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Immer neue Probleme am BER.
Immer neue Probleme am BER.(Foto: picture alliance / dpa)

Noch mehr Pfusch am BER?: Mehdorn wird in die Mangel genommen

Wegen der weiterhin ungewissen Eröffnung des Hauptstadtflughafens kommt es zum offenen Streit zwischen Chefmanager Mehdorn und den Anteilseignern. Bei einem Krisengespräch soll "Klartext" mit dem Flughafenchef gesprochen werden. Er soll endlich "liefern".

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Im Streit über den künftigen Hauptstadtflughafen BER gerät  Flughafenchef Hartmut Mehdorn unversehens unter schweren Druck. Nach neuen Problemen mit dem Milliarden-Bauprojekt gibt es heute ein Krisentreffen im Berliner Roten Rathaus mit den Anteilseignern. Vor allem das Land Brandenburg ist verärgert über Mehdorns Krisenmanagement. Mit ihm sprechen wollen Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke und Vertreter des Bundes.

Anlass des Treffens ist ein öffentlicher Schlagabtausch mit Woidke in dieser Woche. Der Streit war entbrannt, weil Mehdorn weitere Verzögerungen beim Eröffnungstermin des Flughafens wegen Problemen mit der Nordbahn des Airports und dem Schallschutz angekündigt hatte. Mehdorn hatte am Donnerstag auf einer Sondersitzung des BER-Ausschusses im Potsdamer Landtag erstmals zu seiner Anfang der Woche überraschend verkündeten Entscheidung, die Nordbahn des Airports nicht ab 1. Juli 2014 sanieren zu können, sondern erst im nächsten Jahr, Stellung genommen.

Wowereit sprach Mehdorn unterdessen das Vertrauen aus. "Herr Mehdorn hat unser Vertrauen. Und er ackert mit allen Kräften, dass tatsächlich dieses Projekt zum Erfolg geführt wird", sagte Wowereit mit Bezug auf den noch nicht vollendeten Hauptstadtflughafen in Schönefeld. Ob der Streit mit Woidke beigelegt werden konnte, ist noch offen.

Zeit Klartext zu sprechen

Mehdorn macht die brandenburgischen Behörden für die Verschiebung der vor der BER-Eröffnung nötigen Sanierung der Nordbahn verantwortlich. Er argumentiert, dass das Schallschutzprogramm noch einmal von vorn beginnen müsse, weil es im Februar neue Auflagen zum Belüftungsstandard in den Wohnungen gegeben habe. Der Flughafen wurde nach seiner Darstellung auch von der Auflage einer Wartefrist von sechs Monaten "überrascht", die den Anwohnern nach Bewilligung des Schallschutzes zum Einbau der Fenster gewährt werden müsse.

Der Staatssekretär im Bundesverkehrsminister, Rainer Bomba, sagte kurz vor dem Krisentreffen im Roten Rathaus in Berlin: "Wir werden Klartext sprechen." Mehdorn habe weiterhin das volle Vertrauen "aber er muss auch wissen, dass man geschäftspolitische Entscheidungen mit dem Aufsichtsrat bespricht und nicht über die Medien oder in Briefen an einzelne Aufsichtsratsmitglieder". Weiter sagte er: "Wir müssen den Flughafen endlich fertig bauen. Keine Nebenkriegsschauplätze mehr."

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke.
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke.(Foto: picture alliance / dpa)

Woidke hatte Mehdorn vorgeworfen, mit dem Schallschutz einen "Nebenkriegsschauplatz" aufzumachen. Das Hauptproblem sei nach wie vor die nicht funktionierende Brandschutzanlage im Terminal.

Mehdorn soll "liefern"

Brandenburgs Finanzminister Christian Görke forderte Mehdorn auf, rasch einen Zeit- und Kostenplan für den Flughafen vorzulegen. "Er muss liefern", sagte er im RBB-Inforadio. Der Linken-Politiker beklagte, bereits seit einem Dreiviertel Jahr werde angekündigt, eine Planung zur Inbetriebnahme des Hauptterminals vorzulegen und vor allem auch eine Gesamtfinanzierung. "Das steht alles aus." Auf die Frage, ob Mehdorn bei weiteren Problemen möglicherweise eine Entlassung drohen könnte, sagte Görke: "Darüber werden wir dann in den Gremien zu reden haben."

Die Sanierung der Nordbahn ist auch aus Sicht des Finanzministers nicht der Grund dafür, dass der Flughafen möglicherweise nicht ans Netz gehen könne. Das Haupthindernis sei eine nicht funktionierende Brandschutzanlage. "Ich erwarte, dass er sich dieser konkreten Baustelle widmet und nicht ständig neue virtuelle Baustellen eröffnet", sagte Görke an die Adresse Mehdorns.

Mehdorn hatte zuletzt versucht, auf die Tube zu drücken und das verkorkste Hauptstadtflughafenprojekt irgendwie auf die Zielgerade zu schieben. Bislang waren seine Bemühungen allerdings vergeblich. Sein Plan, mit einer Teileröffnung im Sommer, zu landen, wurde vom Aufsichtsrat abgeschmettert. Sein Beschleunigungsprogramm Sprint zur schnelleren Fertigstellung des Milliardenprojekts brachte auf die Schnelle auch nicht gewünschten Durchbruch. Trotz aller Bemühungen ist der Flughafen nach wie vor ein Unvollendeter.

Quelle: n-tv.de

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