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Knapp zwei Prozent mehr Umsatz im vierten Quartal: Yahoo-Aktien legen deutlich zu.
Knapp zwei Prozent mehr Umsatz im vierten Quartal: Yahoo-Aktien legen deutlich zu.(Foto: REUTERS)

Kampfansage an Google und Facebook: Yahoo krempelt die Ärmel hoch

Seit einem halben Jahr steht die frühere Google-Größe Marissa Mayer an der Spitze von Yahoo. Nun zeigen sich mit steigenden Einnahmen erste Fortschritte. Die Chefin selbst dämpft die Euphorie: "Wir haben noch viel Arbeit vor uns."

"Wir haben noch viel Arbeit vor uns, aber wir sehen erste positive Trends."
"Wir haben noch viel Arbeit vor uns, aber wir sehen erste positive Trends."(Foto: AP)

Der Internet-Konzern Yahoo kann mit der neuen Chefin Marissa Mayer erste Erfolge vermelden. Das Geschäft wuchs im Schlussquartal wieder leicht. Zugleich lasteten aber hohe Kosten für den angestoßenen Firmenumbau auf dem Unternehmen.

"Wir haben noch viel Arbeit vor uns, aber wir sehen erste positive Trends", sagte Mayer in einer Telefonkonferenz. Die Zahlen des Suchmaschinenanbieters erreichten die US-Börsen erst nach Handelsschluss an der Wall Street. Entsprechend konnten nicht mehr alle betroffenen Anleger auf die Angaben reagieren.

Insgesamt übertraf Yahoo die Erwartungen der Analysten. Nachbörslich stieg die Aktie zeitweise um mehr als 4 Prozent. Nachdem der Konzern allerdings einen überraschend vorsichtigen Ausblick bekanntgegeben hatte, kühlte sich die Begeisterung der spät handelnden Anleger deutlich ab. Yahoo geht im laufenden Jahr von einem Umsatzrückgang aus.

Aus ihrer Strategie macht die Yahoo-Chefin unterdessen kein Geheimnis: Mayer will die Nutzer überzeugen, mehr Zeit auf Yahoo-Seiten zu verbringen. Gleichzeitig will sie ihnen dabei mehr personalisierte Werbung anbieten. Das soll Yahoo wieder attraktiver für Anzeigenkunden machen.

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Die ersten Fortschritte fielen schmal, aber immerhin noch deutlich sichtbar aus: Der Umsatz stieg im zurückliegenden Quartal um 2 Prozent auf 1,35 Mrd. Dollar (umgerechnet etwa 1 Mrd. Euro). Grund waren höhere Einnahmen aus dem Suchmaschinenbetrieb und den übrigen Geschäftsfeldern.

Dagegen schrumpften die Erlöse aus dem Bereich der grafischen Werbeanzeigen leicht. Der Gewinn sank wegen des Rückzugs aus Südkorea um 8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf unterm Strich 272 Mio. Dollar.

Neues Design bei Mail und FlickR

Sie sei stolz auf das Erreichte, erklärte Mayer am Firmensitz im kalifornischen Sunnyvale. Aufs Gesamtjahr gesehen sei es das erste Mal seit vier Jahren, dass Yahoo beim Umsatz zugelegt habe. Nach der Neugestaltung der Fotoplattform Flickr würden 25 Prozent mehr Bilder hochgeladen und Nutzer hätten häufiger auf Anzeigen in Yahoos E-Mail-Angebot geklickt. Beide Dienste wurden erst im Dezember mit besonderem Augenmerk auf die Nutzung mit Smartphones überarbeitet.

Als nächstes sollen die Börsen-Seite Yahoo Finance und der Nachrichten-Sammeldienst Yahoo News aufgefrischt werden. Wie hart Marissa Mayer den Kurswechsel des Konzerns vorantreibt, zeigt sich unter anderem auch in der Personalplanung. Gemäß dem von oben verordneten Sparprogramms musste etwa jeder sechste Mitarbeiter bei Yahoo seinen Hut nehmen. Ende Dezember arbeiteten noch 11.500 Menschen bei Yahoo.

Yahoo ging in den vergangenen Jahren durch schwierige Zeiten: Einst stand das Unternehmen als Synonym für das Internet, doch dann kamen neue starke Rivalen wie Google oder Facebook, die Yahoo das Wasser bei den Werbeeinnahmen abgruben. Viele Nutzer wandten sich ab, Gleiches galt für die finanzstarken Werbekunden. Erschwerend kamen interne Turbulenzen mit Chefwechseln in rascher Folge hinzu.

Haupteinnahmequelle von Yahoo ist die Werbung. Erträge ergeben sich zum einen aus den bezahlten Links in der Ergebnisanzeige der Suchmaschine. Hier nutzt Yahoo die Technologie von Microsofts Suchmaschine Bing. Langsam scheinen sich Erfolge zu zeigen, das Unternehmen verzeichnet höheren Werbeeinnahmen. Das traditionell wichtigere Standbein ist aber die sogenannte Display-Werbung mit grafischen Anzeigen. Google und Facebook haben Yahoo in diesem Geschäft allerdings längst überholt.

Der Verwaltungsrat hatte die Vorzeigemanagerin Mayer Mitte 2012 vom Rivalen Google abgeworben. Sie will Yahoo wieder zu einer der ersten Adressen im Internetgeschäft machen. Dazu sammelte sie ein neues Führungsteam, schloss unrentable Bereiche wie den in Südkorea und will mit neuen Diensten und Inhalten die Nutzer wieder an Yahoo binden. Unter ihrer Hand soll sich Yahoo auch stärker international ausrichten. Derzeit kommen drei Viertel der Einnahmen vom amerikanischen Kontinent. Die Region Europa, Naher Osten und Afrika liefert nur ein Zehntel.

Milliardenrisiko in Mexiko

Yahoo konnte im Gesamtjahr seinen Umsatz minimal auf knapp 5,0 Mrd. Dollar steigern und behielt unterm Strich mehr als 3,9 Mrd. Dollar übrig - fast vier Mal so viel wie im Jahr 2011. Dieser gewaltige Gewinnsprung kam durch den Verkauf von Anteilen am chinesischen Internetkonzern Alibaba zustande. Für dieses Jahr geht das Management von einem Gesamtumsatz zwischen 4,75 und 4,88 Mrd. Dollar aus.

Wie ein Damoklesschwert hängt eine richterliche Entscheidung in Mexiko über Yahoo: Das Konzern ist in einem Streit mit einem Geschäftspartner um ein Branchenverzeichnis zur Zahlung von 2,7 Mrd. US-Dollar verdonnert worden. Yahoo geht gegen die Entscheidung vor. "Wir sind sicher, dass wir erfolgreich sein werden", sagte Finanzchef Ken Goldman. Deshalb sei auch keine Rückstellung gebildet worden.

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Quelle: n-tv.de

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