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Die Marke Max Bahr verschwindet.
Die Marke Max Bahr verschwindet.(Foto: dpa)

Zerplatzte Träume: Max-Bahr-Verkauf an Globus scheitert

Das Ende der Hamburger Baumarkt-Kette Max Bahr ist besiegelt. Ein Verkauf von 58 Märkten an den Handelskonzern Globus zerschlägt sich in letzter Minute . Alle Seiten weisen sich gegenseitig die Schuld zu. 3600 Mitarbeiter bangen nun um ihren Job.

Die zum Greifen nahe scheinende Rettung der insolventen Baumarkt-Kette Max Bahr hat sich zerschlagen. Ein Verkauf der Warenhäuser an den Einzelhändler Globus scheiterte "an unterschiedlichen Mietpreisvorstellungen", wie ein Sprecher des Insolvenzverwalters des Immobilieneigentümers Moor Park bestätigte. Größter Gläubiger von Moor Park ist die britische Royal Bank of Scotland (RBS). An deren Widerstand war bereits schon einmal ein Verkauf von Max Bahr an ein Konsortium des Baumarktbetreibers Hellweg gescheitert.

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3600 Beschäftigte müssen nun hoffen, dass in die Immobilien andere Baumarkt-Betreiber einziehen und das Personal wenigstens zum Teil übernehmen. Für 20 bis 25 Häuser sei eine Lösung greifbar, hieß es im Umfeld der RBS, die die Hand auf 66 der Immobilien hat. Nun beginnt der Ausverkauf in den 73 Max-Bahr-Märkten.

Notartermin stand bereits

Noch am Vortag hatte es so ausgesehen, als könnte der Verkauf von Max Bahr im zweiten Anlauf klappen. Der Termin beim Notar stand bereits, wie mehrere Beteiligte sagten. Der Vertrag mit Insolvenzverwalter Jens-Sören Schröder über den Erwerb der Marke und des Warenbestands lag vor. 58 Max-Bahr-Märkte mit bis zu 3000 Mitarbeitern wollte Globus Verhandlungskreisen zufolge unter der angestammten Marke weiter betreiben. Die Saarländer hatten sich mit der RBS zwar - ebenso wie vorher der Dortmunder Rivale Hellweg - nicht auf einen Mietvertrag für die Baumärkte einigen können. Doch ein Verkauf der Häuser versprach die Lösung zu bringen.

Die Baumärkte werden von dem Hamburger Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann verwaltet, der den Immobilienfonds Moor Park abwickelt, der die Häuser 2007 für fast 800 Millionen Euro gekauft hatte und 2012 selbst Pleite ging. Größter Gläubiger von Moor Park ist die RBS. Rund 450 Millionen Euro habe Globus für das Paket geboten, sagten mehrere mit den Verhandlungen Vertraute. Damit wäre die Bank ohne weitere Verluste aus dem Engagement herausgekommen. Doch zumindest für eine Übergangszeit hätte Globus als Mieter einziehen müssen. Daran sei die Einigung gescheitert, erklärten Moor Park und die RBS.

"Wir bedauern sehr, dass es nicht zu einer Einigung gekommen ist, obwohl die Verhandlungen weit fortgeschritten waren", sagte eine RBS-Sprecherin in Frankfurt. "Völlig überraschend wurden Forderungen wieder aufgegriffen, von denen man wusste, dass sie nicht annehmbar sind." Auch Brinkmann warf Globus vor, die Saarländer hätten die Mieten drastisch drücken wollen.

Zuversicht für 20 bis 25 Märkte

Im Umfeld von Globus hieß es dagegen, die RBS habe ein falsches Spiel gespielt. Sie habe einen Abbruch provoziert, weil sie auf ein höheres Angebot für die Immobilien spekuliere. "Das Angebot von Globus steht immer noch", sagte ein Insider. Globus wollte sich nicht dazu äußern.

Brinkmann teilte mit, die Verhandlungen für einen Teil der Häuser mit einem anderen, "renommierten" Baumarkt-Betreiber stünden kurz vor dem Abschluss. Verhandlungskreisen zufolge geht es dabei um 20 bis 25 Häuser, deren Kauf bis Donnerstag notariell beglaubigt werden sollte. "Wir arbeiten nun mit Hochdruck an anderen Optionen und sind sehr zuversichtlich, dass wir einige in Kürze umsetzen können", erklärte die RBS. "Der Erhalt von Arbeitsplätzen spielt dabei eine wichtige Rolle."

Max Bahr war vom Baumarktkonzern Praktiker in die Pleite gerissen worden. Die vor allem im Norden Deutschlands vertretene Kette war 2007 von der Gründer-Familie Möhrle an die börsennotierte Praktiker AG verkauft worden - die Immobilien hatte Praktiker aber nicht mit übernommen. Mit dem Aus für Max Bahr verschwindet der letzte Teil von Praktiker in Deutschland. In rund 230 Praktiker-Märkten läuft längst der Ausverkauf.

Quelle: n-tv.de

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