Wirtschaft
Für Microsoft-Chef Steve Ballmer erscheint beides mehr als peinlich: Entweder war es Absicht - oder ein unverzeihlicher Managementfehler.
Für Microsoft-Chef Steve Ballmer erscheint beides mehr als peinlich: Entweder war es Absicht - oder ein unverzeihlicher Managementfehler.(Foto: REUTERS)

"Wir bitten um Entschuldigung": Microsoft muss Strafe zahlen

Brüssel besteht auf die freie Wahl: Im Browser-Streit hatten Microsoft und die EU eigentlich bereits vor Jahren Frieden geschlossen. Doch bemerkenswert nachlässig verstößt der Softwarekonzern erneut gegen den Kompromiss. Jetzt ist eine saftige Millionenstrafe fällig.

Keine Gnade: EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia redet Microsoft in einer Sprache an, die in Redmond jeder versteht.
Keine Gnade: EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia redet Microsoft in einer Sprache an, die in Redmond jeder versteht.(Foto: REUTERS)

Diese Lektion wird Microsoft-Chef Steve Ballmer wohl nicht so schnell vergessen: Weil seine Programmierer bei einer Aktualisierung des Betriebssystems Windows 7 ein Auswahlfenster entfernten, muss Microsoft nun 561 Mio. Euro (732 Mio. Dollar) Strafe an die Europäische Union bezahlen.

Über das fragliche Auswahlfesnster hätten Nutzer Alternativen zum Microsoft-Browser Internet Explorer auswählen können, heißt es. Die Kartellwächter der EU sahen darin einen unzulässigen Versuch, die Vormachtstellung des US-Konzerns im Browsermarkt zu festigen.

Die Buße bekommt Ballmer auch persönlich zu spüren: Bereits im vergangenen Oktober kündigte Microsoft an, den Jahresbonus für Ballmer auch wegen des "Browser-Problems in der EU" zu kürzen.

Um die Entscheidung der EU richtig einordnen zu können, lohnt ein Blick zurück. Beim ersten modernen Windows-Betriebssystem setzte Microsoft 1995 noch auf seinen eigenen Onlinedienst MSN und verpasste den Trend zum World Wide Web, dem offenen Internet.

Konkurrenz belebt das Geschäft: Brüssel besteht auf Auswahl.
Konkurrenz belebt das Geschäft: Brüssel besteht auf Auswahl.(Foto: dpa)

Aber schon drei Monate nach der Präsentation von "Windows 95" erkannte der damalige Microsoft-Chef Bill Gates seinen Fehler, rief die Wende aus und sagte dem aufsteigenden Konkurrenten Netscape den Krieg an.

In einem harten Verdrängungswettbewerb rang Microsoft in den folgenden Jahren mit seinem Browser Internet Explorer den Rivalen nieder. Das aggressive Verhalten des Softwareriesen hätte damals aber fast zur Zerschlagung von Microsoft durch die US-Kartellbehörden geführt.

Nur eine "Panne"?

Zu einer Neuauflage des Browserkriegs kam es ab 2004. Nun forderten alternative Browser wie der "Firefox" von der Mozilla Stiftung oder "Safari" von Apple den Marktführer Internet Explorer heraus - auch weil Microsoft die Weiterentwicklung der Browser-Software nach dem Sieg in der ersten Runde sträflich vernachlässigt hatte.

Im Herbst 2008 stieg außerdem Google mit seinem Browser "Chrome" in den Wettkampf ein. Die EU wollte nicht akzeptieren, dass Microsoft erneut versuchte, regelwidrig ein Paket aus dem marktbeherrschenden PC-Betriebssystem Windows und dem Browser Internet Explorer zu schnüren.

Im Januar 2009 leitete die EU-Kommission deshalb ein Prüfungsverfahren ein, elf Monate später einigten sich EU und Microsoft auf einen Kompromiss: Der Konzern verpflichtete sich, den Anwendern im europäischen Wirtschaftsraum ein Auswahlfenster mit alternativen Browsern anzubieten. Im März 2010 wurde das Fenster eingeführt, es verschwand aber unter Windows 7 mit dem "Service Pack 1" im Februar 2011 wieder. Erst nach einer Beschwerde der EU erschien das Auswahlfenster im Juli 2012 erneut.

"Schwerwiegender Verstoß"

Microsoft versuchte, das Verschwinden der Browser-Auswahl als Panne darzustellen: "Wir bedauern zutiefst, dass dieser Fehler geschehen ist und bitten dafür um Entschuldigung", hieß es in einem Schreiben. Doch EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia ließ sich von dem "Uups"-Geständnis aus der Microsoft-Zentrale in Redmond wenig beeindrucken und wertete das Vorgehen als einen "schwerwiegenden Verstoß, der mit entsprechenden Sanktionen belegt werden muss".

Diese Regelverletzung kommt Microsoft nun teuer zu stehen, auch wenn die von der Kommission verhängte Summe deutlich unter der Rekord-Kartellstrafe von 1,06 Mrd. Euro liegt, zu der sie im Mai 2009 den Chiphersteller Intel verdonnerte.

Theoretisch hätte die EU-Kommission gegen Microsoft sogar mehr als 5 Mrd. Euro Buße verhängen können. Aber vielleicht hat sich auch in Brüssel die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Auffindbarkeit von Alternativ-Browsern derzeit nicht das drängendste Problem der Computer-Anwender sein dürfte. Unter europäischen Kartell-Experten wird derzeit eher über marktbeherrschende Positionen von Internetriesen wie Google oder Facebook diskutiert.

Quelle: n-tv.de

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