Wirtschaft
Paris - die Stadt der Liebe und des überhitzten Immobilienmarktes?
Paris - die Stadt der Liebe und des überhitzten Immobilienmarktes?(Foto: REUTERS)

S&P zweifelt an Frankreichs Banken: Macquarie verdient deutlich mehr

Mit klopfendem Herzen steuert die Bankenbranche durch den Herbst: Ein Rating-Rundumschlag lenkt Licht auf die Lage der großen Geldhäuser. Wenige Tage vor den Zahlen der Deutschen Bank melden die Australier mehr Gewinn, Schweden erwartet "Herausforderungen" und aus der Schweiz heißt es: "Es wäre unrealistisch zu sagen, es gibt keine Entlassungen".

Mehr Überschuss, höhere Dividende: Macquarie-Chef Nicholas Moore (Archivbild).
Mehr Überschuss, höhere Dividende: Macquarie-Chef Nicholas Moore (Archivbild).(Foto: REUTERS)

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat mehrere französische Banken herabgestuft. Betroffen von der umfassenden Neubewertung ist unter anderem die Großbank BNP Paribas. Die Bonitätswächter senkten den Ausblick für insgesamt zehn Kreditinstitute, darunter Societe Generale und Credit Agricole, von "stabil" auf "negativ".

Die S&P-Analysten begründeten den Schritt mit einem stärkeren Risiko durch eine anhaltende Rezession in der Eurozone und einem überhitzten Immobilienmarkt in Frankreich. Die französischen Großbanken haben ihr Engagement in angeschlagenen Euro-Ländern wie Griechenland deutlich zurückgefahren, sind im rezessionsgeplagten Italien aber immer noch stark aktiv.

Im Zusammenhang mit der laufenden Berichtssaison steht die Lage international aktiver Großbanken bei Anlegern und Analysten derzeit ohnehin im Vordergrund. In den vergangenen Tagen haben mehrere prominente Geldhäuser ihre Zwischenberichte vorgelegt. Kurz vor dem Wochenende gewährte die australische Investmentbank Macquarie den Investoren Einblick in ihre Bücher.

Macquarie setzt auf Fonds

Macquarie verdient demnach wieder mehr Geld, bleibt aber mit ihren Ergebnissen aus den zurückliegenden beiden Quartalen hinter den Markterwartungen zurück: In der ersten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres stieg der Nettogewinn um gut 18 Prozent auf 361 Mio. australische Dollar (knapp 300 Mio. Euro). Im Vorfeld befragte Analysten hatten mit lediglich 375 Mio. Dollar gerechnet. Der Gegenwind an den Finanzmärkten macht Macquarie seit Jahren zu schaffen. Das Haus ist insbesondere in den Bereichen Beratung, Handel, Leasing- und Fondsgeschäft sowie in der Unternehmensfinanzierung stark engagiert.

Im abgelaufenen Halbjahr gab es leichte Zuwächse im Fondsbereich sowie Erholungstendenzen im Handel mit festverzinslichen Wertpapieren, Devisen und Rohstoffen. Kostensenkungen haben das Ergebnis zudem gestützt: Die Mitarbeiterzahl reduzierte sich um fünf Prozent auf unter 13.500 Beschäftigte. Macquarie-Aktien verteuerten sich zum Wochenschluss um 3,5 Prozent. An der Börse sorgte nicht zuletzt die Dividende in Höhe von 75 australischen Cent je Anteilsschein für gute Stimmung. Die Markterwartung lag im Schnitt bei lediglich 67 Cent.

Macquarie bekräftigte, dass das Ergebnis im Gesamtjahr bis März 2013 zulegen werde. Im Jahr zuvor war es allerdings auch auf den tiefsten Stand seit acht Jahren gefallen. Die Bank will nach großen Problemen in der Finanzkrise künftig Felder mit stabilen Einnahmen wie das Fondsgeschäft stärken.

