Wirtschaft
Auch in diesem Jahr drohen der Lufthansa neue Streiks. Die Arbeitsniederlegungen von 2014 kosteten das Unternehmen 230 Millionen Euro.
Auch in diesem Jahr drohen der Lufthansa neue Streiks. Die Arbeitsniederlegungen von 2014 kosteten das Unternehmen 230 Millionen Euro.(Foto: picture alliance / dpa)

Im Sinkflug: Lufthansa leidet im Konkurrenzkampf

Die größte Airline Europas steht im harten Konkurrenzkampf und kämpft gegen massive Probleme an. Die Liste ist lang. Auch von den niedrigen Kerosinpreise kann Lufthansa nicht profitieren.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr ist noch kein Jahr im Amt, steht aber bereits mächtig unter Druck. Das von Streiks geprägte Jahr 2014 ist für den größten Luftverkehrskonzern Europas mit einem Mini-Gewinn zu Ende gegangen. Seine Anteilseigner müssen auf eine Dividende gleich ganz verzichten. Hier eine Liste der fünf größten Probleme der Lufthansa:

Immer neue Streiks drohen, weil Lufthansa die Tarifkonflikte mit den drei wichtigen Gewerkschaften im Haus nicht in den Griff bekommt. Ein kleiner Hoffnungsschimmer glimmt, seitdem das Unternehmen der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) ein besseres Angebot zu den Übergangsversorgungen versprochen hat. Scheitern die Gespräche erneut, scheint die zwölfte Streikrunde seit dem April 2014 unausweichlich.

Im vergangenen Jahr haben die Streiks das Unternehmen bereits mehr als 230 Millionen Euro und einen nicht bezifferten Imageverlust gekostet. Die VC ist bereit, die Intensität ihrer Arbeitskämpfe noch zu steigern. Die Flugbegleiter von Ufo sind etwas moderater unterwegs, wollen aber auch ihre tariflichen Besitzstände verteidigen. Verdi als vorherrschende Gewerkschaft beim Boden- und Servicepersonal nimmt am 23. März die Verhandlungen auf.

Fünf-Sterne-Ambitionen

Unklare Produkte: Spohr hat die Lufthansa auf eine Strategie mit zwei sehr unterschiedlichen Plattformen festgelegt, die aber noch nicht umgesetzt ist. Die Kernmarke Lufthansa soll bei gleichzeitiger Kostensenkung zur ersten Fünf-Sterne-Airline des Westens aufgewertet werden - eine Luxus-Auszeichnung des Fachmagazins Skytrax, die bislang nur Airlines aus Asien und dem Mittleren Osten erreicht haben.

Am anderen Ende der Skala steht künftig "Eurowings", die nur noch als Plattform für die diversen und möglichst kostengünstigen Flugbetriebe des Lufthansa-Konzerns dienen soll. Die ersten Eurowings-Langstrecken ab Köln werden beispielsweise von der deutsch-türkischen Gesellschaft Sunexpress geflogen. Noch komplizierter wird das Angebot durch die Strategie, auf beiden Plattformen jeweils unterschiedliche Service-Pakete anzubieten.

Maue Geschäftslage: So richtig gut läuft es für die Lufthansa mit ihrem schwierigen Heimatmarkt Zentraleuropa eigentlich nur in den Neben-Geschäftsbereichen Technik und Verpflegung. In ihrem Kerngeschäft der Passagier- und Frachtbeförderung fliegt die Lufthansa unter dem Strich Verluste ein. Spohrs Plan, Wachstum nur noch in kostengünstigen Segmenten stattfinden zu lassen, bedeutet eigentlich einen Schrumpfkurs für die Kerngesellschaft der Lufthansa Passage. Doch den Mitarbeitern wird Wachstum auch dort versprochen.

Sinkende Ticketpreise sind gut für die Passagiere, knabbern andererseits aber an den schmalen Margen der Fluggesellschaften. Bereits im vergangenen Jahr sind die Erlöse auf breiter Front um 3 Prozent zurückgegangen. Der zuletzt stark gesunkene Kerosinpreis begünstigt derzeit Gesellschaften, die sich nicht gegen starke Preisschwankungen abgesichert haben.

Lufthansa gehört nicht dazu, sondern hat einen Großteil ihres Spritbedarfs für die kommenden zwei Jahre bereits abgesichert und leidet zudem an der ungünstigen Währungsrelation zwischen Euro und Dollar. Um ihre Tickets zu verkaufen, muss sie aber die Kampfpreise der Konkurrenz halten.

Konkurrenz wirbt Passagiere ab

Starke Konkurrenz: In regelmäßigen Abständen verlangt Lufthansa politischen Schutz vor dem angeblich unfairen Wettbewerb durch Fluggesellschaften vom Arabischen Golf. Zuletzt stimmten auch die großen US-Gesellschaften in den Chor ein. Aber es bleibt dabei: Emirates, Qatar Airways und Etihad lenken mit immer größeren Flugzeugen tausende Fluggäste aus Europa über ihre Wüstendrehkreuze und haben bereits weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien fest im Griff. Um streitbare Gewerkschaften, hohe Gebühren und Sozialabgaben oder Nachtflugverbote an ihren Heimatbasen müssen sich die Araber keine Gedanken machen.

Zudem ändern die europäischen Billigflieger ihr Geschäftsmodell und werden für Geschäftsleute immer attraktiver. So folgt Ryanair dem Vorbild von Easyjet und verlässt die Provinz-Flughäfen. Am Eurowings-Drehkreuz Köln-Bonn treten die Iren demnächst sogar wieder mit Inlandsflügen nach Berlin an.

Fehlende politische Unterstützung: Auf Hilfe aus Berlin oder Brüssel hat die Lufthansa in den vergangenen Jahren meist vergeblich gewartet. Die nationale Luftverkehrssteuer verteuert Tickets für Flugreisen von deutschen Flughäfen. Sie bietet zudem der europäischen Konkurrenz Anreize, Umsteiger auf die eigenen Drehkreuze zu locken. Grenznah lebende Passagiere können gleich ganz auf ausländische Flughäfen und Airlines ausweichen.

Den häufig angemahnten nationalen Luftverkehrsplan gibt es auch immer noch nicht. Dafür unsinnige Subventionen für Regionalflughäfen, die bislang das Geschäftsmodell der Billigflieger gestützt haben.

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Quelle: n-tv.de

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