Wirtschaft
(Foto: dapd)

Keine Dividende trotz Milliardengewinn: Lufthansa schockt Aktionäre

Seit über einem halben Jahr kennt die Aktie der Lufthansa eigentlich nur eine Richtung: nach oben. Nun sorgt der deutsche Branchenprimus jedoch für gehörig schlechte Laune bei Anlegern. Obwohl von 2012 fast eine Milliarde Überschuss bleibt, sollen Investoren leer ausgehen. Doch auch für Beschäftigte der Lufthansa gibt es schlechte Nachrichten.

Die Lufthansa bucht ihre Aktionäre in die Holzklasse: Trotz knapp einer Milliarde Euro Jahresüberschuss will die Kranich-Fluglinie die Dividende für 2012 ausfallen lassen. Es sei momentan wichtiger, alle verfügbaren Mittel ins Unternehmen zu investieren, begründete Konzernchef Christoph Franz den Schritt. Für 2011 hatte die Lufthansa noch 25 Cent je Anteilschein ausgeschüttet. Das einbehaltene Geld steckt der Konzern in neue Flugzeuge. Zu spüren bekommen den Sparkurs immer stärker auch die 118.000 Mitarbeiter - der im Vorjahr angekündigte Abbau von 3500 Verwaltungsjobs weltweit wird nun konkret. Geprüft wird unter anderem die Schließung des traditionellen Stammsitzes der Lufthansa in Köln.

Unter dem Strich hat die Lufthansa vergangenes Jahr wieder Gewinn gemacht. Der Überschuss summierte sich 2012 auf 990 Mio. Euro - im Jahr zuvor standen hier noch 13 Mio. Euro Fehlbetrag in der Bilanz. Das Unternehmen begründet die Gewinnwende mit Sondererlösen aus Beteiligungsverkäufen. Die Lufthansa hat im vergangenen Jahr unter anderem einen Teil ihrer Aktien am spanischen Reisebuchungsabwickler Amadeus und einen Anteil an der US-Fluglinie Jetblue zu Geld gemacht.

Milliardenorder

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Der seit zwei Jahren amtierende Konzernchef Franz hält das Geld zusammen, um die Flotte zu erneuern. So soll die Flugzeug-Einkaufstour deutlich größer ausfallen als bislang geplant. Die Lufthansa beabsichtige, zusätzlich 108 neue Flugzeuge mit einem Listenpreis von rund neun Milliarden Euro zu bestellen. Die Verhandlungen mit den Herstellern Airbus und Boeing liefen. Der Aufsichtsrat müsse die Orders aber noch absegnen. Zusammen mit den bereits bestellten Maschinen steckt die Lufthansa damit bis 2025 rund 23 Mrd. Euro in die Anschaffung von 239 neuen Flugzeugen.

Die hohen Investitionen lohnen, da neuentwickelte Maschinen deutlich weniger Sprit verbrauchen als ältere. In Zeiten, in denen die Tankrechnungen einer der größten Kostenblöcke in den Bilanzen der Airlines sind, ist das ein großer Vorteil. Die Mega-Bestellung sei in ihrer Höhe überraschend, da die Lufthansa in letzter Zeit eher darauf bedacht war, die Flugkapazitäten zu verknappen, sagte Airline-Analyst Mark Manduca von der Bank of America-Merrill Lynch.

Aktie auf Talfahrt

Anleger reagierten angesichts der Milliarden-Order und der gestrichenen Dividende verschnupft: Die Aktie der Kranich-Linie brach am Mittwoch um rund fünf Prozent ein und war damit größter Dax-Verlierer.

Franz, der vor seinem Job an der Lufthansa-Spitze die Konzerntochter Swiss sanierte, hat der deutschen Vorzeige-Airline vor einem Jahr ein umfangreiches Sparprogramm verordnet, mit dem das operative Ergebnis bis 2015 auf 2,3 Mrd. Euro gesteigert werden soll. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg: Im vergangenen Jahr brach der operative Gewinn um ein Drittel auf 524 Mio. Euro ein. Der Jahresumsatz stieg um fünf Prozent auf 30 Mrd. Euro.

Wichtiger Pfeiler des Konzernumbaus ist der Stellenabbau, mit dem Kosten um eine halbe Milliarde Euro sinken sollen. Die Kranich-Airline will allein in Deutschland 2500 Verwaltungsstellen streichen - weltweit sollen 3500 der knapp 17.000 Arbeitsplätze in dem Bereich wegfallen. Der vergangenen Mai angekündigte Kurs wird nun konkret: Der Vorstand nimmt sich zunächst drei Standorte in Deutschland vor. Es sei geplant, die Kölner Hauptverwaltung mit 365 Arbeitsplätzen bis Ende 2017 zu schließen. Die Lufthansa hat in Köln ihren juristischen Sitz - die Zentrale ist am Frankfurter Flughafen angesiedelt.

Im gleichen Zeitraum solle auch der Standort der Lufthansa Revenue Services in Norderstedt aufgelöst werden, wovon 350 Arbeitsplätze betroffen wären. Von den rund 200 Arbeitsplätzen der Konzernverwaltung im Bereich Financial Services am Standort Hamburg sollen 160 in ein Dienstleistungszentrum überführt werden. Es gehe darum, bestimmte Arbeiten wie Abrechnung oder Buchhaltung zu "bündeln und zu verlagern", sagte ein Konzernsprecher. Der Prozess laufe derzeit noch, ebenso wie die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern. Wie viele der Jobs am Ende wirklich wegfielen, sei deshalb noch nicht klar, sagte er.

Quelle: n-tv.de

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