Wirtschaft
Der Welthandel als künstlerisches Projekt. Das Bild "Anamnesis" von Otobong Nkanga besteht aus Kaffe,Tee und Gewürzen .
Der Welthandel als künstlerisches Projekt. Das Bild "Anamnesis" von Otobong Nkanga besteht aus Kaffe,Tee und Gewürzen .(Foto: picture alliance / dpa)

Welt-Handelsindex: Licht und Schatten in 2016

Ein Gastbeitrag von Markus C. Zschaber

Der Welthandel schwächelt. Vermögensverwalter Markus Zschaber erklärt, wo es überall nicht rund läuft und warum das globale Wachstum trotzdem besser als erwartet ausfallen könnte.

Im Rahmen des "Welt-Handelsindex" werden jeden Monat die vorausschauenden Transport- und Logistikdaten analysiert. Diese kündigen für 2016 ein weiterhin schwieriges Umfeld an. Die Chancen stehen aber nicht schlecht, dass im weiteren Verlauf des Jahres der Waren- und Dienstleistungstransfer auch zulegen könnte. Dr. Markus C. Zschaber, Chef der gleichnamigen Vermögensverwaltung, die monatlich den "Welt-Handelsindex" veröffentlicht, errechnet durchaus das Potenzial, dass das Welthandelswachstum rund 1 Prozent höher ausfallen könnte als in 2015.

Dr. Markus C. Zschaber
Dr. Markus C. Zschaber(Foto: V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft Dr. Markus C. Zschaber mbH)

Hintergrund der gegenwärtigen Schwäche im Welthandel ist, dass der Investitionsgütertransfer im verarbeitenden Gewerbe gerade in den Schwellenländern sehr mau ausfällt, Chinas Schwerindustrie sogar rezessive Entwicklungen anzeigt. Dagegen zeigt sich eine hohe Zunahme der Dienstleistungsaktivität, welche aber vor allem die Binnenmärkte stimuliert, dort ist der Trend zur Dienstleistung im vollen Gange. Ein weiterer Faktor, der im letzten Jahr den Welthandel gebremst hatte, war neben den makroökonomischen und geopolitischen Störfeuern, vor allem die Zunahme protektionistischer Vorgehensweisen einiger Nationen. So haben u.a. Argentinien, Russland und Indien weitere Maßnahmen ergriffen, die den globalen Außenhandel partiell beeinflussen.

Hervorzuheben sind auch die Verteilungs- und Ansteckungskräfte einzelner Krisen rund um den Globus, was natürlich auf die Internationalisierung der Produktionsprozesse zurückzuführen ist. Vor allem die Industrienationen sind aufgrund der unzähligen Zwischengüter hiervon besonders betroffen. Diese werden heutzutage global hergestellt und stellen einen wesentlichen Bestandteil der Wertschöpfungskette dar. "Daraus resultiert, dass ein Anleger heute viel intensiver auf die globalen Ereignisse eingehen muss, um kein böses Erwachen zu erleben. Das gilt insbesondere auch für 2016", fasst Markus Zschaber zusammen.  

Die Internationalisierung birgt aber ein hohes Chancenpotenzial. Sehr positiv hervorzuheben ist auf der anderen Seite die hohe Flexibilität in der Wertschöpfung, welches nicht zuletzt auch über die heutigen Welthandelsstrukturen ermöglicht wurde. Die hohe Profitabilität in den Wertschöpfungsketten verspricht günstige Wachstumsaussichten auf mittlere Sicht. 

Das gesamtwirtschaftliche Umfeld:

Die wirtschaftliche Dynamik in der Welt ist seit geraumer Zeit sehr heterogen. Die USA und Großbritannien befinden sich in einem tendenziellen Aufschwung, die Produktion im Euroraum konnte zuletzt ebenfalls zulegen. Der Euroraum erhält recht kräftige Impulse, die die gegenwärtige konjunkturelle Situation weiter stabilisieren sollten. Der Euro hat in 2015 real effektiv abgewertet. Zudem bedeutet der Rückgang des Ölpreises einen Realeinkommensschub für Haushalte und er senkt die Produktionskosten der Unternehmen.

Dieses gilt auch für die anderen fortgeschrittenen Volkswirtschaften, gerade deshalb dürfte der Aufschwung in den USA, trotz markanter Schwäche der industriellen Konjunktur, durch den Konsumenten weiter getragen werden, der neben einer erhöhten Lohnsumme, mehr Kaufkraft durch die niedrigen Energiepreise erhält. In Japan steht die Wirtschaft nach wie vor in hoher Abhängigkeit zur Geld- und Fiskalpolitik. Die Produktion in Japan sollte aber aufgrund der bereits umgesetzten Reformen sowie der noch ausstehenden Reformen stärker ansteigen als im vergangenen Jahr. In China dürfte die Wachstumsdynamik im Verlauf des Jahres 2016 zwar ebenfalls leicht nachlassen, allerdings sollte sich nach dem Neujahrsfest eine Aufhellung im Waren- und Dienstleistungsverkehr anzeigen. Gerade der binnenasiatische Handel zeigt sich deutlich robuster als in anderen Regionen.

