Wirtschaft
10 Jahre lang war Axel Heitmann Vorstandsvorsitzender beim Kölner Chemie-Riesen.
10 Jahre lang war Axel Heitmann Vorstandsvorsitzender beim Kölner Chemie-Riesen.(Foto: dpa)

Chemie-Riese holt alten Bekannten zurück: Lanxess wechselt Vorstandschef aus

Überraschend teilt der Chemiekonzern Lanxess einen Wechsel in der Führungsetage mit: Vorstandschef Heitmann muss das Ruder aus der Hand geben. Für die bevorstehenden Herausforderungen holt sich der Konzern ein altbekanntes Gesicht zurück nach Köln.

Der Sparkurs beim Spezialchemiekonzern Lanxess soll mit einem neuen Vorstandschef fortgesetzt werden. Axel Heitmann, der fast zehn Jahre an der Unternehmensspitze stand, werde Lanxess Ende Februar verlassen, teilte der Aufsichtsrat überraschend mit. Man habe sich einvernehmlich darauf verständig, hieß es in einer Mitteilung. Im Umfeld von Heitmann hieß es, er habe um die Auflösung seines Vertrages gebeten. Zu den Gründen zählten unterschiedliche Auffassungen über die weitere strategische Ausrichtung.

Der Konzern mit weltweit rund 17.000 Beschäftigten, darunter etwa 8000 in Deutschland, und einem Umsatz von 8,8 Milliarden Euro durchlief in den vergangenen Jahren ein hartes Sanierungsprogramm. Der Konzern war aus der Chemiesparte des Leverkusener Pharmariesen Bayer hervorgegangen.

Als Nachfolger wird der frühere Finanzvorstand Matthias Zachert, aktuell in gleicher Funktion beim Darmstädter Pharmaunternehmens Merck, in die Chefetage von Lanxess zurückgeholt. Zachert soll sei Amt spätestens zum 15. Mai antreten, hieß es.

"Lanxess steht vor großen Herausforderungen, beispielsweise hinsichtlich Marktkapazitäten und Geschäftsportfolio", erklärte Aufsichtsratschef Rolf Stomberg. Das Kontrollgremium halte deshalb den Zeitpunkt für gekommen, einer neuen Führung Verantwortung zu übertragen, um diesen Herausforderungen zu begegnen.

Genauer Zeitpunkt wird noch bekanntgegeben

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Der schwache Automarkt in Europa hat 2013 hat auch Lanxess getroffen, der Zulieferer für die Auto- und Reifenindustrie ist. Lanxess ist nach eigenen Angaben der weltgrößte Hersteller von synthetischem Kautschuk, dem wichtigen Rohstoff für Reifen. Der Konzern hat schon Anlagen gedrosselt und ein Sparprogramm im September aufgelegt, mit dem 100 Millionen Euro bis Ende 2015 eingespart werden sollen. Die Bilanz 2013 soll am 20. März vorgelegt werden. Nach den ersten neun Monaten waren der Umsatz, das operative Ergebnis und der Gewinn rückläufig.

Die Merck KGaA teilte mit, Zachert habe Familienrat und den Vorstandsvorsitzenden über das Angebot eines Wechsels zu Lanxess informiert und um vorzeitige Aufhebung des Vertrags gebeten. "Merck wird dieser Bitte entsprechen. Der Zeitpunkt des Wechsels wird später bekannt gegeben."

Lanxess war vor rund zehn Jahren an die Börse gebracht worden und 2012 in den Deutschen Aktienindex Dax aufgestiegen. Damit zählt Lanxess zur Topliga der deutschen Unternehmenslandschaft.

Die Autokrise in Europa und stark gefallene Kautschukpreise hatten zuletzt bei Lanxess für einen Ergebniseinbruch gesorgt. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen (Ebitda) sowie vor Sondereffekten war im dritten Quartal im Jahresvergleich um 26,4 Prozent auf 187 Millionen Euro abgesackt, wie das Unternehmen im November mitgeteilt hatte. Der Umsatz ging trotz höherer Absatzmengen um fünf Prozent auf 2,05 Milliarden Euro zurück. Der Gewinn stürzte wegen höherer Abschreibungen und Kosten für das Sparprogramm des Unternehmens um fast 90 Prozent auf 11 Millionen Euro ab.

Mit dem im September angekündigten Programm will das Unternehmen ab 2015 jährlich 100 Millionen Euro einsparen. Weltweit sollen insgesamt rund 1000 Stellen wegfallen.

Quelle: n-tv.de

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