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Zugriff: Merck schnappt sich britische AZ Electronic Materials und baut seine Position bei Flüssgkristallen weiter aus.
Zugriff: Merck schnappt sich britische AZ Electronic Materials und baut seine Position bei Flüssgkristallen weiter aus.(Foto: picture alliance / dpa)

Apple, Samsung - alle brauchen's: Merck feiert nach Milliardendeal Allzeithoch

Die Nachfrage nach Smartphones, Tablets und Laptops boomt. Der deutsche Pharma- und Chemiekonzern Merck profitiert, denn er ist ein großer Player im margenstarken Markt für Flüssigkristalle. Eine milliardenschwere Übernahme stärkt zusätzlich.

Die Anleger des Pharma- und Chemiekonzerns Merck führen die Gewinnerliste des deutschen Börsen-Leitindex Dax mit großem Abstand an. Die Titel zogen in einem eher mauen Marktumfeld zeitweise mehr als 4 Prozent an. Der Grund dafür liegt Analysten zufolge in einer Milliardenübernahme, mit der Merck sein margenstarkes Chemiegeschäft ausbauen will.

Die Darmstädter wollen für insgesamt rund 1,6 Milliarden Pfund (rund 1,9 Milliarden Euro) die britische AZ Electronic Materials erwerben und so von der boomenden Nachfrage nach elektronischen Geräten profitieren. Das Unternehmen sei ein weltweit führender Anbieter von Chemikalien für die Elektrobranche und daher die perfekte Ergänzung, sagte Unternehmenschef Karl-Ludwig Kley zu n-tv.

Seit Jahren brummt bei Merck bereits das Geschäft mit den Kristallen, die in Laptops, Flachbild-Fernsehern und Smartphone-Displays eingesetzt werden. Es ist das profitabelste Segment im Konzern.

50 Prozent Kursaufschlag

Merck habe sich bereits mit dem Verwaltungsrat von AZ über den Zukauf geeinigt. Das Gremium wolle den Aktionären die Annahme der Offerte empfehlen. Die Kartellbehörden müssen den Deal noch absegnen. Zudem müssen mindestens 95 Prozent der Aktionäre zustimmen.

Finanzchef-Matthias Zachert und Kley zeigten sich zuversichtlich, den Wert zu erreichen. Merck biete einen Aufschlag von rund 50 Prozent auf den gestrigen Schlusskurs von AZ, was sehr attraktiv sei. Theoretisch könnte der Dax-Konzern noch Zugeständnisse machen. Das britische Übernahmegesetz ermögliche dies. «Aber wir haben die 95 Prozent gesetzt und das ist unsere Erwartungshaltung an die Transaktion», sagte Zachert.

Die AZ-Marge stimmt

Merck bietet 403,5 Pence in bar je Aktie. AZ wird damit mit rund 1,6 Milliarden britischen Pfund bewertet. Die Übernahme soll im ersten Halbjahr 2014 unter Dach und Fach sein. Merck erwartet durch den Zusammenschluss ab 2016 jährliche Synergien von 25 Millionen Euro. Die Integrationskosten werden auf rund 50 Millionen Euro geschätzt, verteilt auf die Jahre 2014 bis 2016. Die Transaktion werde unmittelbar einen positiven Beitrag zum Gewinn je Aktie vor Einmaleffekten und Abschreibungen leisten, hieß es.

Das Geschäft von AZ fußt auf den beiden Standbeinen IC-Materialien und Optronics. Der Bereich IC-Materialien stellt unter anderem Prozesschemikalien her, die zum Beispiel in Tablet-Computern, Smartphones, MP3-Spielern oder Spielkonsolen eingesetzt werden. Die Sparte Optronics stellt unter anderem lichtempfindliche Lacke für die Herstellung von Flachbildschirmen her. Beide Sparten sollen bei Merck integriert werden, sagte Kley.

Die Briten hatten im Jahr 2012 einen Umsatz von umgerechnet 584 Millionen Euro und ein operatives Ergebnis (Ebitda) von 193 Millionen Euro erzielt. Ende 2012 waren rund 1100 Mitarbeiter beschäftigt, davon fast 60 Prozent in Asien.

Merck-Chef Kley hatte bereits mögliche Übernahmen angedeutet. Merck könne Zukäufe im Wert von mehreren Milliarden Euro finanzieren, hatte er kürzlich gesagt. Zuletzt hatten die Darmstädter 2010 den US-Laborspezialisten Millipore für 7,2 Milliarden Dollar übernommen.

"Strategisch passt das"

Der Kaufpreis erscheine hoch, sei aber nicht branchenunüblich, war im Markt zu hören. Da Merck die Mindestannahmeschwelle mit 95 Prozent recht hoch gehängt habe, sei dies wohl nötig. Zudem sei AZ Zulieferer für Chemikalien für iPad und iPhone, sagte ein Händler. Angesichts des starken Wachstums in dieser Branche würden auch die Zulieferer entsprechend hoch bewertet. Analysten von Equinet schließen angesichts der hohen Annahmeschwelle nicht aus, das Merck die Offerte noch erhöhen könnte.

Das AZ-Geschäft war ursprünglich ein Teil der deutschen Hoechst AG, bis das Schweizer Chemieunternehmen Clariant Ende der 1990er Jahre von Hoechst das Spezialchemiekaliengeschäft übernahm, inklusive AZ. 2004 wurde das Geschäft dann von dem Finanzinvestor Carlyle gekauft und erstmals als eigenständiges Unternehmen gegründet. Die Rückkehr einer ehemaligen Hoechst-Sparte zu Merck sei positiv, sagte ein Händler.

"Strategisch passt das", sagte auch Ulrich Huwald von Warburg Research. Die Kombination sei werterhöhend für Merck, weil AZ den Bereich der LCD-Produktion für Bildschirme ergänze. AZ verfüge über wichtige Großkunden aus dem Hi-Tech-Bereich wie Samsung, Intel, Toshiba und Apple. Zudem komme die Übernahme nicht überraschend: Merck habe bereits angedeutet, dass das Jahr 2014 nach dem Abschluss des Restrukturierungsprogrammes zu einem Jahr der Übernahmen werden könne, sagte der Analyst.

Quelle: n-tv.de

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