Wirtschaft
Die Briten wollten raus aus der EU, aber nach wie vor die besten Handelsbeziehungen erreichen, so Premierministerin May.
Die Briten wollten raus aus der EU, aber nach wie vor die besten Handelsbeziehungen erreichen, so Premierministerin May.(Foto: dpa)

Experten befürchten Fiasko: May setzt dem Pfund zu

Raus aus der EU, aber weiter die Vorteile des EU-Binnenmarkts nutzen: Das ist die Idealvorstellung vieler Briten zum Brexit. Allerdings hält Premierministerin May auch an den umstrittenen Zuwanderungsplänen fest. Das Resultat: Marktturbulenzen.

Zum Start in die neue Handelswoche ist das britische Pfund unter Druck geraten. Marktteilnehmer sahen den Grund bei Premierministerin Theresa May, die am Wochenende angekündigt hatte, in den nächsten Wochen genauere Details ihrer Pläne für den Austritt aus der EU bekannt zu geben. Der Euro stieg daraufhin auf 0,8655 Pfund nach Notierungen um 0,8574 am Freitagabend.

"Oft ist die Rede davon, dass wir gewissermaßen die EU verlassen, aber noch irgendwie Teile der Mitgliedschaft behalten wollen", sagte May in einem Interview mit Sky News. "Wir verlassen sie. Wir treten aus", sagte sie und fügte hinzu, London wolle aber immer noch "den bestmöglichen Deal" bei den Handelsbeziehungen erreichen.

Die Premierministerin wiederholte frühere Aussagen, dass Großbritannien die Kontrolle über seine Grenzen haben werde, sobald das Land außerhalb der EU sei. Zur Frage, ob sie der Begrenzung der Einwanderung den Vorrang vor dem Marktzugang geben würde, wollte sich May nicht äußern.

Laut Devisenanalystin Esther Reichelt von der Commerzbank wollte sich May gegen die vom frisch zurückgetretenen EU-Botschafter Ivan Rogers geäußerten Vorwürfe wehren, die Austrittspläne der britischen Regierung seien ein großes Durcheinander. Gelungen sei ihr das nicht, so Reichelt.

Rogers, wichtigster britische Diplomat in Brüssel, war am vergangenen Dienstag überraschend zurückgetreten. In einem Brief an Mitarbeiter schrieb er, er hoffe, die Kollegen würden "konfuse Ansichten" weiter infrage stellen.

"Fiasko" steht im Raum

Solange die Regierung nicht endlich eine konkrete und überzeugende Strategie vorstelle, befürchteten Marktteilnehmer zunehmend ein Fiasko, unterstrich Reichelt. Zumal sie erneut signalisiert habe, dass die angestrebte Zuwanderungskontrolle eine rote Linie sein werde, über die nicht verhandelt werde. Damit dürfte mit dem Brexit jedoch unvermeidlich auch der Zugang zum europäischen Binnenmarkt verloren gehen.

Laut führenden EU-Politikern muss Großbritannien den freien Personenverkehr mit der EU erlauben, wenn es Zugang zum zollfreien Binnenmarkt haben möchte. Viele britische Abgeordnete sagten, die Mitgliedschaft im Binnenmarkt sei entscheidend für die britische Wirtschaft. Keine "konfusen Ansichten".

Dagegen hatte die Pro-Brexit-Initiative "Leave Means Leave" die Aussagen Mays begrüßt. "Wenn wir aus dem Binnenmarkt austreten, werden wir weiter in der Lage sein, mit der EU zu handeln und Zugang zum Binnenmarkt haben", teilte die Initiative mit.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen