Wirtschaft
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Nach der Pleite: Max-Bahr-Filialen bleiben geöffnet

Es ist ein schwerer Rückschlag bei der Rettung der Baumarktkette Praktiker: Die als Hoffnungsträger geltende Tochter ist ebenfalls zahlungsunfähig. Doch für sie gibt es bereits erste Interessenten. Auch die Geschäfte gehen weiter. Düster sieht es dagegen für Aktionäre und Gläubiger der Mutter aus.

Die Filialen der Baumarktkette Max Bahr sollen auch nach dem Insolvenzantrag geöffnet bleiben. Das Unternehmen stellte in Hamburg Insolvenzanträge für mehrere Firmen, teilte das Insolvenzgericht mit. "Der Geschäftsbetrieb läuft weiter", sagte Jens-Sören Schröder. Er wurde vom Amtsgericht Hamburg zum vorläufigen Insolvenzverwalter für die traditionellen Max-Bahr-Märkte bestimmt. Schröder ist damit zuständig für die 78 "alten" Filialen, die Praktiker 2007 übernommen hatte.

Daneben gibt es noch die "neue" Max Bahr mit 54 umgewidmeten Praktiker-Märkten, die eine Tochter von Praktiker Deutschland ist. Für diesen Teil wurde der Heidelberger Anwalt Christopher Seagon zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Er übt das Amt bereits für die operativen Gesellschaften von Praktiker Deutschland aus. Die damit insgesamt neun betroffenen Gesellschaften beschäftigen etwa 11.600 Mitarbeiter. Die Insolvenzanträge für die Max-Bahr-Baumärkte ändern nichts an der Strategie Seagons bei den Praktiker-Baumärkten. Auch der Betrieb der 54 neuen Max-Bahr-Märkte soll weitergehen.

Erste Interessenten

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Ein strukturierter Investorenprozess sowohl für die Max-Bahr- als auch die Praktiker-Einheiten im In- und Ausland ist dabei laut Seagon in Vorbereitung. Erste Interessensbekundungen - sowohl von strategischen als auch von Finanzinvestoren - hat Seagon bereits kurz nach dem Insolvenzantrag erhalten. Im Investorenprozess sollen dann "alle realistischen Interessenten" die gleichen Möglichkeiten erhalten, um die Übernahme des Praktiker-Konzerns im Ganzen oder von Teilen genau zu prüfen, um dann auf dieser Basis Angebote abgeben zu können.

Schröder und Seagon kündigten zudem an, mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter der Praktiker AG, Udo Gröner, eng zusammen zu arbeiten. "Wir kennen uns alle seit langer Zeit und sind für konstruktive Lösungen offen, um die bestmögliche Lösung für Beschäftigte, Gläubiger und alle Beteiligten zu erreichen", sagte Seagon.

Ziel in den kommenden Wochen sei es nun, ein Restrukturierungs- und Sanierungskonzept zu erarbeiten, ergänzte Schröder. Um die Löhne und Gehälter der über 3.000 Mitarbeiter bei der "alten" Max Bahr sicherzustellen, wird Schröder am Montag die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes bei der zuständigen Arbeitsagentur beantragen.

Warenkreditversicherer zieht die Reißleine

Die Max-Bahr-Geschäftsführung wird die vorläufigen Insolvenzverwalter bei der Bestandsaufnahme der aktuellen wirtschaftlichen Lage sowie bei der Entwicklung eines Fortführungskonzepts für Max Bahr unterstützen. Max Bahr hatte am Vorabend erklärt, ebenfalls Insolvenz anzumelden. Offenbar hat der Warenkreditversicherer Coface - wie zuvor schon bei Praktiker - die Reißleine gezogen und die Vorfinanzierung der Lieferanten eingestellt. Offiziell war nur die Rede von einem Warenkreditversicherer durch dessen Aktion die Warenlieferung nicht mehr gewährleistet war.

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Bereits vor zwei Wochen hatten die Praktiker AG sowie die operativen Gesellschaften der Marke Praktiker Insolvenz angemeldet. Weiterhin außen vor bleibt das Auslandsgeschäft, das von der Insolvenz bislang nicht betroffen ist.

Die Insolvenz der Baumarktkette Max Bahr erschwert die Rettung der Muttergesellschaft Praktiker. Die 132 Max-Bahr-Märkte mit 6800 Mitarbeitern waren der Hoffnungsträger, um den herum der Konzern saniert werden sollte. Doch nun ist auch die Hamburger Tochter überschuldet und zahlungsunfähig. Eigentlich sollte Max Bahr aus der Insolvenz herausgehalten werden.

Rettungsplan von Hedgefonds hinfällig

Der Plan von Hedgefonds, wenigstens bis zu 200 Baumärkte über einen Tausch von Schulden in Eigenkapital zu retten, ist hinfällig. "Das ist ein schlechtes Zeichen für die Gläubiger der Anleihe, weil die Praktiker AG ohne Max Bahr praktisch keine werthaltigen Unternehmensteile mehr hat", sagte der Vertreter der von Hedgefonds angeführten Inhaber der 250 Millionen Euro schweren Anleihe, Ingo Scholz. "Die Chancen für unseren Plan sind damit marginal geworden. Aber wir versuchen, aus dem gleichen Kreis eine Investorengruppe auf die Beine zu stellen." Er kritisierte, dass die größte Gläubigergruppe nicht früher eingeweiht worden sei.

Ein Sprecher von Insolvenzverwalter Gröner, räumte ein, dass die Aussichten für die Gläubiger und Aktionäre der AG schlechter geworden seien. Die Praktiker-Aktie fiel auf 11,8 Cent, die Anleihe stürzte um 22 Prozent auf zehn Cent. "Ich sehe das nicht als Riesen-Katastrophe. Zwar wird die Marke 'Max Bahr' beschädigt, aber in der Insolvenz stecken auch Chancen", sagte Gröners Sprecher. Damit könne man sich leichter von unvorteilhaften Verträgen trennen. Doch laut Sanierungsexperten sinkt mit dem Auseinanderbrechen des Konzerns auch der erwartete Verkaufserlös für dessen Teile. "Es wird noch komplexer", sagte ein Bankenvertreter. Nächste Woche soll eine Investmentbank beauftragt werden, die Käufer suchen soll.

Verdi attackiert Coface

Derweil bangt die Gewerkschaft Verdi um die Arbeitsplätze bei Max Bahr. "Eine Zerschlagung des Konzerns muss unbedingt verhindert werden", sagte Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Verdi setzt darauf, dass noch mehr Praktiker-Märkte in Max Bahr "umgeflaggt" werden könnten.

Zugleich kritisierte die Dienstleistungsgewerkschaft Coface scharf: "Es ist ein Alarmzeichen, wenn ein Warenkreditversicherer aussteigt, obwohl dem Unternehmen durchaus eine wirtschaftliche Perspektive gegeben wird. Das weckt den Verdacht, dass es diesem Unternehmen nur um kurzfristiges Profitinteresse geht." Ein Coface-Sprecher wollte sich zum konkreten Fall nicht äußern. "Aber wir sehen uns grundsätzlich nicht als Auslöser für eine Insolvenz." Wenn ein Unternehmen seine Rechnungen bezahle, seien die Lieferanten auch nicht auf eine Versicherung angewiesen.

Quelle: n-tv.de

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