Wirtschaft
Ein Streiktag in München: Der Flughafen "Franz-Josef Strauß" kann sich auf einiges gefasst machen.
Ein Streiktag in München: Der Flughafen "Franz-Josef Strauß" kann sich auf einiges gefasst machen.(Foto: REUTERS)

Neuer Termin am Mittwoch: Lufthansa-Piloten streiken in München

Der Arbeitskampf bei Deutschlands größter Fluggesellschaft geht in die nächste Runde. Die Piloten der Lufthansa setzen ihre Streikaktionen fort. Diesmal ist der Flughafen München an der Reihe. Reisende müssen sich auf erhebliche Behinderungen einstellen.

Kurz vor dem Ende der Schulferien in Bayern legen sich die Piloten der Lufthansa auf einen neuen Streiktermin fest: Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) ruft ihre Mitglieder für diesen Mittwoch zu Arbeitsniederlegungen am zweitgrößten Lufthansa-Drehkreuz in München auf.

"Die Piloten der Lufthansa werden am 10. September 2014 im Zeitraum von 10.00 - 18.00 Uhr die Arbeit niederlegen und keine Abflügen vom Flughafen München mehr durchführen", teilte die Pilotengewerkschaft mit.

Rund 160 Flüge dürften betroffen sein, darunter im laufenden Tarifstreit auch erstmals die für den Konzern besonders lukrativen Langstreckenflüge. Vom zweitgrößten deutschen Flughafen gehen üblicherweise in dem Zeitraum 15 Verbindungen nach Übersee. Die Piloten wollen mit dem neuerlichen Ausstand - dem dritten binnen zweier Wochen – ihrer Forderung nach Beibehaltung einer betriebsinternen Frührente Nachdruck verleihen. "Mit diesem Streik soll ein neuer Tarifvertrag Übergangsversorgung erreicht werden", heißt es in der Cockpit-Mitteilung.

Zwei bis vier Millionen Euro

An der Börse kam die Streik-Ankündigung nicht gut an: Der Kurs der Lufthansa-Aktie büßt im Handelsverlauf mit minus 1,5 Prozent deutlich ein. Die Airline-Aktie zählte damit zu den größten Verlieren im Leitindex Dax. Nach Schätzung von Luftfahrtanalyst Dirk Schlamp von der DZ Bank dürften der Lufthansa aufgrund der Arbeitsniederlegung zwei bis vier Millionen Euro operativer Gewinn verloren gehen. Dabei handle es sich um die direkten Belastungen. "Ein weiterer Negativeffekt dürfte sein, dass Fluggäste aus Angst vor neuen Lufthansa-Streiks verstärkt andere Airlines buchen."

Flughafen München

Der Münchner Flughafen "Franz Josef Strauß" (IATA: MUC) ist der zweitgrößte deutsche Verkehrsflughafen und rangiert im europaweiten Vergleich auf Platz 7. Im vergangenen Jahr nutzten 38,7 Millionen Fluggäste den Flughafen - so viele wie nie zuvor. München ist nach Frankfurt/Main das zweitgrößte Lufthansa-Drehkreuz.

Eröffnet wurde der Flughafen im Erdinger Moos nordöstlich von München im Mai 1992. Der Flughafen ist mit 30.000 Beschäftigten einer der wichtigsten Arbeitgeber in der Region. Die Betreiber wollen eine dritte Startbahn, dies ist aber höchst umstritten. Der Airport gehört mit 51 Prozent mehrheitlich dem Freistaat Bayern. Der Bund hält 26 und die Stadt München 23 Prozent.

(Quelle: adv, dpa)

Der Konzern kritisierte die Gewerkschaft für die neuerlichen Streiks heftig. Es treffe wieder Fluggäste auf der Heimreise, diesmal in Bayern, sagte ein Sprecher. Die Schulferien in Bayern enden Anfang kommender Woche. Die Gesellschaft prüfe jetzt, welche Auswirkungen der Ausstand auf den Flugplan haben werde. Aktuell könne der Konzern noch nicht sagen, zu welchen Annullierungen es kommen kann.