Mit Blick auf unsere Frühindikatoren lässt sich feststellen, dass die Expansionskräfte aus der Welt, auch getragen durch die binnenwirtschaftlichen Aktivitäten der einzelnen Volkswirtschaften, ihr Niveau aus dem letzten Jahr verteidigen und erreichen sollten – dieses gilt insbesondere auch für Deutschland. Im Frühjahr 2016 dürften sich die konjunkturellen Kräfte sowohl aus der Binnen- als auch aus der Außenwirtschaft weiter verstärken, so dass mit zunehmender Kapazitätsauslastung die Unternehmen wieder mehr in Ausrüstungen und Wirtschaftsbauten investieren werden. Die Investitionen des Staates ziehen – auch angesichts der von der Bundesregierung eingeleiteten Maßnahmen für den Erhalt und den Ausbau der öffentlichen Infrastruktur – an.

Die Wohnungsbauinvestitionen bleiben aufwärtsgerichtet, auch wenn die Zuwächse aufgrund des bereits hohen Niveaus sowohl von Seiten der privaten Haushalte als auch von Seiten institutioneller Investoren weniger kräftig ausfallen werden. Auch der niedrige Ölpreis entfaltet positive Wirkungen auf die Konjunktur.

Für 2016 erwarten wir, dass trotz potenzieller Gefahren und Störfeuer der Welthandel an die 3 Prozent Wachstumsmarke herankommen kann. "Wir erwarten eine konjunkturelle Beschleunigung, welche durch die anhaltende Internationalisierung verstärkt wird und den Welthandel positiv stimuliert", führt Markus Zschaber aus. Die Ausdehnung des Dienstleistungssektors in den Industrie- wie in den Schwellenländern wird voraussichtlich ebenfalls den Handel nachhaltig stützen, auch wenn das verarbeitende Gewerbe noch bis auf weiteres einen negativen Beitrag liefert.  

Das Tempo im Welthandel hat sich zuletzt weiter abgeschwächt, welches auch das aktuelle Ergebnis von 69 Prozent des "Welt-Handelsindex", widerspiegelt. Wichtig ist festzuhalten, dass erst Werte oberhalb des Niveaus von 70 Prozent den Trend des Potenzialwachstums im Welthandel widerspiegeln. Sollte das Niveau sich in den kommenden Monaten wieder verbessern können, sollten nicht zuletzt auch die Weltindustrieproduktion und damit der globale Investitionsgüterzyklus davon positiv stimuliert werden.

"Mit Blick auf die vorausschauenden Daten sehe ich Chancen, dass das Niveau des Potenzialwachstums im ersten Quartal 2016 wieder erreicht werden könnte. Gerade die Dynamik in den Binnenmärkten, sprich der Konsum und die Dienstleistungsströme in den USA, Europa und in China, zeigen sich robust und mit Potenzial. Das sollte auch auf die Außenhandelsdaten sukzessive positiv ausstrahlen“, ist sich Zschaber sicher.

Was bedeutet das für den Anleger:

Wir erwarten, dass das gigantische Konjunkturprogramm namens "billiges Öl & günstige Energiepreise" jetzt erst anfängt seine Wirkung zu zeigen. Wir sehen an den Verbraucherindikatoren, dass die Auswirkungen im Westen seit kurzer Zeit spürbar sind, und diese Entwicklung dürfte sich weiter verfestigen.

Die Weltwirtschaft wird sich insgesamt zufriedenstellend entwickeln, wir sehen moderate Wachstumsraten um die 3 Prozent pro Jahr als realistisch. Daraus resultiert: Gerade in Bezug auf die rekordtiefen Zinsen stufen wir Aktien und aktienähnliche Investments als derzeit attraktivste Anlageklasse ein. Fakt ist, betrachtet man den Gesamtzusammenhang weisen Aktien langfristig immer noch beträchtliche und attraktive Prämien auf. Anleger sollten aber für sich erkennen, dass nicht die allgemeine Berichterstattung, nun in Aktien zu investieren, da es dort höhere Renditen als im Festgeld gibt, der Leitfaden sein darf!

