Wirtschaft
Die Skyline von Teheran. Das Land habe enormen Nachholbedarf, sagt Außenhandels-Experte Jens Nagel.
Die Skyline von Teheran. Das Land habe enormen Nachholbedarf, sagt Außenhandels-Experte Jens Nagel.(Foto: REUTERS)

Exporte in den Iran brummen: "Made in Germany" ist gefragt im Gottesstaat

Die Sanktionen im Atomstreit mit dem Iran haben den Außenhandel gelähmt. Das ist Vergangenheit. Der Iran hat die Uran-Anreicherung gedrosselt, die Exporte dorthin steigen sprunghaft. Und das könnte erst der Anfang sein - das Land hat enormen Nachholbedarf.

Während die deutschen Exporte nach Russland immer stärker einbrechen, legt der Handel mit dem Iran wieder zu - obwohl Teheran ebenfalls mit Sanktionen belegt ist. Die Ausfuhren hierhin stiegen von Januar bis August um fast ein Drittel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf rund 1,6 Milliarden Euro, wie aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervorgeht.

Noch im vergangenen Jahr waren die Exporte in die Islamische Republik um ein Viertel abgestürzt, 2012 und 2011 um gut ein Fünftel. Grund dafür waren die Sanktionen im Atomstreit: Der Westen verdächtigt den Iran, unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms Kernwaffen zu entwickeln. "Die Sanktionen sind zu Jahresbeginn gelockert worden", sagte Außenwirtschaftsexperte Jens Nagel vom Exportverband BGA. "Diese relativ kleinen Schritte haben einen großen Hebel in Bewegung gesetzt." Teheran hatte die Anreicherung von Uran gedrosselt und damit das vorläufige Atomabkommen mit den fünf UN-Vetomächten und Deutschland in Kraft gesetzt.

Europäische Schiffe dürfen seither zumindest teilweise wieder iranisches Öl transportieren, erklärte Nagel. Auch Geldtransfers seien etwas erleichtert worden. Das könnten die Vorstufen zu einer völligen Aufhebung der Sanktionen sein. Ende November verhandelt der Iran mit der sogenannten Sechser-Gruppe - Deutschland, den USA, Großbritannien, Frankreich, China und Russland - über ein umfangreiches Abkommen zur Lösung ihres seit Jahren anhaltenden Atomstreits. Kommt es zustande, dürfte der Handel weiter erleichtert werden. "Deutschland ist traditionell der wichtigste Handelspartner des Iran in Europa. Von einer Entspannung könnte die deutsche Wirtschaft besonders profitieren", sagte Nagel.

Gefragt seien vor allem Maschinen, aber auch Fahrzeuge und Chemikalien "Made in Germany". Umgekehrt liefert der Iran vor allem Energie, Rohstoffe und Agrarprodukte. "Das Land besitzt eine konsumfreudige Mittelschicht, viele sehr gut ausgebildete Fachleute und jede Menge Bodenschätze", sagte der BGA-Experte. "Der Iran ist seit Jahrzehnten vom Welthandel isoliert. Er hat deshalb einen hohen Nachholbedarf an Investitionen, etwa in die Infrastruktur, in Industrieanlagen und die Ölindustrie." Der Handel mit dem Iran bleibe aber auf absehbare Zeit von der politischen Entwicklung abhängig. Schwierig sei vor allem, die Zahlungen abzuwickeln. "Banken drohen bei Verstößen gegen die Sanktionen harte US-Strafen", sagte Nagel.

Quelle: n-tv.de

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