Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)

Anfang 2013 geht es los: Lufthansa schmiedet Billigtochter

Kurz vor Wiederaufnahme der Gehaltsverhandlungen mit der Flugbegleitergewerkschaft Ufo schafft die Lufthansa Fakten. Trotz massiver Kritik der Beschäftigten bringt der Konzern eine neue Billigflugtochter auf den Weg, mit der die Lufthansa ihre roten Zahlen in Europa hinter sich lassen will.

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Die Lufthansa will mit einer neuen Billigfluglinie im harten Wettbewerb mit Ryanair oder Easyjet wieder die Oberhand gewinnen. Ab Januar 2013 werden alle Verbindungen in Europa und Deutschland außerhalb der beiden Drehkreuze Frankfurt und München mit der Tochter Germanwings zusammengeführt, wie der Dax-Konzern mitteilte. Auch die Tochter Eurowings soll im Auftrag der neuen noch namenlosen Gesellschaft fliegen.

Der Plan ist Zündstoff im Tarifkonflikt mit der Flugbegleitergewerkschaft Ufo, den beide Seiten gerade mit einer Schlichtung beilegen wollen. Die anstehenden Gespräche mit den Stewards und Stewardessen dürften nun erheblich schwieriger werden. Möglicherweise drohen auch wieder Streiks. "Dieser Schritt ist instinktlos und zeigt, wie Lufthansa mit diesem sensiblen Thema umgeht", sagte Ufo-Vorsitzender Nicoley Baublies. Die Gespräche würden nicht einfach, wenn Lufthansa jetzt schon Fakten schaffe.

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Erst vor wenigen Tagen hatten sich Lufthansa und Ufo nach drei Tagen mit heftigen Arbeitskämpfen wieder zusammengerauft und einen Schlichter zur Lösung ihrer Probleme herangezogen. Parallel zu dieser Schlichtung wollen Lufthansa und Gewerkschaft über alle anderen strittigen Punkte sprechen. Dazu gehören vor allem die nun neu an den Start gehende Gesellschaft und der Einsatz von Leiharbeitern.

Lufthansa hatte stets klargemacht, dass sie sich bei der Zusammenlegung von Gesellschaften nicht hineinreden lasse. Das sei unternehmerische Freiheit, bei der Gewerkschaften kein Mitbestimmungsrecht hätten, hieß es aus der Konzernzentrale. Nur die Frage, welches Personal eingesetzt werde, sei ein Thema für Verhandlungen.

Konkurrenz zahlt deutlich weniger

Der Startschuss für die Billigtochter fällt am 1. Januar 2013. Dann sollen 90 Flugzeuge alle innerdeutschen und europäischen Verbindungen, die außerhalb der Lufthansa-Drehkreuze Frankfurt und München stattfinden, abdecken. Lufthansa rechnet im ersten Jahr mit mehr als 18 Millionen Passagieren.

Der neue Ableger ist nach Ansicht des Lufthansa-Managements wegen der harten Konkurrenz durch Billigflieger dringend nötig. Die Rivalen haben niedrigere Kosten - auch weil das Personal wesentlich geringer bezahlt wird. Die Lufthansa musste hier in den vergangenen Jahren hohe Verluste verkraften. "Die Bündelung unserer innerdeutschen und europäischen Punkt-zu-Punkt-Verkehre birgt erhebliche Effizienzpotenziale", begründete Vorstandschef Christoph Franz die Strategie. Ziel sei es, auf diesen Strecken unter dem Dach einer Gesellschaft wieder profitabel zu fliegen.

40 Prozent weniger

Absehbar ist, dass das Gros der Einsparungen beim Personal erzielt wird. Die Flugbegleiter-Gewerkschaft fürchtet, dass die 2000 Stewards und Stewardessen der neuen Airline bis zu 40 Prozent weniger verdienen werden als ihre Kollegen bei der Konzernmutter. Deshalb läuft die Arbeitnehmervertretung, die ihre Schlagkraft in den vergangenen Wochen mit drei Streiks unter Beweis stellte, Sturm gegen die Pläne. Eine Tarifeinigung zwischen den beiden Parteien wird nun schwieriger.

Ufo hatte befürchtet, dass Lufthansa ihre Pläne vor Wiederaufnahme der Verhandlungen weiter vorantreibt. Sie sieht nun allerdings auch einen Lichtblick. "Lufthansa hat nicht mitgeteilt, welches Personal sie in den Maschinen einsetzen will", sagte Baublies. Offenbar wolle sie dies mit der Gewerkschaft abstimmen. "Wir werden dafür sorgen, dass Kabinenbeschäftigte der Lufthansa Passage eingesetzt werden."

Lufthansa hatte bereits vor vielen Monaten ihre Pläne für Direct4U angekündigt und das Vorhaben mit dem harten Wettbewerb begründet. Nur durch die Senkung der Personalkosten sieht sich der Kranich in der Lage, mit Ryanair und Easyjet aufschließen und endlich kostendeckend zu fliegen. Ob die Lufthansa sich von der Gewerkschaft noch zu Abstrichen an ihrem kontroversen Billigkonzept überreden lässt, ist fraglich. "Direct4U" ist Kernstück des neuen Mega-Sparprogramms, dass sich die Lufthansa Anfang des Jahres auferlegte. Konzernweit soll der operative Gewinn bis 2014 um mindestens 1,5 Mrd. Euro gesteigert werden.

Quelle: n-tv.de

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