Standort Frankreich in der KritikMehr deutsche Firmen klagen
Ein unflexibler Arbeitsmarkt, zu hohe Unternehmenssteuern: Immer mehr deutsche Firmen sind mit ihrem Frankreich-Geschäft nicht mehr zufrieden. Einer Umfrage zufolge schätzen fast zwei Drittel der befragten Unternehmen das wirtschaftliche Umfeld in Frankreich als nicht gewinnträchtig ein.
Die deutschen Unternehmen mit Niederlassungen in Frankreich sind immer unzufriedener: Der Anteil der Unternehmen, die sich zu Ende gehenden Jahr zufrieden äußerten, ging gegenüber 2010 um fünf Prozent zurück, wie eine Umfrage der deutsch-französischen Industrie- und Handelskammer in Paris ergab.
Dennoch ist nach wie vor eine überwältigende Mehrheit von 73 Prozent der deutschen Unternehmen mit ihrem Geschäft in Frankreich zufrieden. 25 Prozent äußerten ihre Unzufriedenheit.
Der Umfrage zufolge, an der 110 deutsche Firmen teilnahmen, schätzen fast zwei Drittel der deutschen Unternehmen das wirtschaftliche Umfeld in Frankreich als nicht gewinnträchtig ein. Als schlecht bezeichneten dies 57 Prozent und sechs Prozent sogar als sehr schlecht. Im Handel (41 Prozent) war die schlechte Stimmung ausgeprägter als in der Industrie (34 Prozent) oder bei den Dienstleistungen (14 Prozent). Insgesamt rechneten 42 Prozent der deutschen Unternehmen mit einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in Frankreich im Jahr 2013.
Auch kritische US-Studie
Eine Flexibilisierung des Arbeitsmarktes nannten die meisten deutschen Unternehmen (58 Prozent) als notwendige Maßnahme, um die Attraktivität des Standortes Frankreich zu erhöhen. Ähnlich viele (56 Prozent) sprachen sich der Umfrage zufolge für eine Steuerentlastung für Unternehmen aus. Auf dem dritten Platz folgte mit 47 Prozent die Forderung nach einer Vereinfachung der Arbeitsgesetzgebung.
Der Handelskammer zufolge zählen die deutschen Unternehmen in Frankreich zu den Hauptinvestoren. Die Zahl der Unternehmen mit mehrheitlich deutschem Kapital in Frankreich wird demnach auf 3000 geschätzt. Von diesen Firmen würden 300.000 Arbeitsplätze abhängen. Vergangene Woche hatte auch die US-Handelskammer in Frankreich eine Studie veröffentlicht, der zufolge die Attraktivität des Landes für US-Investoren drastisch zurückgegangen sei.