Wirtschaft
Schweißer bei Thyssen-Krupp.
Schweißer bei Thyssen-Krupp.(Foto: dpa)

Tarifverhandlungen im März: Metallbranche rechnet mit Null-Wachstum

Im Frühjahr beginnen die Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie. Die Arbeitgeber warnen vor zu hohen Abschlüssen. Demnach gibt es zurzeit nichts zu verteilen.

Die deutsche Metall- und Elektroindustrie erwartet im kommenden Jahr kein Wachstum für die Branche. "Wenn's gut läuft, gehe ich allenfalls von einer Seitwärtsbewegung aus", sagte der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Rainer Dulger. Eine Prognose sei schwierig, weil der Konjunkturverlauf "mehr in der Hand der Notenbanken liegt als in der Hand der Kunden und der Hersteller".

Dulger warnte davor, die Unternehmen zusätzlich finanziell zu belasten. Das würde die Tendenz verstärken, im Ausland statt im Inland zu investieren. Auch die IG Metall müsse "die Erwartungen an die Tarifrunde im Frühjahr bremsen", so der Verbandspräsident. Von der Bundesregierung verlangte er "keine neuen Belastungen, die die Flexibilität einschränken und die Arbeit verteuern". Am Ende dieses Jahres dürfte die Produktion höchstens um ein Prozent gewachsen sein, sagte Dulger. Er hatte zu Jahresbeginn noch 1,5 Prozent für möglich gehalten.

Rainer Dulger.
Rainer Dulger.(Foto: picture alliance / dpa)

"Es bleibt natürlich auch ein erhebliches Maß an Skepsis und Unsicherheit durch die aktuellen Vorgänge im Inland: Flüchtlingskrise, VW-Affäre, alles, was da so gelaufen ist." Das schwächere Wachstum in China und anderen Schwellenländern verstärke diese Verunsicherung noch. Deutschland und Europa profitierten derzeit von einem "Scheinaufschwung", der auf dem niedrigen Ölpreis, dem schwachen Eurokurs und dem niedrigen Zinsniveau basiere. "Im Moment ist es so, dass unsere Produkte in den ausländischen Märkten preiswerter geworden sind und damit wettbewerbsfähiger, ohne dass wir dafür etwas getan haben."

Produktivität nur leicht gestiegen

Er mache sich Sorgen wegen der steigenden Lohnstückkosten in Deutschland. "Seit Ende der Krise 2008/2009 sind die Lohnkosten in der Metall- und Elektroindustrie um fast 20 Prozent gestiegen, die Produktivität dagegen aber nur um noch nicht einmal zwei Prozent", rechnete Dulger vor. "Das schürt und fördert die Investitionsneigung im Ausland, vor allem der deutschen Hersteller." Schon jetzt gebe es "in Deutschland eine Deindustrialisierung. Wenn wir die Bilanzen genauer lesen, sehen wir, dass von vielen Unternehmen im Ausland mehr investiert wird als in Deutschland. Das hat unterschiedliche Gründe, aber die ständig steigenden Arbeitskosten sind einer davon."

Angesichts eines hohen Abschlusses in der vergangenen Tarifrunde sei es "umso wichtiger, dass wir in der kommenden Tarifrunde den Ball flach halten", betonte Dulger. "Ein Weiter-so der IG Metall würde sicherlich den Trend, ins Ausland zu gehen, beschleunigen." Auch wenn bis zum Beginn der Verhandlungen im März noch Zeit sei: "Die Situation ist klar: Wir können uns eine solche Lohnsteigerung wie in der letzten Runde nicht mehr erlauben." Im April waren die Einkommen um 3,4 Prozent erhöht worden. Dulger geht wie die IG Metall "von einer reinen Entgeltrunde aus".

Scharf kritisierte der Gesamtmetall-Präsident den ersten Gesetzentwurf zur Neuregelung von Zeitarbeit und Werkverträgen. "In einer Zeit, in der Millionen Flüchtlinge in unser Land strömen, ist Zeitarbeit der Beschäftigungsmotor, um diese Leute in den ersten Arbeitsmarkt zu bringen." Es sei deshalb "ein völlig falsches Signal, Zeitarbeit und Werkverträge weiter einzuschränken." Über den Entwurf wird derzeit in der Regierung sowie mit Arbeitgebern und Gewerkschaften diskutiert. Der zuletzt für Dezember geplante Kabinettsbeschluss wurde verschoben.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen