Wirtschaft
"Die Partnerschaft ist für beide Länder von Vorteil", glaubt Indiens Premier Modi.
"Die Partnerschaft ist für beide Länder von Vorteil", glaubt Indiens Premier Modi.(Foto: REUTERS)
Dienstag, 30. Mai 2017

Suche nach neuen Verbündeten: Merkel vereinbart Milliardendeal mit Indien

Nachdem die USA bei globalen Themen kein verlässlicher Partner mehr sind, sucht Kanzlerin Merkel nach Alternativen. Da kommt der Besuch des indischen Premiers gerade recht. Über gezielte Investitionen will Deutschland das Land an Europa binden.

Mit Investitionen in Milliardenhöhe wollen Deutschland und Indien ihre Zusammenarbeit stärken. Im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Indiens Premierminister Narendra Modi wurde ein Entwicklungsetat vereinbart. "Wir geben in jedem Jahr eine Milliarde Euro", sagte Merkel nach den Gesprächen.

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Unterzeichnet wurden Absichtserklärungen und Verträge zur engeren Zusammenarbeit bei Cyber-Technologie, Digitalpolitik, Manager- und Berufsausbildung und Klimaschutz. Deutschland will Umweltschutz und moderne Stadtplanung mit billigen Krediten voranbringen. Indien will von Deutschland vor allem lernen, wie es die Hunderte Millionen von jungen Leuten anständig ausbilden und qualifizieren kann.

Merkel betonte zugleich, dass Deutschland Indien bei der Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens unterstützen wolle. "Indien setzt das Abkommen intensiv um", sagte Merkel. Das Land mit mehr als einer Milliarde Einwohner befinde sich aber in einer anderen Entwicklungsphase als Deutschland. "Indien ist eine Demokratie und Indien setzt darauf, dass die Welt nicht nur vernetzt ist, sondern vernünftig gestaltet wird."

Deutsche Wirtschaft hat große Hoffnungen

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Die Kanzlerin hofft nach dem enttäuschenden G7-Gipfel in Italien und der Blockadehaltung von US-Präsident Donald Trump auf neue Verbündete bei den Themen Freihandel, Klimaschutz und Steuerung der Migration. Ihre große Runde mit den Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) im Juli in Hamburg will sich die CDU-Vorsitzende nicht von Trump zerschießen lassen.

Die deutsche Wirtschaft knüpft ebenfalls große Hoffnungen an die größte Demokratie der Welt. Das Land mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern erreichte vergangenes Jahr ein Wachstum von über 7 Prozent und für das laufende wird damit gerechnet, dass die Konjunktur dieses Tempo halten wird. Das Handelsvolumen belief sich 2016 auf 17 Milliarden Euro. Davon waren knapp 10 Milliarden Euro Exporte aus Deutschland. Nach den Zahlen der Außenhandelskammer sind 1.800 deutsche Unternehmen auf dem riesigen Markt aktiv.

Merkel dringt auf Handelsabkommen

Nach Berechnungen des Münchner Ifo-Instituts könnte der Abschluss eines Handelspaktes zwischen der Europäischen Union und Indien die deutsche Wirtschaftsleistung um rund 5 Milliarden Euro steigern. Die Verhandlungen über ein Handelsabkommen zwischen Indern und Europäern stehen seit 2013 still. Merkel will in die eingefrorenen Gespräche Bewegung bringen. "Deutschland wird sich hier massiv in Brüssel einsetzen, dass diese Verhandlungen voranschreiten", sagte die Bundeskanzlerin.

Premier Modi lobte die Gastgeberin in den höchsten Tönen und sprach von wertvollen Visionen, die Merkel für die Weltpolitik habe. "Die Partnerschaft ist für beide Länder von Vorteil. Wir haben, was die wirtschaftlichen Beziehungen anbelangt, einen Quantensprung hingelegt", erklärte der Premierminister. Modi traf bereits am Montag in Deutschland ein und wurde auf Schloss Meseberg von Merkel empfangen.

Quelle: n-tv.de

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