Wirtschaft
Über die Hälfte des weltweit verkauften Feuerwerks kommt aus dem chinesischen Liuyang.
Über die Hälfte des weltweit verkauften Feuerwerks kommt aus dem chinesischen Liuyang.(Foto: picture alliance / dpa)

Pyrotechniker hadern mit dem Smog: Liuyang ist Welthauptstadt des Feuerwerks

In Liuyang scheint jeden Tag Silvester zu sein. In der chinesischen Stadt wird mehr als die Hälfte des weltweit verkauften Feuerwerks produziert. Dieses Jahr laufen die Geschäfte der Pyrotechniker im vom Smog geplagten China jedoch schleppend.

Wer mit dem Auto am Stadtrand von Liuyang unterwegs ist, fühlt sich, als wäre jeden Tag Silvester. Immer wieder erleuchtet links und rechts der Straße buntes Feuerwerk den Abendhimmel. "Das sind Fabriken, die gerade Kundenpräsentationen machen", sagt Li Qiong, als sie auf den Parkplatz ihrer Firma fährt. Sie ist Chefin von Far Ocean Fireworks, einer von über 1000 Firmen, die in der "Hauptstadt des Feuerwerks" Heuler, Böller und Raketen herstellen.

In den Lagern der Feuerwerksfabriken in Liuyang stapeln sich die Feuerwerkskisten.
In den Lagern der Feuerwerksfabriken in Liuyang stapeln sich die Feuerwerkskisten.(Foto: picture alliance / dpa)

Laut Angaben der Stadtverwaltung sind in Liuyang rund 400.000 Arbeiter in Fabriken beschäftigt, die gemeinsam mehr als die Hälfte des weltweit produzierten Feuerwerks herstellen. Wie unterschiedlich dabei die Vorlieben der internationalen Kunden sind, wird im Lagerraum von Li Qiongs Fabrik deutlich. Auf Deutschland warten dort in Plastiktüten vor allem kleine Raketen und Handfeuerwerk.

Im Regal für die USA, wo nicht zu Silvester, sondern am Independence Day im Juli am kräftigsten geballert wird, hat alles einen wuchtigeren und militärischen Touch: Die Verpackungen der Feuerwerks-Batterien, die einmal gezündet für mehrere Minuten Schüsse in den Himmel abgeben, sind mit Panzern, Kampfflugzeugen oder Soldaten beklebt. Das Feuerwerk für den chinesischen Markt hat zwar eine ähnliche Wucht, kommt aber - eingepackt in festlichen, roten Kisten - deutlich eleganter daher.

Böller-Verbot gegen den Smog

Wegen strengerer Umweltregeln sind die Verkaufszahlen auf dem chinesischen Markt rückläufig.
Wegen strengerer Umweltregeln sind die Verkaufszahlen auf dem chinesischen Markt rückläufig.(Foto: picture alliance / dpa)

Doch ausgerechnet der heimische Markt bereitet den Herstellern in Liuyang Kopfzerbrechen. "Firmen, die nicht exportieren und nur in China verkaufen, haben massive Probleme", sagt Li Qiong. Zwar ist es Tradition, das chinesische Neujahrsfest, das nach dem Mondkalender auf Ende Januar oder Anfang Februar fällt, mit Raketen und Böllern zu feiern. Trotzdem sind die Verkäufe rückläufig. Grund sind die immer strengeren Umweltregeln in den Großstädten. Aus Angst vor Smog haben die Behörden vergangenes Jahr in einigen Städten Feuerwerke rund um das zweiwöchige Neujahrsfest komplett gestrichen.

Die Hauptstadt Peking, der wichtigste Absatzmarkt für Knallkörper in China, rief die Menschen per SMS dazu auf, weniger zu böllern. Auch die zugelassenen Verkaufsstellen für Feuerwerk wurden reduziert. "Dieses Jahr wird es noch schlimmer. Wir dürfen dann nur noch an fünf Tagen verkaufen, nicht mehr wie bisher an 15 Tagen", sagt Tao Liang von Panda Firework, dem größten Feuerwerkshersteller Chinas, der ebenfalls in Liuyang produziert.

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Brechen die Verkäufe in China weiter ein, sind laut Tao auch Fabrikschließungen nicht mehr auszuschließen. Doch noch versuchen die Hersteller gegenzusteuern. Panda baut derzeit sein Sortiment mit "grünen Knallern" aus, die geringere Luftverschmutzung verursachen sollen. Ob das reicht, weiß auch Tao Liang nicht. "Um ehrlich zu sein: Als Feuerwerkshersteller sind wir nicht Herr unseres eigenen Schicksals. Wenn die Regierung Feuerwerk verbietet, können wir nur gehorchen."

Verschärfte Kontrollen in Fabriken

Doch nicht nur schärfere Umweltregeln setzen die Hersteller in der Region unter Druck. In China kommt es immer wieder zu verheerenden Unfällen bei der Herstellung des Feuerwerks. Erst vergangenes Jahr explodierte in der Nähe von Liuyang eine Fabrik. 12 Menschen kamen ums Leben, 33 weitere wurden verletzt. Meist sind nicht eingehaltene Sicherheitsvorschriften Ursache der Unfälle.

Seit dem großen Unglück im Hafen der nordostchinesischen Stadt Tianjin diesen Sommer, wo ein Chemielager explodierte und mehr als 170 Menschen ums Leben kamen, greift die Regierung wie in den meisten Industrien auch bei den Feuerwerksherstellern mit härteren Kontrollen durch. "Die kennen keinen Spaß mehr. Wenn die Vorschriften nicht eingehalten werden, wird dir der Laden sofort geschlossen", sagt ein Feuerwerks-Manager.

Fabrikleiter in Liuyang, die in diesen Tagen ins Zweifeln geraten, können sich im Feuerwerksmuseum der Stadt inspirieren lassen. Dort steht die Statue von Li Tian. Um böse Geister aus der Stadt zu vertreiben, experimentierte der Mönch vor 1400 Jahren mit Schwarzpulver und hohlen Bambusrohren. Das Ergebnis war, so sagt es die Überlieferung, das erste Feuerwerk der Welt.

Quelle: n-tv.de

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