Minus

26.08.2010, 10:14 Uhr

Die größte deutsche Landesbank bekommt die europäische Schuldenkrise im ersten Halbjahr schmerzlich zu spüren. Allein die Abschreibungen auf Staatsanleihen schlagen mit 650 Mio. Euro zu Buche. Die LBBW zieht ihre Lehren daraus.

LBBW
Das Gebäude der LBBW-Zentrale in Stuttgart.. (Foto: picture alliance / dpa)

Die Schuldenkrise einiger

europäischer Staaten sowie die Gebühren für den staatlichen Risikoschirm haben die

Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) im ersten Halbjahr unterm Strich mit 290

Mio. Euro in die Verlustzone gedrückt. Im Vorjahreszeitraum berichtete die Bank

einen Konzerngewinn von 302 Mio. Euro. Für das laufende Gesamtjahr steht die LBBW

immerhin zu der alten Prognose, das Konzernergebnis nach einem Verlust von 1,48

Mrd. Euro in 2009 verbessern zu können. Angesichts der unsicheren Entwicklung von

Realwirtschaft und Finanzmärkten wagte die LBBW bei Vorlage von Halbjahreszahlen

allerdings keine konkrete Prognose.

Nach einem Nettogewinn von

136 Mio. Euro im ersten Quartal 2010 wurde der Landesbank Baden-Württemberg - wie

auch zahlreichen anderen Banken - im zweiten

Quartal die Schuldenkrise der "PIIGS-Staaten" zum Verhängnis. Die Belastungen

aus den teilweise "irrationalen Verwerfungen bei der Bewertung von Staatsrisiken"

schlugen sich mit rund 650 Mio. Euro negativ im Kreditersatzgeschäft nieder, teilte

die Bank weiter mit. Das Handelsergebnis, in welches das Geschäft mit Kreditderivaten

einfließt, rutschte vor diesem Hintergrund mit 710 Mio. Euro ins Minus nach plus

704 Mio. Euro im ersten Halbjahr 2010.

Bondsmarkt: Fischen in dunklen Gewässern

Die Belastungen kommen nicht

von ungefähr: Die Nettopositionen der LBBW in Griechenland und Spanien beliefen

sich per Ende März auf knapp 1,4 Mrd. Euro bzw. nahezu 3,8 Mrd. Euro. In Portugal

und Italien war die Bank unter Berücksichtigung von Absicherungsgeschäften mit 2,17

Mrd. bzw. 3,9 Mrd. Euro engagiert. Immerhin kann die LBBW auf einen deutlich positiven

Effekt hoffen, wenn sich die Märkte für Staatsschulden wieder entspannen. Dies war

Ende Juli laut Mitteilung bereits in großem Umfang zu beobachten.

Trotzdem will die LBBW ihr Engagement in Staatsanleihen

zurückfahren. "Mit dem

Halbjahresergebnis können wir nicht zufrieden sein, zeigt es doch die noch zu

hohe Abhängigkeit von der Entwicklung der Finanzmärkte", erklärte

LBBW-Chef Hans-Jörg Vetter. Die Bank hat die Bewertungsverluste größtenteils

wieder aufgeholt. Dennoch will Vetter das Engagement der LBBW in Staatsanleihen

und sonstigem Kreditersatzgeschäft im zweiten Halbjahr um mindestens sechs Mrd.

Euro auf unter 60 Mrd. zurückfahren. Weiterer Belastungsfaktor

neben den Staatsschulden war im ersten Halbjahr eine Provisionszahlung über 153

Mio. Euro für den mit dem Land Baden-Württemberg vereinbarten Risikoschirm.

Restrukturierung läuft

Restrukturierungsaufwendungen

für den Umbau des LBBW-Konzerns schlugen sich zudem mit 54 Mio. Euro im Ergebnis

nieder. Die LBBW geriet infolge der Finanzkrise ins Straucheln und musste 2009 durch

eine Kapitalspritze in Höhe von 5,0 Mrd. Euro sowie einen Risikoschirm über 12,7

Mrd. Euro gestützt werden. Im Gegenzug will das Institut sich auf das Kerngeschäft

mit mittelständischen Unternehmen, Privatkunden und Sparkassen konzentrieren. Infolge

dessen sollen nicht-strategische Aktivitäten und Beteiligungen verkauft und die

Bilanzsumme um insgesamt rund 40 Prozent abgeschmolzen werden nach 448 Mrd. Euro

per Ende Juni 2009. Mit Ablauf des ersten Halbjahres 2010 stand sie bei 414 Mrd.

Euro.

In den künftigen Kernbereichen

verzeichnete die Bank in den ersten sechs Monaten Fortschritte und steigerte die

Erträge im Geschäft mit "Privatkunden sowie mit Unternehmens- und Großkunden"

weiter. Das Zinsergebnis der Bank kletterte damit auf 1,26 Mrd. nach 1,15 Mrd.

Euro. Gleichzeitig spiegelte sich die realwirtschaftliche Erholung in der auf 297

Mio. Euro gesunkenen Kreditrisikovorsorge wider. Im Vorjahr stellte das Institut

noch 717 Mio. Euro für faule Kredite zurück. Das Provisionsergebnis fiel im Berichtszeitraum

auf 316 Mio. Euro nach 417 Mio. Euro.

Kein Ausblick

Mit den Belastungen aus

der Schuldenkrise bei einer gleichzeitig gesunkenen Kreditrisikovorsorge durchlief

die LBBW von Januar bis Ende Juni eine ähnliche Entwicklung wie die meisten Wettbewerber.

Auch die Landesbank Berlin (LBB) etwa knickte nach einem starken ersten Quartal

aufgrund der Staatsschuldenkrise im zweiten Quartal ein, weshalb der LBB-Vorstandsvorsitzende

Johannes Evers das zweite Jahresviertel als "lausig" bezeichnete.

Einen Ausblick für das zweite Halbjahr traute sich LBBW-Chef Vetter nicht

zu. "Die LBBW geht davon aus, dass sich im zweiten Halbjahr die hohe

Volatilität der Finanzmärkte etwas verringert. Dennoch bleibt die Situation

insgesamt angespannt", hieß es.

Quelle: DJ/rts