Wirtschaft
"Man muss eher früher als später handeln": Erkki Liikanen (Archivbild)
"Man muss eher früher als später handeln": Erkki Liikanen (Archivbild)(Foto: REUTERS)

Extrawurst für Griechenland?: Liikanen erklärt die EZB-Linie

Der Wirbel um die Antrittsbesuche der neuen griechischen Regierung in Europa kann es nicht verbergen: In der Sache weicht die Europäische Zentralbank keinen Millimeter von ihrem Kurs ab. Der finnische Notenbankchef rechtfertig das Vorgehen.

Der finnische Notenbankpräsident Erkki Liikanen rechtfertigt die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), dass griechische Banken künftig keine griechischen Staatsanleihen mehr als Kreditpfand bei der EZB einreichen dürfen.

"Wir haben schon im Januar mitgeteilt, dass die Ausnahmeregelung darauf beruht, dass die Überprüfung des Reformprogramms erfolgreich ist", sagte Liikanen im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung", aus dem das Blatt vorab berichtete. "Davon konnte man aber nicht mehr ausgehen. Deshalb war das eine logische Entscheidung. Wir müssen uns an unsere Regeln halten."

Die EZB erhöht mit dieser Entscheidung den Druck auf Griechenland, sich mit den Geldgebern von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Eurozone zu einigen. Nach dem Rauswurf der sogenannten "Troika" durch Griechenlands neue Links-Rechts-Koalition erschien ein einvernehmliches Miteinander zunächst massiv erschwert.

Die Notenbank möchte Ruhe, heißt es, damit die griechische Wirtschaft sich erholen kann. Ein hektischer Kurswechsel, hemdsärmeliger Aktionismus und Provokationen gegenüber den Euro-Partnern zählen die EZB-Ratsmitglieder offensichtlich zu den kontraproduktiven Entscheidungen aus Athen.

Als Beitrag zur Beruhigung der Lage will die EZB dagegen unter anderem die jüngste Entscheidung der Währungshüter verstanden wissen, durch den Ankauf von Staatsanleihen bis September 2016 rund 1,1 Billionen Euro in das europäische Finanzsystem zu schleusen. EZB-Ratsmitglied Liikanen hält den Beschluss für richtig: "Wenn man erst in eine Deflationsspirale gerät, kommt man nur schwer wieder da raus. Man muss eher früher als später handeln."

"Sehr professionell und sachlich"

Zur Kritik der Bundesbank an der EZB-Entscheidung sagte Liikanen: "Ich bewundere die Bundesbank", doch heute stehe man vor einer völlig neuen Herausforderung: ""In der Nachkriegszeit hatten wir dieses Problem mit zu niedriger Inflation nicht. Damals war zu hohe Inflation das Problem – und in diesem Kampf hat die Bundesbank eine großartige Bilanz." Jetzt, so Liikanen, spreche man aber über die Gefahr, dass Inflation viel zu lange zu niedrig sei.

Der frühere finnische Finanzminister sagte, er verstehe die Diskussion in Deutschland. "Auch in Finnland gibt es Kritik, dort sagen manche aber auch, die EZB hätte zu spät gehandelt." Trotz der Divergenzen im EZB-Rat habe sich die Arbeitsatmosphäre nicht verschlechtert. "Es geht dort sehr professionell und sachlich zu. Keiner kann behaupten, dass seine Einwände im EZB-Rat nicht angehört worden wären."

Den deutschen Sparern macht der Finne - der als Chef der finnischen Notenbank qua Amt im Kreis der Währungshüter rund um EZB-Chef Mario Draghi sitzt - wenig Hoffnung auf steigende Zinsen. "Das wird eine Weile dauern, aber die Sparer profitieren doch von einer Erholung der Eurozone."

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Quelle: n-tv.de

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