Wirtschaft
Einen Komplettverkauf von Air Berlin hält Konzernchef Winkelmann für unwahrscheinlich.
Einen Komplettverkauf von Air Berlin hält Konzernchef Winkelmann für unwahrscheinlich.(Foto: picture alliance / Federico Gamb)
Samstag, 19. August 2017

Verkauf bis Ende September: Mehr als zehn Interessenten für Air Berlin

Nach der Insolvenz von Air Berlin ist der Interessentenkreis an der Airline offenbar größer als angenommen: Konzernchef Winkelmann spricht von mehr als zehn potenziellen Käufern. Dass es nur einen großen Profiteur gibt - etwa die Lufthansa - wird unwahrscheinlicher.

Das Interesse an Air Berlin ist offenbar größer als bislang bekannt. "Wir haben mit mehr als zehn Interessenten gesprochen - darunter mit mehreren Fluglinien", sagte der Chef der insolventen Fluggesellschaft, Thomas Winkelmann, der Zeitung "Bild am Sonntag". Einen Komplettverkauf bezeichnete er demnach als unwahrscheinlich. "Es wird nicht einen, sondern zwei oder drei Käufer geben", so Winkelmann. Die Gespräche würden am Wochenende und in der kommenden Woche weitergeführt.

Ein Verkauf bis November sei dabei zu spät, sagte der Konzernchef. "Wir wollen den Verkauf spätestens im September abschließen. Sonst schwindet das Vertrauen der Kunden in die Airline." Air Berlin hatte am Dienstag den Insolvenzantrag gestellt, nachdem Großaktionär Etihad eine Finanzzusage zurückgezogen hatte. Winkelmann hat erklärt, es würden Gespräche mit drei börsennotierten Rivalen geführt - darunter die Lufthansa. Sollten die Kartellwächter zustimmen, könnten große Teile der Airline tatsächlich an die Lufthansa gehen.

Medienberichten zufolge haben auch die Thomas-Cook-Tochter Condor sowie der britische Billigflieger Easyjet Interesse an Teilen von Air Berlin. Kritik kommt unter anderem von der Fluggesellschaft Ryanair, die Wettbewerbsnachteile befürchtet. Mittlerweile meldete auch der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl Interesse an einer Übernahme von Air Berlin an. Er will die Airline als Ganzes erhalten.

Warnung vor Kündigungswelle

Auf eine schnelle Lösung für Air Berlin drängte im Südwestrundfunk der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer. Er hält die kartellrechtlichen Probleme im Fall einer Teilübernahme durch die Lufthansa für überwindbar, stellte aber auch klar: "Es wird keine Lösung geben, gegen die die Wettbewerbsbehörden sind." Diese würden sehr genau prüfen, dass kein Unternehmen in eine marktbeherrschende Stellung kommt.

Vor baldigen Kündigungen bei Air Berlin im großen Stil warnte der Insolvenz- und Sanierungsexperte Ralf Moldenhauer von der Unternehmensberatung BCG. "Das Unternehmen und der Sachwalter werden wohl keine Alternative haben, als in einigen Bereichen schnell Kündigungen auszusprechen", sagte er der "Rheinischen Post". Das gelte vor allem für den Verwaltungsbereich der Airline.

Quelle: n-tv.de

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