Bei Santander bricht Gewinn weg

Einen Tag zuvor hatte die nach der Bilanzsumme größte Bank der Eurozone ihre Zahlen vorgelegt. Das spanische Kreditinstitut Santander leidet schwer unter der Krise im Heimatland. Im dritten Quartal brach der Überschuss um 94 Prozent auf 100 Mio. Euro ein, wie die Bank am Donnerstag mitteilte. Santander legte weitere knapp 3 Mrd. Euro für faule Kredite zurück. Zudem schwächelte auch das Geschäft auf den Märkten in Großbritannien und Brasilien.

Zuvor hatte Santander die durch Spaniens Krise entstandenen Verluste dank des starken Auslandsgeschäfts relativ gut wegstecken können. Um die Risiken auf dem Heimatmarkt zu senken, baut die Bank ihren Kreditbestand dort ab.

Anna Falkengren bleibt vorsichtig

Die Großbank SEB spürt unterdessen wenig von der Krise. Das schwedische Geldhaus hat seinen Gewinn im dritten Quartal überraschend stark ausgebaut. Operativ verdiente das Kreditinstitut eigenen Angaben zufolge im Zeitraum von Juli bis September 3,9 (Vorjahreszeitraum: 3,7) Mrd. Kronen, umgerechnet rund 448 Mio. Euro. Der wichtigste Grund für das starke Plus: Die Risikovorsorge für faule Kredite fiel wesentlich geringer aus als erwartet. Analysten mit einem geringeren Ergebnis von 3,8 Mrd. Kronen gerechnet.

Bankchefin Annika Falkengren warnte jedoch vor Risiken: "Das europäische Bankensystem steht vor bedeutenden Herausforderungen." Allerdings sind Schwedens Banken mitten in der Schuldenkrise mit einem vergleichsweise geringen Risiko-Profil bei vielen Investoren beliebt. Sie haben keine Probleme bei der Refinanzierung, und Kostensenkungen halten die Ertragskraft hoch. Falkengren betonte jedoch, Skandinavien sei nicht immun gegen die Krise, auch wenn die Widerstandskraft bislang stark gewesen sei.

Stellenangst bei Credit Suisse

Die Schweizer Großbank Credit Suisse verschärft nach einem Gewinneinbruch ihren vor einem Jahr eingeleiteten Sparkurs. Die Bank stockt das bis 2013 laufende Kostensenkungsprogramm von drei Milliarden Franken um eine weitere Milliarde auf, die bis 2015 eingespart werden soll. Damit und mit der Aufgabe unrentabler Geschäfte im Investmentbanking werde die Bank die angestrebte Eigenkapitalrendite von 15 Prozent oder mehr über den Marktzyklus hinweg erreichen können, erklärte Konzernchef Brady Dougan bei der Vorlage des Quartalberichts.

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Was der Kostenschnitt für die knapp 48.500 Mitarbeiter der Bank bedeutet, ließen Dougan und sein Finanzchef David Mathers offen. "Es wäre aber unrealistisch zu sagen, es gibt keine Entlassungen", erklärte der Finanzchef. Der Kostenblock soll schließlich von 20,5 Mrd. Franken Mitte des letzten Jahres auf 16,5 Mrd. im Jahr 2015 schrumpfen. Auf Kürzungen muss sich neben der Investmentbank vor allem der Bereich Infrastruktur einstellen, wo Dienstleistungen für den Rest der Bank erbracht werden. Da wird es auch Verlagerungen ins Ausland geben, wie der Finanzchef erkennen ließ.

Angst hemmt die Kunden

Der Gewinn sank im dritten Quartal um mehr als 60 Prozent auf 254 Mio. Franken (212 Mio. Euro). Der Rückgang war weitgehend auf die Höherbewertung der eigenen Schulden zurückzuführen, die den Gewinn vor Steuern um rund eine Milliarde Franken minderte. Ohne Sondereffekte hätte sich der Reinewinn auf 891 Mio. Franken belaufen. "Ein solides Ergebnis angesichts der gedämpften Aktivitäten der Kunden", urteilte Dougan.

