GDL will größeres Stück vom KuchenLokführern reicht Angebot nicht
Nach einem kräftigen Gewinnsprung bei der Deutschen Bahn wollen sich die Lokführer mit einem kräftigen Einkommensplus ihren Anteil daran sichern. Der Bahn-Konzern hat deutlich zurückhaltendere Vorstellungen, wie er seine arbeitskampferprobten Mitarbeiter künftig entlohnen will.
In der ersten Tarifrunde mit der Lokführergewerkschaft GDL hat die Deutsche Bahn ein Angebot vorgelegt. Sie will die Entgelte zum 1. Juli 2012 um 2,5 Prozent erhöhen, zum 1. Oktober 2013 um weitere 2 Prozent. Außerdem bot sie die Erhöhung der betrieblichen Altersvorsorge ab 2014 um 1 Prozent an. Insgesamt soll der Vertrag eine Laufzeit von zwei Jahren haben.
Die GDL wies das Angebot als zu niedrig zurück. Sie fordert ein Lohnplus von 7 Prozent, zudem sollen die Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge von 1 auf 2 Prozent des Bruttogehalts erhöht werden.
"Das Angebot ist unzureichend", sagte der GDL-Bundesvorsitzende Claus Weselsky nach einer ersten Bewertung. "Das Ganze entspricht damit keinesfalls dem sehr guten Wirtschaftsergebnis", so Weselsky. "Die DB konnte im vergangenen Jahr ihre Gewinne um 26 Prozent steigern. Unsere Mitglieder erwartenb daher eine angemessene Beteiligung." Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber erklärte dagegen, das Angebot sei fair, weil es zur Wirtschaftslage passe und die Bahn-Mitarbeiter angemessen am Unternehmenserfolg beteilige.
Beide Seiten rechnen trotz der unterschiedlichen Vorstellungen damit, die Verhandlungen zügig abzuschließen. Am 23. Juli sollen die Verhandlungen fortgesetzt werden. Der Tarifvertrag für die rund 20.000 Lokomotivführer war am 30. Juni ausgelaufen. Damit endete auch die Friedenspflicht.
Im vergangenen Jahr hatten Bahn und GDL ihren Tarifstreit erst nach 9 Monaten und 15 Verhandlungsrunden beigelegt. Damals einigten sie sich auf eine Tariferhöhung von 2,0 Prozent. Dass die nun begonnene Tarifauseinandersetzung erneut so schwierig werden wird, erwartet GDL-Chef Weselsky nicht. "In den letzten Runden hatten wir sehr komplexe Forderungen", sagte er vor Beginn der Gespräche. In einem fast ein Jahr dauernden Krimi hatten die Lokführer 2007/08 eine eigenständige Verhandlungsmacht erkämpft. In der nächsten Runde 2010/11 wurde mehr als neun Monate lang um einen Rahmentarifvertrag gestritten, also einheitliche Einkommen für alle Lokführer bei Deutscher Bahn und regionalen Bahnen. "Jetzt müssten wir nur über Prozente reden", sagt Weselsky.
Überstunden und Schichtdienst
Die Forderung der Gewerkschaft sei "in der Marktsituation verankert", betont Weselsky. 7 Prozent mehr Gehalt - das fügt sich in die Tarifforderungen anderer großer Branchen ein. Die IG Metall verlangte im Februar ein Einkommensplus von 6,5 Prozent und erstritt 4,3 Prozent. In der Chemie-Industrie wurden 6 Prozent verlangt und 4,5 Prozent erreicht. "Da sind 7 Prozent keine utopisch hohe Forderung", sagt Weselsky.
Zur Begründung verweist die Gewerkschaft auch auf den um 26 Prozent gestiegenen Gewinn der Deutschen Bahn und die Tarifrunde 2011, die mit einer Entgelterhöhung um 2 Prozent sehr moderat ausgefallen sei. Zugleich müssten viele Lokführer wegen eines permanenten Personalmangels ständig Überstunden machen - und das im Schichtdienst.