Wirtschaft
Kein Blut, sondern Rohöl aus Nigeria: Das Land sei das "Opfer eines externen Schocks", so Lagarde.
Kein Blut, sondern Rohöl aus Nigeria: Das Land sei das "Opfer eines externen Schocks", so Lagarde.(Foto: picture alliance / dpa)

IWF-Chefin reagiert auf Preisverfall: Lagarde will Ölpreis-Opfern helfen

Durch den anhaltenden Ölpreisverfall stehen die Förderländer immer stärker unter Druck: IWF-Chefin Lagarde will diesen Ländern nun helfen, mahnt aber auch zur Selbsthilfe. Die Ölindustrie staatlich zu subventionieren, sei der falsche Weg.

Angesichts fallender Ölpreise hat der Internationale Währungsfonds (IWF) betroffenen Förderstaaten seine Hilfe angeboten. "Der IWF steht offen für alle Mitglieder", sagte IWF-Chefin Christine Lagarde. Zugleich forderte sie, teilweise hohe staatliche Subventionen für die Ölindustrie zu kappen und das Geld stattdessen für finanzielle Auffangnetze zu nutzen. "Die Subventionen sind in dieser Situation völlig kontraproduktiv", sagte Lagarde in Washington.

IWF-Chefin Christine Lagarde.
IWF-Chefin Christine Lagarde.(Foto: dpa)

Einige Länder, die von dem aktuellen Ölpreisverfall von bis zu 70 Prozent betroffen sind, hätten mit einer robusten Politik auf die Krise reagiert. Sie nannte die Ex-Sowjetrepublik Aserbaidschan als positives Beispiel. "Dort gibt es eine gute Fiskalpolitik, der Währungskurs wird als Puffer eingesetzt", sagte Lagarde. In Ländern wie Nigeria sei man noch nicht soweit. Der IWF sei bereit zu helfen. "Sie sind Opfer eines externen Schocks", betonte Lagarde. Es gebe seitens des IWF keinerlei Stigmatisierung.

Die Situation in China, wo die Volkswirtschaft von reiner Industrieproduktion mehr in Richtung Handel und Dienstleistungen transformiert wird, sieht Lagarde gelassen. "Wir erwarten keine harte Landung Chinas", sagte die IWF-Chefin. China müsse bereit sein, einen starken makroökonomischen Rahmen zu errichten und geringere, dafür aber nachhaltigere Wachstumsraten zu akzeptieren.

Lagarde fordert Solidarität der Industriestaaten

Sie rief China dazu auf, fiskalpolitische Maßnahmen gut zu kommunizieren. "Wir alle brauchen Verlässlichkeit, die Märkte mehr als alle anderen." Der unterschiedliche Kurs in der Geldpolitik der großen Industriestaaten bringe zudem Probleme für Schwellenländer mit sich. Gleichzeitig wirke sich alles, was sich in den Ländern abspiele, auch auf die Industrieländer aus, warnte Lagarde. Schließlich würden die aufstrebenden Länder für die reichen Staaten nicht nur als Kunden, sondern auch als Investitionsstandort immer wichtiger.

Über 80 Prozent des weltweiten Wachstums seit der Finanzkrise von 2008 komme von Ländern wie China, Indien und auch Brasilien. Das habe den Industrieländern geholfen, die Krise zu überwinden. Wenn viele Schwellenländer nun Probleme hätten, seien auch die reichen Staaten gefragt. Als ein besonderes Problem benannte Lagarde, dass aus den aufstrebenden Volkswirtschaften in Asien und Lateinamerika 2015 allein netto 531 Milliarden Dollar an Kapital abgeflossen seien - im Jahr zuvor verzeichneten diese Länder noch 48 Milliarden Dollar Kapitalzufluss.

Quelle: n-tv.de

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