Wirtschaft
Der Preisdruck auf Obst, Gemüse, Fleisch und Milchprodukte in der EU wird sich erhöhen, glaubt Ökonom Klaus-Jürgen Gern.
Der Preisdruck auf Obst, Gemüse, Fleisch und Milchprodukte in der EU wird sich erhöhen, glaubt Ökonom Klaus-Jürgen Gern.(Foto: picture alliance / dpa)

Russlands Lebensmittel-Boykott: Lassen Sanktionen Preise sinken?

Wer hätte das gedacht: Deutsche Verbraucher könnten am Ende die Gewinner russischer Sanktionen sein. Da Putin die Einfuhr von EU-Lebensmitteln stoppt, kommt es in Europa zu einem Mehrangebot. Und das wirkt sich auf die Preise aus.

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Verbraucher in Europa könnten aus Forschersicht von den Einfuhrbeschränkungen Russlands für Lebensmittel profitieren. "Andere Abnehmer sind in dem Maße nicht leicht zu finden", sagte der Kieler Ökonom Klaus-Jürgen Gern. "Das wird zu Preisdruck in der EU führen." In Deutschland seien die Preise für Obst, Gemüse, Fleisch und Milchprodukte ohnehin unter Druck. "Das könnte sich von nun an verstärken."

Russland hatte im Ukraine-Konflikt ein einjähriges Einfuhrverbot für Lebensmittel aus zahlreichen Ländern verhängt. In vielen westlichen Ländern wächst dadurch das Angebot.

Europas Landwirte sind wenig begeistert

Aus Sicht der Landwirte stellt sich das jedoch anders dar: Das russische Einfuhrverbot für EU-Agrarprodukte hat etwa Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy als "nicht hilfreich" bezeichnet. "Die spanische Landwirtschaft hatte in letzter Zeit große Anstrengungen unternommen, die Qualität ihrer Produkte verbessert und eine gute Position auf dem russischen Markt eingenommen", sagte der Regierungschef nach einer Unterredung mit König Felipe VI. in Palma de Mallorca.

"Der russische Einfuhrstopp wird uns nicht helfen", meint Rajoy. Aber er sei sicher, dass die Sanktionen für die spanischen Produzenten ein zusätzlicher Ansporn sein werden. Das Madrider Agrarministerium wies darauf hin, dass es spanischen Schweinefleisch-Exporteuren, die schon früher von russischen Einfuhrverboten betroffen waren, gelungen sei, alternative Absatzmärkte zu finden.

Zuvor hatte bereits der Deutsche Bauernverband seine Sorgen vor einem steigenden Angebotsdruck innerhalb der EU geäußert.

Deutsches Wirtschaftswachstum gefährdet?

Die Krise könnte aus Sicht des Kielern Ökonomen Gern auch das deutsche Wirtschaftswachstum als Ganzes dämpfen. "Unternehmen sind verunsichert und werden in ihren Dispositionen vorsichtiger. Die Stimmung wird sich weiter eintrüben."

Gerns Institut hat berechnet, wie stark das Bruttoinlandsprodukt (BIP) leiden könnte: Schränke Russland seine Importe moderat um 10 bis 20 Prozent ein, koste das in Deutschland 0,2 bis 0,3 Prozent BIP-Wachstum. Bei doppelt so starken Einschränkungen sei bis zu ein Prozent weniger Wachstum möglich.

"Wenn die Russen die Sanktionen weitertreiben, können sie die europäische Wirtschaft durchaus treffen", sagte Gern. Der Ukraine-Konflikt sei zudem nicht der einzige Unsicherheitsfaktor. Ins Gewicht falle auch, dass der Euroraum sich zäher erhole als erhofft.

Quelle: n-tv.de

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