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Abkommen soll 2015 stehen: Merkel treibt Freihandel mit Japan voran

In Tokio wirbt Bundeskanzlerin Merkel für ein Handelsabkommen mit Japan. Die Verhandlungen ziehen sich in die Länge. Allerdings kommen die Bedenken aus einer ganz anderen Ecke als beim umstrittenen TTIP-Abkommen mit den USA.

Bundeskanzlerin Angela Merkel dringt auf einen zügigen Abschluss des Freihandelsabkommens zwischen der EU und Japan. Bei einem Besuch in Tokio sprach sie sich für eine möglichst schnelle Unterzeichnung aus. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass durch solche Abkommen jeweils der gegenseitige Handel gewonnen hat", sagte Merkel bei einem Auftritt während ihrer Japanreise. Es seien in den jeweiligen Ländern auch mehr Arbeitsplätze entstanden.

Japan und die EU hatten bereits vor Jahren Verhandlungen über weitgehenden Handelserleichterungen aufgenommen. Beide Seiten hatten ursprünglich als Ziel ausgegeben, das Abkommen noch 2015 abzuschließen. Doch aus verschiedenen Branchen gibt es Einwände. So wehrt sich etwa die europäische Automobilindustrie gegen eine weitere Öffnung ihres Heimatmarktes, während in Japan Bedenken gegen mehr Importe von EU-Agrarprodukten angemeldet wurden.

Jeder verhandelt mit jedem

Beide Seiten verhandeln gleichzeitig auch mit den USA über Freihandelsabkommen. Die EU will mit der Regierung in Washington das TTIP-Abkommen abschließen, das allerdings - anders als der Vertrag mit Japan - auch den Investitionsbereich umfassen soll. Japan gehört zu den asiatischen Staaten, die mit den USA das sogenannte TPP-Abkommen abschließen wollen. Beide Abkommen werden vor allem von Verbraucher- und Umweltschützern heftig kritisiert.

Die Kanzlerin warb zugleich für verstärkte Wirtschaftskontakte Deutschlands zu Japan und mehr Technologieaustausch. Hintergrund ist auch, dass der Handel zwischen beiden Ländern eher stagniert. Die deutschen Ausfuhren waren 2013 und 2014 sogar leicht rückläufig. Die deutsche Wirtschaft beklagt eine Fülle von Handelshemmnissen.

Es mangele nicht an Möglichkeiten einer noch engeren Kooperation zwischen der dritt- und viertgrößten Volkswirtschaft der Welt, sagte die Bundeskanzlerin. Zugleich rief Merkel japanische Studenten und Wissenschaftler zu einem Forschungsaufenthalt in Deutschland auf. Ein Auslandsaufenthalt sollte von Seiten der Wirtschaft als positiv angesehen werden, sagte Merkel in Tokio. Japaner, die im Ausland studieren und arbeiten, haben danach häufig Schwierigkeiten mit der Wiedereingliederung in die japanische Gesellschaft.

Quelle: n-tv.de

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