Wirtschaft
2,4 Millionen manipulierte VW-Autos müssen in die Werkstätten.
2,4 Millionen manipulierte VW-Autos müssen in die Werkstätten.(Foto: picture alliance / dpa)

2,4 Millionen Schummel-Autos: Mega-Rückruf belastet Volkswagen

Von Hannes Vogel

Der größte Rückruf in der Volkswagen-Geschichte startet: Wegen dem Abgas-Skandal werden Millionen Diesel-Autos umgerüstet. Auf den Konzern rollen Milliardenkosten zu. Den Werkstätten droht wochenlanger Terminstau.

Nun wird es ernst für Volkswagen. Seit Monaten kommt der größte deutsche Autokonzern wegen der Abgas-Manipulation seiner Dieselmotoren nicht aus den Schlagzeilen. Nun erreicht die "Dieselgate"-Affäre die reale Welt: in den Werkstätten werden die ersten deutschen Schummel-Autos umgerüstet. Der größte Rückruf in der Geschichte von Volkswagen rollt an. Er wird den Konzern nicht nur viel Geld kosten, sondern die Werkstätten das ganze Jahr auf Trab halten.

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2,4 Millionen Besitzer von VW-Autos mit manipulierten Motoren bekommen demnächst Post. Die ersten Amarok-Pickups sind sogar bereits verfrüht in die Hallen gerollt. Als nächstes soll laut VW die Dieselvariante des Passat folgen. Wann genau das meistverkaufte deutsche Auto, der VW Golf, an der Reihe ist, steht noch nicht fest. Klar ist dagegen, dass die gigantische Umrüstungsaktion den Konzern teuer zu stehen kommen wird. Und sich nun zeigt, ob der Wolfsburger Autobauer ausreichend Vorsorge getroffen hat.

Weltweit stecken die manipulierten Motoren vom Typ EA-189 in verschiedenen Ausführungen mit 1,2, 1,6 und 2,0 Liter Hubraum in rund elf Millionen Autos der Marken VW, Audi, Seat, Skoda und den leichten VW-Nutzfahrzeugen. Laut VW-Chef Matthias Müller hat der Konzern für die Reparatur aller betroffenen Fahrzeuge und die Entschädigung seiner Kunden weltweit 6,7 Milliarden Euro zurückgestellt. "Wir vermuten, dass das genug sein sollte", hatte Müller auf der Detroiter Automesse gesagt. Zusätzlich droht VW allein in den USA eine Strafe von bis zu 18 Milliarden Dollar. Die Spekulationen über den wirtschaftlichen Schaden der Abgas-Affäre reichen sogar bis zu 90 Milliarden Dollar.

Millionenkosten für deutschen Rückruf

Allein die Kosten für den Rückruf in Deutschland sind nicht zu unterschätzen. Die Abgas-Schummelei will VW seinen Autos mit einer neuen Software austreiben. Die Wagen mit 1,2- und 2-Liter-Motor sollen sie laut VW in einer halben Stunde aufgespielt bekommen, bei den 1,6-Liter-Modellen wie dem hauptsächlich betroffenen Golf wird zusätzlich ein Bauteil eingesetzt. Trotzdem soll die Reparatur laut VW weniger als eine Stunde dauern. Branchen-Insider rechnen im Schnitt mit anderthalb Stunden.

Beim Löwenanteil der Autos wird die Umrüstung also wohl zwischen einer halben und einer Stunde in Anspruch nehmen. Das ist dann wahrscheinlich auch die Zeit, die die Mechaniker in Wolfsburg abrechnen dürfen. Was eine Arbeitsstunde in seinen Vertragswerkstätten kostet, will VW auf Anfrage von n-tv.de nicht sagen. Laut Dekra schwankt der Stundenpreis für den Kunden in deutschen Werkstätten zwischen rund 80 Euro in Frankfurt (Oder)und 125 Euro in München. Setzt man 100 Euro an, kostet bei 2,4 Millionen Fahrzeugen allein die Umrüstung der deutschen Schummel-Autos 240 Millionen Euro.

Jenseits des finanziellen Aufwands ist die Umrüstung von Millionen Diesel-Autos selbst für einen Hersteller wie Volkswagen eine logistische Herausforderung. Auf die Mechaniker rollt eine gigantische Arbeitswelle zu. 2173 VW-Werkstätten gibt es in Deutschland. Bei 2,4 Millionen Fahrzeugen sind das rein rechnerisch 1100 Autos, die in jeder Servicestelle abgefertigt werden müssen - zusätzlich zu normalen Reifenwechseln, HU-Abnahmen und Blechschäden. Den Schraubern im Dienste Wolfsburgs droht womöglich wochenlanger Terminstau, wenn nicht gar ein Termin-Gau, gerade in kleineren Werkstätten.

Denn der Ansturm verteilt sich in Wirklichkeit zwar gleichmäßiger als auf dem Papier: Die 2,4 Millionen Fahrzeuge sollen in mehreren Wellen über das gesamte laufende Jahr zurückgerufen werden, die das Kraftfahrzeugbundesamt (KBA) freigibt. Auch die Werkstatt können die Besitzer frei wählen. Feste Zeitfenster für die Fahrt zum VW-Service gibt es ebenfalls nicht.

Aber alle Autos sollen laut VW bereits bis Ende des Jahres verarztet sein. Und kaum jemand wird für seine lästige Reparatur kilometerweit fahren und wochenlang warten wollen, bis er an der Reihe ist. Frühestens ab April sind die 1,2-Liter-Versionen an der Reihe. Erst im Herbst sollen die Fahrzeuge mit 1,6-Liter-Maschine folgen, die vorrangig im Verkaufsschlager Golf verbaut sind. Es wird sich herausstellen, ob dieser Plan reicht, um den Ansturm aufzufangen.

Quelle: n-tv.de

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