Im Vordergrund sollten weiterhin ausgewählte Qualitätstitel am Aktienmarkt stehen, deren Geschäftsmodelle die verschiedenen Zyklen (gerade in den globalen als auch lokalen Handelsaktivitäten) nicht nur nutzen, sondern auch daran partizipieren und langfristig die Kriterien des Schutzes als Sachanlage erfüllen. Die Aktienmärkte sind nicht mehr so billig wie noch vor zwei bis drei Jahren, sie sind aber auch nicht teuer, vor allem im Vergleich zu Anleihen. Die Grundsituation kann aber auch noch anders betrachtet werden, nicht der Preis der Aktie ist entscheidend, denn die hohen Schwankungen und Unsicherheiten in den einzelnen Wirtschaftsräumen sind der Gradmesser für die weiter vorhandene Unsicherheit, ob das Experiment "Rettung des neoliberalistischen Systems" gelingt oder nicht und zwar weltweit.

Eines steht aber so gut wie fest, es gab aus den letzten Krisen der vergangenen Jahrhunderte keine Anlageklasse, die das tatsächliche Vermögen der Bevölkerung so gut schützte wie die Aktie, sprich eine Unternehmensbeteiligung! Daher muss erkannt werden, dass seit der Weltfinanzkrise beginnend in 2008 die normalen Verlaufszyklen, sei es in einzelnen Wirtschaftsräumen als auch an den Kapitalmärkten oder im weltweiten Handel selbst, wie wir es in der Ökonomie seit knapp einem Jahrhundert kannten, nur bedingt als Grundlage zu Rate gezogen werden können, denn die Retter und großen Akteure waren neben den einzelnen Regierungen sicherlich übergeordnet die Notenbanken, die u.a. mit der Schaffung von Liquidität (Stimulation durch Aufkauf von Bad-Assets usw.) eigene Zyklen erschafft haben.

Fakt ist, die komplexen wirtschaftlichen und geldpolitischen Abhängigkeiten haben das Investieren gerade für den Privatanleger deutlich anspruchsvoller gemacht. Wenn Menschen nun das Gefühl haben, die Kapitalmärkte würden immer schwieriger zu prognostizieren, ist das nicht verwunderlich. Gut vorgesorgt hat derjenige, der einen großen Teil an Sachanlagen wie Aktien hält, der sein Vertrauen in Personen setzt, die in der Lage sind, viele Ereignisse zu deuten, zu analysieren und Schlüsse daraus zu ziehen, die relevant für das Thema Vermögensschutz sind. Vermögensschutz heißt nicht, keine Verluste, Vermögensschutz bedeutet langfristiger Erhalt der Kaufkraft! In diesem Zusammenhang ist der "Welt-Handelsindex" ein sehr geeignetes Instrument, welches unter anderem Rückschlüsse auf die wesentlichsten Konjunkturtreiber ermöglicht, den Handel und damit verbunden die Industrieproduktion und die Stärke der einzelnen Wirtschaftsräume.

Das Musterdepot zum "Welt-Handelsindex" wird innerhalb dieser Berichterstattung vierteljährlich erwähnt, es beinhaltet diverse Anlageklassen, übergewichtet Aktieninvestments oder ETF's auf Märkte und Branchen, die insbesondere an den Welthandelsaktivitäten partizipieren. Dadurch, dass der "Welt-Handelsindex“" ein dynamisches Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst bietet und detailorientierte Analysen auch hinsichtlich der Konjunkturlage ermöglicht, können schnelle und aktive Reaktionen auch im Welthandelsportfolio erfolgen. Informationen hierzu unter www.welthandelsindex.de.

Funktionsweise Welt-Handelsindex:

Der Welt-Handelsindex fasst alle relevanten Daten aus den vier primären Transport- und Handelswegen (Schifffahrt, Schiene, Straße und Lufttransport) zusammen, gewichtet diese und verdichtet sie in einem Index.

Der Index bietet zum ersten Mal ein Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst in einer Zahl, erfasst damit unter anderem auch die Auswirkungen der Globalisierung und überwindet funktionale und regionale Beschränkungen, der zum Beispiel nur regional ausgerichteten Indikatoren. Indexstände oberhalb eines Niveaus von 50 Punkten deuten einen wachsenden Welthandel an, inmitten einer expandierenden Gesamtwirtschaft.

Unterhalb des Niveaus von 50 lässt sich dagegen aussagen, dass die Welthandelsaktivität schrumpft, wobei ab einem Niveau von unter 45 sogar eine deutliche Kontraktion der Gesamtwirtschaft zu erwarten ist.

Quelle: Die Vermögensverwaltungsges. Dr. Markus C. Zschaber mbH stellt den Index monatlich exklusiv dem "Handelsblatt" und dem "Nachrichtensender n-tv" zur Verfügung. Informationen zum Index unter www.zschaber.de oder www.kapitalmarktanalyse.com

Quelle: n-tv.de

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