Mittwoch, 16. September 2009
Unlautere Mittel bei Übernahme: Lehman klagt gegen Barclays
Wurde Lehman selber zum Opfer?
(Foto: REUTERS)
Ein Jahr nach dem spektakulären Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers ist ein milliardenschwerer Streit um den Notverkauf von Teilen des Finanzhauses ausgebrochen. Die Gläubiger werfen der britischen Großbank Barclays vor, sich weit mehr Vermögenswerte unter den Nagel gerissen zu haben als ihr zugestanden hätte. Barclays habe daraus einen Profit von 8,2 Mrd. US-Dollar (5,6 Mrd. Euro) geschlagen. Der Treuhänder der insolventen Überreste von Lehman Brothers will den Verkauf nun nachverhandeln.
In Unterlagen, die er beim Insolvenzgericht in New York einreichte, unterstellt der Treuhänder Barclays unlautere Praktiken: Vielen damaligen Entscheidungsträgern von Lehman Brothers seien lukrative Posten im eigenen Hause versprochen worden, wenn der Verkauf klappe. Barclays wies die Vorwürfe als "opportunistisch" und ohne Aussicht auf Erfolg zurück: "Jetzt, da die Wirtschaft sich begonnen hat zu stabilisieren, versucht Lehman das Geschäft mit einem haltlosen Argument neu zu verhandeln."
Das Insolvenzgericht soll nun entscheiden, ob der Verkauf nochmals aufgerollt wird. Eine Anhörung ist für den 15. Oktober angesetzt. Das Aus für Lehman Brothers vor einem Jahr hatte weltweite Schockwellen ausgelöst und für den bisherigen Höhepunkt der Finanzkrise gesorgt.
Bereits im Juni hatte ein Richter festgestellt, dass in der Eile des Verkaufs Fehler gemacht wurden. Barclays hatte nur zwei Tage nach dem Zusammenbruch das wichtige nordamerikanische Kerngeschäft samt einiger Immobilien von Lehman übernommen - zum Schnäppchenpreis von 1,75 Mrd. US-Dollar. Damals begründeten beide Seiten die niedrige Summe mit den Risiken, die noch in den Büchern schlummern könnten. Das Insolvenzgericht hatte den Verkauf abgenickt.
Die Gläubiger werfen Barclays und den damals verantwortlichen Lehman-Managern nun vor, dass später weitere Vermögenswerte in das Paket gepackt worden seien, die gar nicht mit hätten verkauft werden sollen. Dies habe das Insolvenzgericht niemals gebilligt. Dass Barclays mit der Übernahme tatsächlich ein gutes Geschäft machte, zeigte ein milliardenschwerer Sondergewinn, den die Briten gleich danach auswiesen.
dpa/rts
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