Montag, 21. Juni 2010
Weißrussland will nicht zahlen: Medwedew dreht Hahn zu
Im Gasstreit mit Weißrussland trägt der russische Präsident Medwedew dem Energiekonzern Gazprom auf, die Lieferungen in das Nachbarland zu drosseln. Weißrussland bietet zwar an, die ausstehenden Gasrechnungen zu begleichen, allerdings nicht in bar, sondern quasi in Naturalien.Der Gasstreit zwischen Russland und Weißrussland spitzt sich zu. In dem Konflikt um offene Energierechnungen wies Kremlchef Dmitri Medwedew den russischen Gasmonopolisten Gazprom an, die Lieferungen an den Nachbarn am Montagmorgen von 8.00 Uhr MESZ an schrittweise einzustellen. Das meldete die Agentur Interfax nach einem Gespräch zwischen Medwedew und Gazprom-Chef Alexej Miller. Durch Weißrussland führt auch eine der wichtigen Pipelines für russische Gaslieferungen an den Westen.
Maschinen und Autos für Gas
"Weißrussland erkennt seine Gasschulden an, schlägt aber vor, diese mit Maschinen, Ausrüstung, Autos und anderen Waren zu begleichen", teilte Gazprom-Chef Miller mit. Medwedew betonte jedoch, dass Russlands Gasrechnungen in "harter Währung" zu begleichen seien. Weißrussland kritisierte das Drosseln der Gas-Lieferungen als "illegal und unbegründet". Der russische Staatskonzern Gazprom spreche stets nur von angeblichen Schulden Weißrusslands und "täusche" damit Kremlchef Medwedew, teilte der Gasversorger Beltransgas in der Hauptstadt Minsk mit. Gazprom schulde aber Weißrussland auch Geld, und zwar für den Transit von russischem Gas in den Westen.
Moskau fordert von Minsk 192 Mio. US-Dollar (etwa 155 Mio. Euro) für Gaslieferungen. Der weißrussische Vize- Energieminister Eduard Towpinez hatte vor kurzem davon gesprochen, dass Russland seinerseits dem Nachbarland etwa 200 Mio. US- Dollar für das Weiterleiten von Gas schulde. Sein Vorschlag, die Summen zu verrechnen, war in Moskau aber auf Empörung gestoßen.
Westeuropa weiter versorgt
In der vergangenen Woche hatte Gazprom angekündigt, die Lieferungen um 85 Prozent zu drosseln. Daraufhin drohte Weißrussland am Wochenende mit einem Anzapfen der Transitleitungen nach Westen. Gazprom will dann sein Gas unter Umgehung Weißrusslands durch die Ukraine nach Polen pumpen. Man werde die Verträge mit den westlichen Kunden erfüllen, hatte Miller gesagt. Bislang hat der Gasstreit auch nach weißrussischen Angaben die Gaslieferungen nach Westeuropa nicht beeinträchtigt.
Eine Sprecherin der staatlichen litauischen Gasfirma Lietuvos Dujos teilte ebenfalls mit, dass die Versorgung mit Gas über Weißrussland bislang nicht behindert sei. Das Land sei allerdings darauf vorbereitet, im Fall einer Unterbrechung Gas über Lettland zu beziehen, sagte die Unternehmenssprecherin. Litauen ist komplett von Gaslieferungen aus Russland abhängig, die über Weißrussland in den Baltenstaat gepumpt werden.
Anfang des Jahres hatten Minsk und Moskau einen neuen Liefervertrag für Gas vereinbart, den Weißrussland aus Sicht des mächtigen Nachbarn nicht erfüllt. Der neue Streit gilt auch als politisch motiviert. Der autoritäre weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko hatte den Kreml immer wieder mit politischen Angriffen gereizt.
sla/dpa/AFP
Hintergründe zur Nachricht
Wirtschaft
-
Alarmglocken schrillen
Verluste in Asien auf breiter Front
-
Brent in Richtung 100 Dollar
Ölpreise bleiben auf Talfahrt
-
Von wegen Wonnemonat Mai
Dax-Talfahrt geht weiter
-
Zeitenwende bei der Deutschen Bank
Ackermann tritt ab
-
"Dinge beginnen, hässlich zu werden"
Spanien-Sorgen belasten Euro
-
Instagram-Deal macht Sorgen
Facebook-Kurs steckt in Abwärtsspirale
-
Griechenland-Exit kein Todesstoß
Axa sorgt vor
-
Stimmungstöter Europa
Kursverluste an der Wall Street
-
Telefonica überrascht
O2 soll an die Börse
-
Presta-Mitarbeiter müssen gehen
ThyssenKrupp kündigt
-
Griechenland-Exporte
Euler Hermes versichert nicht
-
Hiobsbotschaften und "Todeskreuz"
Dax kennt kein Halten
