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Die Lufthansa hat insgesamt rund 3800 Flüge gestrichen.
Die Lufthansa hat insgesamt rund 3800 Flüge gestrichen.(Foto: dpa)

Flugzeuge bleiben auf dem Boden: Lufthansa-Chef will schärferes Streikrecht

Drei Tage geht bei der Lufthansa fast nichts, wegen des Pilotenstreiks fallen rund 3800 Flüge aus. Das sei unverhältnismäßig, ärgert sich Konzernchef Franz. Die Hürden für einen Arbeitskampf sollten deshalb höher liegen.

Diese Rechte haben Fluggäste bei Streiks

Fluggesellschaften sind dazu verpflichtet, im Falle eines Streiks so schnell wie möglich eine Ersatzbeförderung zu organisieren, entweder mit einem anderen Unternehmen oder per Bahn. Wer sich lieber selbst um eine Alternative zum gestrichenen Flug kümmert, kann die Buchung stornieren und bekommt dann sein Geld zurück.

Die Fluggastrechteverordnung sieht bei großen Verspätungen oder annullierten Flügen pauschale Schadensersatzzahlungen vor. Bei Streiks gilt das aber nicht, hat der Bundesgerichtshof entschieden (Az.: X ZR 138/11). Streiks seien "nicht zu beherrschende Gegebenheiten", auf die Fluggesellschaften keinen Einfluss hätten, fanden die Richter. Anders als bei technischen Defekten oder Überbuchungen gibt es deshalb für die Reisenden kein Geld.

Immerhin haben die Betroffenen grundsätzlich Anspruch auf Betreuungsleistungen, wenn sie stundenlang auf ihr Flugzeug warten müssen. Die Fluggesellschaften müssen dann die Kosten für Telefonate, Getränke, Mahlzeiten und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel übernehmen.

Lufthansa-Chef Christoph Franz dringt wegen des massiven Pilotenstreiks auf eine Änderung der Gesetze. "Wir fordern Spielregeln und Rahmenbedingungen, nach denen sich in Zukunft Arbeitskämpfe zu richten haben", sagte Franz dem "Handelsblatt". Je kleiner eine streikende Gruppe sei, desto höher müssten die Hürden für einen Arbeitskampf sein. "Wie in anderen Ländern könnten Rahmenbedingungen wie zum Beispiel obligatorische Mediationsverfahren helfen, einen Konflikt zu entschärfen."

Die Lufthansa ist derzeit durch einen Streik der Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit weitgehend lahmgelegt. Seit Mittwoch geht bei der Lufthansa fast nichts mehr. Allein am heutigen Freitag fielen an deutschen Flughäfen Hunderte Flüge aus. Insgesamt waren rund 3800 Verbindungen mit 425.000 Fluggästen während des dreitägigen Streiks abgesagt worden.

Einbußen in Millionenhöhe

Die Gewerkschaft hatte rund 5400 Kapitäne und Co-Piloten von Lufthansa, Germanwings und Lufthansa Cargo aufgerufen, für den Erhalt ihrer Übergangsrenten und höhere Gehälter zu streiken.

Lufthansa-Chef Franz nannte den Ausstand "unverhältnismäßig". Der Konzern bezifferte den wirtschaftlichen Schaden durch den Streik auf einen hohen zweistelligen Millionenbetrag. Auch die Flughäfen München und Frankfurt gehen von Einbußen in Millionenhöhe aus.

Ab Samstag soll der Flugbetrieb wieder normal laufen. Im Laufe des Freitags will die Lufthansa über die Vorbereitungen für eine Rückkehr zum Normalbetrieb informieren. Der reguläre Flugplan soll möglichst schnell wieder aufgenommen werden, nur noch vereinzelt soll es Ausfälle geben. "Wir gehen davon aus, dass wir nach dem letzten Streiktag heute wirklich wieder einen runden Flugbetrieb haben. Es kann allenfalls vereinzelt zu leichten Verzögerungen kommen", sagte Lufthansa-Sprecherin Barbara Schädler in Frankfurt am Main gegenüber n-tv. Die Passagiere sollten sich daher am besten heute schon informieren und "morgen vielleicht ein bisschen früher an den Flughafen kommen, weil es große Passagierzahlen sein werden".

Auch am Flughafen in München blickt man relativ gelassen auf den Samstag. Es gebe nur wenige Annullierungen, sagte ein Sprecher.

Quelle: n-tv.de

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