Wirtschaft
Im internen Streit über die Konzernführung steht Ende Juli ein Gerichtstermin bevor.
Im internen Streit über die Konzernführung steht Ende Juli ein Gerichtstermin bevor.(Foto: picture alliance / dpa)

Machtkampf beim Elektronik-Händler: Media-Saturn-Chef bleibt im Amt

Niederlage für den Firmengründer: Erich Kellerhals kann sich auf einer außerordentlichen Gesellschafterversammlung nicht durchsetzen. Interimschef Pieter Haas bleibt im Amt. Zumindest vorerst - denn ein Gerichtstermin steht noch aus.

Im Machtkampf um Europas größte Elektronikhandelskette Media-Saturn bleibt Interimschef Pieter Haas auch nach der mit Spannung erwarteten Gesellschafterversammlung im Amt. "Die heutige, außerordentliche Gesellschafterversammlung hat wie erwartet das Ergebnis erbracht, dass Herr Haas weiterhin Mitglied und stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung von Media-Saturn ist", erklärte ein Metro-Sprecher am Freitag.

Damit seien "Kontinuität und Stabilität in der Geschäftsführung von Media-Saturn sichergestellt", betonte er nach dem Treffen zwischen Vertretern der zerstrittenen Media-Saturn-Eigner Metro und Erich Kellerhals. Media-Saturn-Gründer Kellerhals will Haas aus dem Amt drängen - und setzt auf eine Klage vor dem Landgericht Ingolstadt. Das Media-Saturn-Management reagiert besorgt auf den Dauer-Zwist.

Der Düsseldorfer Konzern liefert sich seit Jahren einen erbitterten Machtkampf mit Kellerhals. Obwohl der Milliardär nur 21,62 Prozent an Media-Saturn hält - die restlichen Anteile liegen bei der Metro - verfügt er über umfassende Veto-Rechte. Kellerhals versucht derzeit, Haas aus dem Amt zu entfernen, er sieht den Manager Insidern zufolge als verlängerten Arm der Metro.

Kellerhals will einstweilige Verfügung erwirken

In der Gesellschafterversammlung konnte er sich aber nicht durchsetzen - Kellerhals hat dort auch keine Mehrheit. Mit dem Verbleib von Haas seien "Kontinuität und Stabilität in der Geschäftsführung von Media-Saturn sicher gestellt, was in der aktuellen Situation am Wichtigsten ist", unterstrich der Metro-Sprecher.

Der Handelsriese hatte den 50-jährigen Haas im Mai als stellvertretenden Vorsitzenden und Interimschef in den Media-Saturn-Vorstand entsandt. Zuvor hatte Media-Saturn-Chef Horst Norberg entnervt das Handtuch geworfen, Kellerhals hatte im Internet mit einer Stellenanzeige nach einem Nachfolger für ihn gesucht. Dagegen hatte die Metro geklagt, die Stellenanzeige ist nun verschwunden zumindest dieses Verfahren hat sich erledigt.

Haas hat nun im Media-Saturn-Vorstand das Sagen, ein Nachfolger Norbergs muss von den zerstrittenen Parteien Metro und Kellerhals gemeinsam ernannt werden - Insidern zufolge dürfte dies noch viel Zeit in Anspruch nehmen. Kellerhals dringt derweil auf eine Abberufung von Haas und versucht, ihn mit einer einstweiligen Verfügung vor dem Landgericht Ingolstadt aus dem Amt zu entfernen. Für den 22. Juli ist in dieser Sache vor Gericht eine mündliche Anhörung angesetzt.

Interimschef wird Interessenkonflikt vorgeworfen

Kellerhals werfe Haas unter anderem einen Interessenkonflikt vor, hatte es in seinem Umfeld  geheißen - der Manager ist auch Mitglied des Metro-Vorstands, der Konzern wiederum stehe mit seinen Töchtern Real und Kaufhof in direkter Konkurrenz zu Media-Saturn. Zudem habe Haas aus seinem ersten Engagement bei Media-Saturn - er hatte bereits 2001 bis 2013 dort gearbeitet - Fehlentscheidungen zu verantworten. So sei er für das China-Geschäft verantwortlich gewesen. Media-Saturn war mit der Expansion in das Land gescheitert. Metro ist anderer Auffassung: Die Expansion in China sei vor allem deshalb nicht vorangekommen, weil Kellerhals sie nicht gefördert habe.

Der Dauerstreit der Eigner ruft auch das Media-Saturn-Management auf den Plan: In einem internen Schreiben des Managements wird Unternehmenskreisen zufolge gewarnt, der Zwist gefährde die Handlungsfähigkeit der Geschäftsführung - und die Strategieumsetzung bei Media-Saturn.

Quelle: n-tv.de

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