Wirtschaft
MAN ist auf dem Parkett Gesprächsthema Nummer Eins.
MAN ist auf dem Parkett Gesprächsthema Nummer Eins.(Foto: dapd)

Aktionäre hoffen auf VW-Bonus: MAN-Aktie schießt hoch

Gibt es für die MAN-Aktien eine dicke Abfindung von MAN? Diese Frage treibt die Aktionäre um und die Aktien nach oben. VW will die Kontrolle über den LKW-Konzern übernehmen, sich dabei aber an den aktienrechtlichen Vorgaben halten. Irgendwelche freiwilligen Aufschläge sind demnach nicht geplant.

Die angekündigte Machtübernahme von Volkswagen bei MAN beflügelt die Fantasie der Aktionäre. Spekulationen auf eine hohe Abfindung machten die MAN-Aktie am Donnerstag bei überdurchschnittlich hohen Umsätzen zum größten Gewinner im Nebenwerteindex MDax. Der Kurs des Papiers sprang um bis zu fünf Prozent auf knapp 88 Euro, nachdem der Wolfsburger Autobauer am Vorabend angekündigt hatte, den Münchner Lkw-Konzern an die kurze Leine zu nehmen. "Ich rechne damit, dass VW so viel MAN-Aktien wie möglich haben will, weil sie keine störenden Aktionäre haben wollen", sagte ein Frankfurter Aktienhändler. VW besitzt bereits drei Viertel der MAN-Anteile. Gemessen am aktuellen Börsenkurs müssten die Wolfsburger gut drei Mrd. Euro hinblättern, um die restlichen Anteile zu übernehmen.

VW hatte am Mittwochabend Verhandlungen mit MAN über einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag angekündigt, nachdem der Konzern bereits im Sommer die dafür nötige Anteilsschwelle von 75 Prozent überschritten hatte. Damit müssen die Wolfsburger den verbliebenen Aktionären nun ein Abfindungsangebot unterbreiten. Analysten gehen davon aus, dass die aus dem durchschnittlichen Kurs der vergangenen drei Monate und dem von Gutachtern noch zu ermittelnden Wert von MAN errechnete Offerte über dem aktuellen Aktienkurses liegen wird. Den gewichteten Durchschnittskurs der MAN-Stammaktie der vergangenen 90 Tage sehen Experten bei 79 Euro.

Kein Squeeze-Out

Eine VW-Sprecherin machte allerdings deutlich, dass sich der Konzern bei seinem Angebot streng an den aktienrechtlichen Vorgaben orientieren werde. Sie ließ erkennen, dass kein freiwilliger Aufschlag geplant sei, um möglichst viele Papiere einzustreichen. Diese Gangart hatte VW bereits bei der Übernahme des Porsche-Autogeschäfts sowie beim Überschreiten der 30-Prozent-Schwelle bei MAN gewählt, bei der ein Pflichtangebot fällig wurde.

Auch gebe es derzeit keine Pläne, MAN von der Börse zu nehmen, sagte die VW-Sprecherin. Einige Anleger hatten spekuliert, VW könnte einen Anteil möglichst hohen Anteil anstreben und die restlichen Anteilseigner anschließend im Wege eines Squeeze-out aus dem Unternehmen drängen. Frank Schwope von der NordLB verwies auf das Beispiel Audi, an der VW einen kleinen Restanteil von unter einem halben Prozent an der Börse belässt, um die öffentliche Aufmerksamkeit eines Listings zu nutzen. "Warum soll VW das bei MAN anders machen?", fragte der Autoanalyst. Aktionäre, die das Angebot ablehnen, erhalten eine Garantiedividende.

Wird das Angebot angenommen, wovon angesichts der Dreiviertelmehrheit auszugehen ist, bekommt VW Zugriff auf die MAN-Kasse. Allerdings hat der Konzern wiederholt betont, dass dies nicht das Motiv für die Übernahme sei. Der Konzern hatte seine Kapitaldecke vor kurzem mit einer Wandelanleihe um 2,5 Mrd. Euro aufgestockt. VW hatte bereits deutlich gemacht, dass dieses Geld nicht zur Abfindung der MAN-Aktionäre eingesetzt werden solle, sondern für langfristige Investitionen gedacht sei.

Tradition geht zu Ende

VW selbst begründete den geplanten Abschluss eines Beherrschungsvertrags damit, dass die Zusammenarbeit mit MAN dadurch erleichtert werde. Seit September soll Ex-Scania-Chef Leif Östling als Nutzfahrzeug-Vorstand im VW-Konzern die beiden selbstbewussten Nutzfahrzeugkonzerne enger miteinander verzahnen. Der Zwölf-Marken-Konzern aus Wolfsburg hält 75,03 Prozent der MAN-Stimmrechte und ist mit knapp 72 Prozent an Scania beteiligt.

MAN hatte Scania vor einigen Jahren selbst übernehmen wollen, um zum größten europäischen Nutzfahrzeughersteller aufzusteigen. Die Münchner waren aber am Widerstand des mächtigen VW-Aufsichtsratschefs Ferdinand Piech gescheitert und wurden in der Zwischenzeit von der Scania-Mutter selbst übernommen. Mit der Integration in das Wolfsburger Imperium verliert der Münchner Traditionskonzern nun nach 255 Jahren endgültig seine Unabhängigkeit. Die Marke verschwindet damit aber nicht.

Quelle: n-tv.de

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