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"Man muss nicht mehr alles mitmachen": BER-Chef Mehdorn zieht die Reißleine.
"Man muss nicht mehr alles mitmachen": BER-Chef Mehdorn zieht die Reißleine.(Foto: picture alliance / dpa)

BER wird immer teurer: Mehdorn klagt über Mobbing

Überraschend schmeißt BER-Chef Mehdorn hin. Grund ist die anhaltende Debatte über ihn. In Interviews beklagt er nun schlechten Stil: Er müsse sich ja nicht alles gefallenlassen. Unterdessen rechnen die Planer mit weiter steigenden Kosten und sprechen schon mal in Brüssel vor.

Nach dem angekündigten Rücktritt hat der Berliner Flughafenchef Hartmut Mehdorn den Aufsichtsrat scharf attackiert. "Es gab vor der Aufsichtsratssitzung ein Mobbing gegen mich", sagte er "Bild" und "B.Z." Über seine Nachfolge sei bereits spekuliert worden. "Das war schlechter Stil. Ich gehöre zu den älteren Semestern. Da muss man nicht mehr alles mitmachen." Öffentlich hatte das Kontrollgremium Mehdorn bei der Sitzung "alle Unterstützung" zugesichert, damit der neue Flughafen möglichst schnell in Betrieb gehen könne. Als Zielmarke für die Eröffnung wurde das zweite Halbjahr 2017 genannt. Mehdorns Schritt zu Wochenbeginn kam daher überraschend.

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Derweil dringt Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) auf eine schnelle Neuordnung von Aufsichtsrat und Geschäftsführung der Flughafengesellschaft, deren wichtigstes Projekt der Hauptstadtflughafen in Schönefeld ist. Als Vertreter des Eigentümers Berlin lud er die beiden anderen Gesellschafter, das Land Brandenburg sowie den Bund, zu Gesprächen darüber ein. Wann genau das sein sollte, blieb zunächst unklar.

Für den Aufsichtsrat wird seit dem Ausscheiden des bisherigen Amtsinhabers Klaus Wowereit (SPD) ein neuer Vorsitzender gesucht. Der Stellvertreter Rainer Bretschneider (SPD), Staatssekretär in Brandenburg, hat dessen Aufgaben vorläufig übernommen.

Unterdessen deutet sich auch an, dass die Kosten des Projekts weiter steigen: Der bislang angesetzte Rahmen von 5,4 Milliarden Euro wird nach Angaben Bretschneiders nicht reichen. Diese Summe war für einen Betriebsbeginn noch im Jahr 2016 berechnet. "Wenn sich das verschiebt, haben wir Mehrkosten", sagte Bretschneider. "Das wird keine Milliarde sein, aber das wird schon eine Summe."

Daher hätten die Gesellschafter bei der Europäischen Union vorsorglich die Genehmigung weiterer Beihilfen in Höhe von 2,2 Milliarden Euro beantragt. Ursprünglich sollten es nur 1,1 Milliarden Euro sein - für die letzte Finanzspritze, die der Aufsichtsrat im Sommer bewilligt hatte. Mit der größeren Freigabe aus Brüssel wäre auch für Erweiterungen des Flughafens vorgesorgt, wie sie Mehdorn vorschlägt.

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Quelle: n-tv.de

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