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Die flaue Weltkonjunktur und die Schuldenkrise in Europa bekam die Bank vor allem in der Vermögensverwaltung zu spüren. Reiche Kunden wagten sich nicht aus der Deckung und bleiben lieber bei Cash. Der Gewinn der Sparte sank gegenüber dem Vorquartal auf 689 Mio. Franken. Das Geschäft habe sich ganz klar abgeschwächt, erklärte Vontobel-Analystin Teresa Nielsen. Auch in Zukunft dürften die Gewinnmargen schwach bleiben.

Kunden aus Westeuropa, wo Steuersünder immer stärker unter Druck kommen, zogen bei der Bank Geld ab, hieß es. Dagegen brachten reiche Kunden aus aufstrebenden Ländern neues Geld. Im Private Banking verbesserte sich der Netto-Neugeldzufluss auf 5,2 Mrd. Franken (von 3,4 Mrd. Franken im zweiten Quartal) und fiel damit aber geringer aus als ein Jahr zuvor. Insgesamt überstiegen die verwalteten Vermögen zum ersten Mal seit 2007 wieder die Marke von 1000 Mrd. Franken

Fed-Effekte in der Schweiz

Der jüngste, von billigem Geld der Notenbanken befeuerte Aufschwung an den Finanzmärkten schwemmte der Investmentbanking-Sparte ebenso wie schon amerikanischen Geldhäusern mehr Geld in die Kasse. Im Anleihengeschäft nahm die Bank mit 1,5 Mrd. Franken fast doppelt so viel ein wie im Vorjahr. Der Aktienhandel nahm im Jahresvergleich um 15 Prozent zu. Der Gewinn der im Vorjahresquartal noch defizitären Sparte stieg auf 508 Mio. Franken.

Deutsche Bank und Barclays, die ihre Zwischenberichte in der kommenden Woche vorlegen, dürften im Investmentbanking ebenfalls gut abgeschnitten haben. UBS dagegen, die am Dienstag den Quartalsbericht veröffentlicht, hat hier wohl weniger gut abgeschnitten: Die größte Schweizer Bank ist dabei, sich aus dem Geschäft weitgehend zu verabschieden.

Auch bei Credit Suisse soll diese Sparte schrumpfen. Die Bilanzrisiken (RWA) sollen bis Ende 2013 um rund zehn Prozent auf 180 Mrd. Dollar sinken. "Wir glauben, das Management ist auf dem richtigen Weg, wenn es das Investmentbanking verkleinert", sagte der JP Morgen-Analyst Kian Abouhossein. "Je kleiner desto besser". Die Konzernbilanz insgesamt soll bis 2013 um 130 Mrd. auf 900 Mrd. Franken schrumpfen. "Etwas, das bisher nicht im Fokus stand", so der Analyst Andreas Venditti von der Zürcher Kantonalbank.

Bilderserie

Die nach Kritik der Schweizerischen Nationalbank begonnene Erhöhung des Eigenkapitals ist weit gediehen. Von der bis Ende 2012 angestrebten Kapitalstärkung um 15,3 Mrd. Franken hat Credit Suisse schon 12,8 Mrd. Franken realisiert. Den Rest will die Bank unter anderem durch den weiteren Verkauf des ETF-Geschäfts und weiterer Immobilien beschaffen. Spekulationen, das ganze Asset Management könnte abgestoßen werden, wies Dougan zurück. Die Kernkapitalquote entsprechend der Basel-Regeln stieg um 2,2 Punkte auf 14,7 Prozent. Für 2013 ist anstelle der zuletzt gebotenen Aktiendividende auch wieder eine Bardividende geplant.

Quelle: n-tv.de

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