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Am Samstag könnte die Lufthansa schon wieder wie gewohnt abheben
Am Samstag könnte die Lufthansa schon wieder wie gewohnt abheben(Foto: dpa)
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Schlichtung vereinbart: Lufthansa geht auf Ufo zu

Die Lufthansa geht im Tarifstreit mit den Flugbegleitern auf eine maßgebliche Forderung der Gewerkschaft Ufo ein und beendet den Einsatz von Leih-Stewardessen in Berlin. Damit kommt überraschend Bewegung in die Verhandlungen. Ufo-Chef Baublies setzt die Streiks aus, die beiden Streithähne vereinbaren eine Schlichtung.

Im Tarifstreit zwischen der Lufthansa und der Gewerkschaft Ufo zeichnet sich eine Lösung ab: Die Airline und die Flugbegleiter vereinbarten eine Schlichtung. Die Streiks werden ausgesetzt, sagte Ufo-Chef Nicoley Baublies in Frankfurt. Damit gilt laut Lufthansa ab Samstag 00:00 Uhr die Friedenspflicht. Ein Schlichter wird nach Angaben von Baublies noch gesucht.

Dennoch kursierten für den Posten am Freitag bereits erste Namen: Der des früheren SPD-Chefs Franz Müntefering, des Hamburger Ex-Bürgermeister Henning Voscherau (SPD) und des früheren Verfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier. Viel Zeit, jemanden zu finden, bleibt nicht, das Schlichtungsverfahren soll bis zum 12. September abgeschlossen werden.

Im Schlichtungsverfahren geht es nach Angaben von Ufo in erster Linie um die Vergütungsfragen. Parallel dazu sollen aber über alle anderen strittigen Fragen wie Leiharbeit verhandelt werden. "Damit ist die Ufo sehr zufrieden", sagte Baublies. Es sei der Gewerkschaft immer um ein Gesamtpaket gegangen. Die Ankündigung der Lufthansa, künftig keine Leih-Stewardessen mehr auf ihren Berlin-Verbindungen einzusetzen, sei ein "wichtiges Signal" gewesen.

Lufthansa macht ersten Schritt

"Lufthansa verzichtet einseitig, auf absehbare Zeit und ohne weitere Vorbedingungen auf den Einsatz von externen Kabinencrews in Berlin." Mit dieser Erklärung kam Lufthansa-Chef Christoph Franz dem streikenden Kabinenpersonal entgegen. Die rund 200 betroffenen Stewardessen der Zeitarbeitsfirma Aviation Power sollen im kommenden Jahr ein Jobangebot erhalten, teilte die Fluggesellschaft in Frankfurt mit. Noch am Freitag hatten die Leiharbeiter dafür gesorgt, dass Lufthansa aus Berlin Europaflüge anbieten konnte, während die Lufthansa-Crews streikten.

Franz versprach sich von dem Schritt Fortschritte in den festgefahrenen Tarifverhandlungen für die rund 18.000 Flugbegleiter der Lufthansa Passage. "Wir hoffen, dass dieser Schritt der Gewerkschaft Ufo hilft, mit uns gemeinsam in konstruktiven Gesprächen den Weg zu einer zukunfts- und wettbewerbsfähigen Vergütungsstruktur für die Mitarbeiter der Kabine zu beschreiten." Die Fluggesellschaft erwartet bereits am Samstag eine Rückkehr zum normalen Flugbetrieb.

Rückkehr zur Normalität

Wegen des Streiks musste Europas größte Fluggesellschaft am Freitag weit mehr als die Hälfte ihrer Flüge streichen, rund 100.000 Reisende waren von dem beispiellosen Ausstand betroffen. Selbst die Pilotenstreiks aus den Jahren 2001 und 2010 hatten nicht eine derart durchschlagende Wirkung. Chaos gab es aber weder an Flughäfen, Bahnhöfen noch auf den Autobahnen.

Der Andrang an den Bahnhöfen hielt sich in Grenzen.
Der Andrang an den Bahnhöfen hielt sich in Grenzen.(Foto: dpa)

Die zwischenzeitlich auf der Homepage gezeigten 41 Ausfälle von Samstag bis Donnerstag kommender Woche seien nun längst nicht alle streikbedingt, erklärte ein Sprecher am Abend. Vielmehr handele es sich um bereits langfristig geplante Änderungen. Zwischenzeitlich wurden die Informationen für die Tage ab Montag von der Website genommen. Für den Samstag erscheinen weiterhin 18 gestrichene Verbindungen, von denen nur zwei aus Deutschland starten sollten. Am Sonntag bleibt ein Flug aus dem chinesischen Shenyang nach Frankfurt gestrichen.

Die Deutsche Bahn zählte wegen des Streiks bislang rund 10.000 zusätzliche Passagiere. Besonders auf den Strecken Frankfurt-München und Frankfurt-Berlin seien mehr Menschen unterwegs gewesen, sagte ein Sprecher. Bis zum Nachmittag sei die Bahn aber ohne zusätzliche Züge ausgekommen, weil am Freitag ohnehin mehr unterwegs seien. Auch im Laufe des Abends werde das Unternehmen voraussichtlich keine Extrazüge auf die Schiene bringen zu müssen.

Insgesamt herrschte an den bestreikten Flughäfen relative Ruhe. Die meisten Passagiere, deren Flüge gestrichen wurden, erschienen erst gar nicht, sondern hatten sich schon vorab für andere Reisemöglichkeiten entschieden. Lediglich einige ausländische Passagiere, die von dem Streik überrascht wurden, strandeten an Standorten wie Frankfurt. Doch die hundert Feldbetten, die dort in einer Ecke des Terminals aufgestellt wurden, blieben unbenutzt.

Quelle: n-tv.de

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