Wirtschaft
Gespenstische Stille: Der Dresdner Hauptbahnhof ist beinahe menschenleer.
Gespenstische Stille: Der Dresdner Hauptbahnhof ist beinahe menschenleer.(Foto: picture alliance / dpa)

Streiktag Nummer Drei: Lokführer halten die Räder still

Verkürzt heißt nicht beendet: Im deutschen Schienenverkehr zieht sich der Streik der Lokführer in den dritten Tag. Das Ende des Chaos rückt näher. Schon am Abend will die GDL den Ausstand vorzeitig beenden. Es wird dauern, bis alle Züge wieder nach Fahrplan fahren.

Millionen Bahnreisende müssen wegen des bundesweiten Streiks der Lokführer weiterhin mit Zugausfällen und Verspätungen rechnen. Erst ab Samstagabend dürfen Kunden vorsichtig aufatmen: Die Gewerkschaft GDL will ihren Ausstand um 18.00 Uhr beenden.

Die Deutsche Bahn rechnete damit, bis dahin nur etwa ein Drittel des Fernverkehrs aufrechterhalten zu können. "Bis 18.00 Uhr gilt der Ersatzfahrplan", erklärte ein Sprecher in den frühen Morgenstunden. Mit Einschränkungen sei auch am Sonntag noch zu rechnen.

Ursprünglich wollten die Lokführer bis Montagfrüh streiken. Vor dem Wochenende kündigte GDL-Chef Claus Weselsky überraschend eine "Versöhnungsgeste" in Form eines vorgezogenen Streikendes an. Zuvor hatte das Landesarbeitsgericht Hessen den Ausstand der Lokführer in letzter Instanz für rechtmäßig erklärt.

Ferienende in Niedersachsen und Bremen

Besonders im Fernverkehr müssen sich die Fahrgäste laut Bahn indes weiter auf Ausfälle und Verspätungen einstellen. Im Nahverkehr sollen dagegen im Laufe des Sonntags wieder deutlich mehr Züge fahren. Die GDL hatte vor Gericht Vorschläge zu neuen Verhandlungen zurückgewiesen. Jede Seite forderte die jeweils andere aber dazu auf, wieder zu verhandeln. Grundsätzlich hielten sie dabei jedoch an ihren Positionen fest. Damit steht das Risiko weiterer Bahnstreiks im Raum.

Einsamer Arbeitsplatz: Blick in den Lokführerstand eines ruhenden Zuges.
Einsamer Arbeitsplatz: Blick in den Lokführerstand eines ruhenden Zuges.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Gewerkschaft fordert in dem Tarifkonflikt für die Beschäftigten mehr Geld sowie eine kürzere Arbeitszeit und will neben den Lokführern vor allem auch das übrige Zugpersonal in Verhandlungen vertreten, für das bislang die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) zuständig ist. Die Bahn will konkurrierende Tarifverträge einzelner Berufsgruppen verhindern.

Engpässe zum Mauerfall-Jubiläum

Die Lokführer hatten ihre Arbeit im Güterverkehr schon am Mittwoch niedergelegt, im Personenverkehr in der Nacht zum Donnerstag - und sich damit in Politik und Öffentlichkeit viel Kritik eingehandelt. Millionen Bahnreisende mussten improvisieren und sich auf ein deutlich verringertes Zugangebot einstellen. Die Mehrheit stieg auf Auto oder Fernbus um. Das erhöhte Verkehrsaufkommen auf den Straßen blieb nicht ohne Folgen: In Städten und auf Autobahnen kam es zu Staus.

Am Wochenende trifft der Streik neben Urlaubsrückkehrern zum Ferienende in Niedersachsen und Bremen auch Fahrgäste, die zum Mauerfall-Jubiläum nach Berlin wollen. Schon nach den Ersatzfahrplänen war jedoch geplant, dass auf den wichtigen Strecken aus Richtung Hannover stündlich ICE-Züge in die Hauptstadt fahren. Auch der Güterverkehr der Bahn wurde durch den Streik stark beeinträchtigt. Die Nachwirkungen könnten noch einige Tage zu spüren sein.

Quelle: n-tv.de

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