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Investor dringend gesucht: Loewe ringt ums Überleben

Für den schwer angeschlagenen TV-Hersteller Loewe wird es knapp. Nun meldet das Management Insolvenz an. Doch noch gibt es Hoffnung: Derzeit laufen Gespräche mit sechs Interessenten. Sie würden in zumindest schuldenfreies Unternehmen einsteigen.

Der traditionsreiche TV-Hersteller Loewe ist pleite. Das Amtsgericht Coburg stimmte einem Insolvenzverfahren in Eigenregie zu, wie das oberfränkische Unternehmen mitteilte. Noch hoffen Loewe-Chef Matthias Harsch und die rund 650 Beschäftigten auf einen rettenden Investor. Die Verhandlungen mit Interessenten liefen, sagte er Reuters. Loewe leidet unter einer Absatzflaute und der harten Konkurrenz asiatischer Hersteller wie Samsung und LG Electronics aus Korea.

Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Pleite wird dem 90 Jahre alten Erfinder des elektronischen Fernsehens kein externer Insolvenzverwalter an die Spitze gesetzt. Die Geschäftsführung darf unter den Augen eines Sachwalters selbst versuchen, die Wende zu schaffen. Harsch sieht gute Chancen für eine Rettung in letzter Minute. In Frage kommen reiche Familienunternehmer oder auf Deutschland spezialisierte Finanzinvestoren.

Sechs Angebote liegen vor

"Wir haben sechs Angebote von Investoren, über die wir in den kommenden vier Wochen entscheiden", sagte Harsch. "Es gibt eine extrem hohe Wahrscheinlichkeit, dass wir bis Ende Oktober einen neuen Investor haben werden." Dem Gläubigerausschuss werde ein Sanierungsplan vorgelegt, in dem ein neuer Geldgeber vorgesehen sei. Das operative Geschäft sei bis etwa Jahresende finanziert. An der Börse flohen die Anleger in Scharen, die Loewe-Aktie sackte um ein Drittel auf gut vier Euro ab.

Im ersten Halbjahr war der Umsatz der Firma um fast 40 Prozent auf 76,5 Millionen Euro eingebrochen. Der Verlust summierte sich auf 27 Millionen Euro. Als ihnen im Sommer das Geld auszugehen drohte, beantragten sie Mitte Juli ein Schutzschirmverfahren, um zunächst Ruhe vor den Gläubigern zu haben. Der Insolvenzantrag ist der nächste Schritt. Im Zuge der Sanierung verloren mehr als 300 der einst über 1000 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. Loewe fand in den vergangenen Wochen zwar mit dem chinesischen Wettbewerber Hisense einen Partner für Technologie und den Vertrieb in Asien. Die Staatsfirma brachte allerdings kein frisches Geld mit. Mit der nun folgenden Planinsolvenz ist Loewe seine Gläubiger los, das Unternehmen ist formal entschuldet.

Traditionsfirmen der Branche verschwinden

Der Freistaat Bayern hat Loewe bereits zugesagt, eine Finanzspritze eines neuen Geldgebers mit einer Bürgschaft abzusichern. Allerdings äußerte sich Staatsregierung nun distanzierter. "Ob und in welcher Form staatliche Finanzierungshilfen, etwa in Form einer Bürgschaft, eingesetzt werden können, wird zu gegebener Zeit in Gesprächen mit allen Beteiligten zu klären sein", sagte der scheidende Wirtschaftsminister Martin Zeil von der FDP. Nach ihrem Wahlsieg vor wenigen Wochen hat in Bayern künftig die CSU wieder allein das Sagen. 

Der japanische Wettbewerber Sharp und der frühere Aufsichtsratschef Rainer Hecker haben ihre Anteile von insgesamt knapp der Hälfte bereits gebündelt, um sie schnell einem neuen Investor übertragen zu können, der von einem verpflichtenden Übernahmeangebot befreit ist.

Sollte die Traditionsfirma zusammenbrechen, ginge ein weiterer der einst gut 30 klangvollen deutschen Hersteller von Unterhaltungselektronik zugrunde. Von den großen Namen - darunter Nordmende, SABA, Telefunken und Schneider - haben nur drei überlebt: Loewe, Metz und die relativ junge TechniSat. Zusammen kommen sie in Europa auf einen Marktanteil von weit unter zehn Prozent. Nachdem Philips sein Unterhaltungselektronik-Geschäft aufgegeben hat, gibt es in Europa nur noch den türkischen Koc-Konzern mit seiner Marke Grundig und Bang & Olufsen aus Dänemark. Der Rest kommt aus Korea, Japan und immer mehr aus China.

Loewe erlebt kurzes Zwischenhoch

Dabei schien es für Loewe noch vor wenigen Jahren so, als habe das Unternehmen seine schwerste Krise hinter sich. Als die Oberfranken Anfang des vergangenen Jahrzehnts den Trend zu Flachbildschirmen verschlafen hatten, sprang Sharp bei. Loewe möbelte die Modellpalette auf und punktete in kurzer Zeit mit edlem Design. Die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland 2006 brachte dem Haus einen Umsatzschub. Die Mitarbeiter, die während der Flaute auf Teile ihres Gehalts verzichtet hatten, bekamen vom damaligen Vorstandschef Hecker die Einbußen mit hoher Verzinsung zurückbezahlt. Wenig später erhielten die Aktionäre wieder eine Dividende.

Doch der Zauber verfliegt rasch. Mit der Internationalisierung kommt Loewe nicht voran. Eine stärkere Zusammenarbeit mit Sharp wird über Jahre verhandelt und findet schließlich nie statt. Viele Neuentwicklungen bekommt Loewe zu spät fertig, hinkt technisch häufig einen Tick der Konkurrenz hinterher. Und die bietet ihre Modelle immer billiger an. Der Durchschnittspreis für LCD-Bildschirme in Europa sackt unter 600 Euro, während Loewe für seine Fernseher weiter das Dreifache oder mehr aufruft.

Nach dem Wechsel Heckers in den Aufsichtsrat dreht sich das Personalkarussell schneller und schneller. Firmenchefs und Vorstände werden in rascher Folge ausgewechselt, doch ohne Erfolg. Loewe verharrt in der Verlustzone, der Umsatz schwindet immer stärker, zwischendurch wird Loewe sogar als Übernahmekandidat für den US-Technologieriesen Apple  gehandelt. Schließlich treten Harsch vom Wurstwaagehersteller Bizerba und der Sanierungsexperte Rolf Rickmeyer an. Sie setzen auf verstärkte Fertigung im Ausland. Nur noch einzelne Modelle sollen künftig in der "Fernseher-Manufaktur" in Kronach gebaut werden. Nun hoffen einige in Oberfranken auf ein zweites Wunder.

Quelle: n-tv.de

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