Die Piloten waren zuletzt am vergangenen Freitag am Frankfurter Flughafen für sechs Stunden in den Streik getreten. Die Folge: Die Lufthansa musste 218 Flüge streichen, 26.000 Passagiere waren von dem Ausstand betroffen. Da das Lufthansa-Management bisher "kein kompromissfähiges Angebot" vorgelegt habe, sehen sich die Piloten eigenen Angaben zufolge nun "zu diesen weiteren Maßnahmen gezwungen".

Langstreckenflüge betroffen

Bislang hatte die Lufthansa und ihre ebenfalls bestreikte Tochter Germanwings mit Sonderflugplänen auf die bislang drei Streikaktionen seit April reagiert. Branchenkenner gehen davon aus, dass auch für den nun für München angekündigten Pilotenstreik bereits ein Notflugplan in der Schublade liegt. Im deutschen Flugreiseverkehr ist dennoch mit Verspätungen und Flugausfällen zu rechnen. Die Lufthansa informiert Reisende unter anderem auf ihrer Internetseite über anstehende Beeinträchtigungen.

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Die Auswirkungen dürften nicht nur den Lufthansa-Fluplan in München durcheinanderwirbeln, da mit dem Streik am zweitgrößten deutschen Flughafen erstmals auch die für den Konzern besonders lukrativen Langstreckenflüge betroffen sind. Mit dem Streik wollen die rund 5400 Lufthansa-Piloten in dem verhärteten Tarifkonflikt ihrer Forderung nach Beibehaltung einer betriebsinternen Frührente Nachdruck verleihen.

Bei der Vereinigung Cockpit hieß es, man sei "jederzeit einigungsbereit". Durch ein Angebot der Konzernführung könne der Streik auch kurzfristig noch abgewendet werden. "Wir bedauern mögliche Unannehmlichkeiten für die Kunden der Lufthansa," teilte die Gewerkschaft mit.

Rechte für neue und alte Piloten

Hintergrund der Auseinandersetzung zwischen Konzernleitung und Piloten ist der seit langem schwelende Tarifkonflikt bei Europas größtem Luftverkehrskonzern. Im Kern geht es um die Übergangsversorgung, die Lufthansa-Piloten bislang in ihrem Vorruhestand erhalten. Im Schnitt gehen Lufthansa-Kapitäne derzeit mit knapp 59 Jahren in den vom Unternehmen bezahlten Vorruhestand.

Die Lufthansa-Piloten wollen die betriebsinternen Frührente beibehalten. Bislang konnten die Piloten frühestens mit 55 Jahren das Steuer aus der Hand legen - durchschnittlich starten sie mit 59 Jahren in die Rente. Die Lufthansa hält die Regelung auf Dauer für unbezahlbar und will den Schnitt auf 61 Jahre erhöhen.

Beobachter sehen in den Streikaktionen allerdings auch einen Machtkampf zwischen Piloten und Konzernspitze, die sich angesichts der zunehmenden Konkurrenz durch Billigflieger mit Plänen für eine eigene Low-Budget-Anbieter trägt.

Eine Einigung ist nicht in Sicht. Die Lufthansa hatte den entsprechenden Tarifvertrag Ende vorigen Jahres gekündigt. Ihre volle Schlagkraft hatte die Piloten-Gewerkschaft dagegen zuletzt im April demonstriert. Damals hatte sie die Lufthansa mit einem Streik drei Tage lang so gut wie lahmgelegt: 3800 Flüge fielen aus, auch viele der lukrativen Langstreckenverbindungen. Die Gewinneinbußen für Lufthansa beliefen sich damals auf insgesamt 60 Millionen Euro.

Quelle: n-tv.de

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