Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)

Rosskur hinterlässt Spuren: LBBW schrumpft stark

Unsicherheit bei den Kunden, höhere Risikovorsorge und ein radikaler Schnitt bei heiklen Investments: Deutschlands größte Landesbank LBBW steckt weiter im Umbau und muss sich neu erfinden. Das sorgt für Verwerfungen in der Bilanz.

Der Umbau der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hinterlässt weiter deutlich sichtbare Spuren in der Bilanz. Die Neuausrichtung der größten deutschen Landesbank weg von riskanten Geschäften an den Finanzmärkten und hin zur reinen Kundenbank drückt merklich auf die Ergebnisse. Für das Plus an Sicherheit büßt das Geldhaus im Gegenzug viele frühere Verdienstchancen ein.

Der Gewinn vor Steuern brach nach neun Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ein Viertel ein und fiel auf 307 Millionen Euro. Die LBBW musste als Sicherheit für faule Kredite 153 Millionen Euro aufwenden - vor einem Jahr hatten aufgelöste Rückstellungen noch 7 Millionen Euro Plus gebracht.

Die Rosskur der LBBW zeigt sich auch in der Geschäftssparte mit den Unternehmenskunden: Während das Volumen mit dem Mittelstand im Vergleich zum Vorjahr sogar wuchs, reduzierte das Kredithaus die Geschäfte mit Großkunden merklich, so dass die gesamte Sparte zum 30. September ein Vorsteuerergebnis von nur 565 Millionen Euro einfuhr - ein rasanter Rückgang um die Hälfte.

Ein ähnliches Bild der Neuausrichtung zeigt das Zinsergebnis: Es brach im Neunmonatsvergleich um 10,2 Prozent ein und kam auf 1,593 Milliarden Euro. Im dritten Quartal fielen nur noch 345 Millionen Euro ab. Neben dem generell niedrigen Zinsniveau sei der "gezielte Abbau zinsbringender Aktiva im Zuge der Restrukturierung" ursächlich.

Privat- und Unternehmenskunden im Mittelpunkt

LBBW-Chef Hans-Jörg Vetter sprach von einer soliden Entwicklung hin zur Kundenbank und weg vom Investment. Die Bank konzentriere sich auf Privat- und Unternehmenskunden und trenne sich konsequent vom Rest. "Dadurch sind wir weniger anfällig für Schwankungen an den Kapitalmärkten", erklärte Vetter in einer Mitteilung.

Hintergrund des Umbaus: Die LBBW muss sich im Zuge einer von der EU verordneten Schrumpfkur auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Das war die Bedingung für milliardenschwere Geldstützen in der Krise. Ein zentraler Punkt dabei ist die Erhöhung der Kernkapitalquote, die nun bei 14,9 Prozent liegt. Das sind zwei Prozentpunkte höher als Ende September 2011. Je größer die Kennzahl ist, desto unwahrscheinlicher ist die Insolvenz.

Unterm Strich blieben der LBBW in der aktuellen Neunmonatsbilanz solide 281 Millionen Euro (plus 15 Prozent). Das jedoch liegt an einem enorm reduzierten Steueraufkommen: Nach 165 Millionen Euro aus den ersten drei Quartalen 2011 fielen nun nur 26 Millionen Euro an.

Quelle: n-tv.de

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