Wirtschaft
Merkel: "Ich sehe nicht, dass der Schuldenschnitt kommt."
Merkel: "Ich sehe nicht, dass der Schuldenschnitt kommt."(Foto: AP)

Sorge wegen Schuldenschnitt für Griechenland: Merkel: Diese Debatte verunsichert nur

Trotz neuer Forderungen aus Athen sieht Bundeskanzlerin Merkel keine Möglichkeit für einen griechischen Schuldenschnitt. Ökonomen warnen allein schon vor den Folgen einer solchen Debatte, weil die Griechen sonst umgehend ihren Konsolidierungskurs verlassen würden. Andere meinen indes, der Schuldenschnitt kommt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel rechnet eigenen Angaben zufolge nicht mit einem weiteren Schuldenschnitt in Griechenland. "Ich sehe das nicht", sagte Merkel in einem viel beachteten Auftritt vor der Bundespressekonferenz. Ein solcher Schritt könne "zu einer massiven Verunsicherung aller Investoren in der Eurozone führen" und hätte negative Folgen "weit über Griechenland hinaus". Anfang 2012 hatten private Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen gegen Griechenland verzichtet.

Video

Ökonomen haben wiederholt einen Verzicht auch der öffentlichen Kreditgeber ins Spiel gebracht: Anders werde Griechenland seine Schulden nicht abbauen können, lautet das Argument. Im Kern steht dabei die sogenannte "Schuldentragfähigkeit". Der Begriff bezieht sich auf die Gesamtverschuldung eines Staates in Bezug zu seiner Wirtschaftsleistung.

Im Fall Deutschlands liegt diese Quote derzeit bei etwa 80 Prozent. Nach den Maastricht-Kriterien - den Zulassungsvoraussetzung der Eurozone - maximal erlaubt sind 60 Prozent. Griechenland näherte sich zuletzt einer Verschuldung von 175 Prozent seiner jährlichen Wirtschaftsleistung gemessen am Bruttoinlandsprodukt an. Vor Merkel hatte sich auch wiederholt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble gegen einen solchen Schuldenschnitt ausgesprochen - zuletzt bei seinem Kurzbesuch am Donnerstag in Athen.

"Das ist nicht zu schaffen"

Trotz dieser gegenteiligen Beteuerungen der Bundesregierung sieht auch das Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Bundesfinanzministeriums, Jörg Rocholl, einen Schuldenschnitt kommen. Auch das Weltwirtschaftsinstitut vertritt diesen Standpunkt: "Griechenlands Verschuldung hat ein Niveau erreicht, das eine Sanierung der Staatsfinanzen ohne Hilfe von außen unmöglich macht, das ist nicht zu schaffen", sagte der IfW-Ökonom Henning Klodt.

Der Freiburger Finanzwissenschaftler und "Wirtschaftsweise" Lars Feld warnte hingegen vor einer Diskussion über einen Schuldenschnitt. Das habe nur zur Folge, dass die Griechen aufhörten "zu reformieren und zu konsolidieren". Der griechische Konsolidierungsprozess gehe derzeit in eine entscheidende Phase, weil die Verkleinerung des aufgeblähten öffentlichen Dienstes anstehe. In Griechenland stoßen diese Sparprogramme, die zehntausende Menschen ihre Jobs kosteten und noch kosten werden, auf heftige Proteste.

Klares Nein zu Reparationen

Auch bei einer weiteren Forderung Griechenlands bleibt die Kanzlerin hart: Sie erteilte dem Ansinnen Athens eine Absage, nach denen Deutschland Weltkriegs-Reparationen in dreistelliger Milliardenhöhe nach Athen überweisen müsse. "Wir schließen uns dieser Auffassung nicht an", sagte sie in Berlin. Der ehemalige griechische Präsident und Widerstandskämpfer Karolos Papoulias hatte am Rande des Schäuble-Besuchs auf Fortschritte bei dem Thema gedrängt.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen