Kosten für Falschberatung wachsenLloyds beginnt 2012 moderat

Die teilverstaatlichte britische Großbank Lloyds verdient im ersten Quartal zwar mehr als im Vorjahr. Doch die Bank muss mit Entschädigungszahlungen in Milliardenhöhe rechnen, weil sie Kunden Versicherungen aufschwatzte, die sie gar nicht brauchten. Die Rückstellungen für die Falschberatung wachsen immer weiter.
Die britische Lloyds Banking Group hat im ersten Quartal trotz des schwierigen Wirtschaftsumfelds deutlich mehr verdient. Der bereinigte Gewinn vor Steuern kletterte um mehr als das Doppelte auf 628 Mio. britische Pfund. Unterm Strich erreichte das teilverstaatlichte Bankhaus mit einem kleinen Überschuss wieder die Gewinnzone, nachdem es im Vorjahresquartal noch einen Verlust von 2,4 Mrd. Pfund ausweisen musste.
Lloyds-CEO Antonio Horta-Osorio sieht auch für die kommenden Monate keinen Aufwärtstrend: Die Wirtschaft sollte bis Ende des Jahres stagnieren und die Zinsen dürften niedrig bleiben. Wie viele inländische Rivalen leidet auch Lloyds unter geringen Zinsen, einer schwachen Kreditnachfrage und strikteren regulatorischen Vorgaben.
Belastet wurde die Bilanz erneut von hohen Rückstellungen für mögliche Entschädigungszahlungen. Lloyds musste - wie andere britische Banken - unter anderem 351 Mio. für Schadensersatzsprüche für Kunden zurücklegen, denen ohne Rechtsgrundlage teure Kreditausfallversicherungen aufgeschwatzt worden waren. Im vergangenen Jahr hatte Lloyds bereits 3,2 Mrd. Pfund Entschädigung an Kunden gezahlt, denen Restschuldversicherungen verkauft wurden, obwohl sie nach einer offiziellen Untersuchung nie Ansprüche auf Zahlungen gehabt hätten. Mit den Policen sichern Kreditnehmer sich gegen das Risiko ab, bei Krankheiten oder Arbeitslosigkeit die Raten nicht mehr zahlen zu können.
Lloyds muss Kunden für die Falschberatung entschädigen. Den Verkauf dieser so genannten PPI-Versicherungen hatten mehrere britische Banken vielfach an die Darlehensvergabe gekoppelt. Die Finanzaufsicht hatte aber weitreichende Fehler ausgemacht und vor Gericht bereits hohe Entschädigungen für die Kunden der Institute erreicht. Für den Schadensersatz hat Lloyds inzwischen Aufwendungen in Höhe von fast 3,8 Mrd. Pfund zu verbuchen. Das Bankhaus gehört zu 40 Prozent dem britischen Staat. Im Falle eines Verkaufes würde der Staat derzeit mehr als die Hälfte seines Einsatzes verlieren.
Schneller als erwartet kam die Bank mit dem Abbau der faulen Kredite voran. Diese konnten laut Lloyds um 36 Prozent auf 1,7 Mrd. Euro reduziert werden. In der vergangenen Woche hatte Lloyds Verhandlungen mit der neu gegründete Bank NBNK Investments über den Verkauf von 632 Filialen in Aussicht gestellt. Daneben werde weiterhin erwogen, das Filialnetz an die Börse zu bringen, sagte Horta-Osorio. Das Geldhaus muss die Filialen im Gegenzug für Staatshilfen in der Finanzkrise und auf Geheiß der europäischen Wettbewerbshüter abgeben.