Wirtschaft
Die Freundlichkeit täuscht: Thomas Middelhoff und Rolf Breuer vor Middelhoffs Vernehmung am 7. Juni 2011 im Münchner Justizpalast.
Die Freundlichkeit täuscht: Thomas Middelhoff und Rolf Breuer vor Middelhoffs Vernehmung am 7. Juni 2011 im Münchner Justizpalast.(Foto: picture alliance / dpa)

Zeugenaussage zum Fall Kirch: Middelhoff belastet Breuer

Brisante Aussagen von Thomas Middelhoff im Kirch-Prozess: Der Ex-Bertelsmann-Chef widerspricht dem ehemaligen Deutsche-Bank-Chef Breuer. Middelhoff zufolge ist bei der Kanzlerrunde im Januar 2002 nicht vereinbart worden, die Kirch-Gruppe insolvenzreif zu reden.

Der frühere Bertelsmann-Vorstandschef Thomas Middelhoff hat nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" die Deutsche Bank und deren ehemaligen Vorstandschef Rolf Breuer in zwei öffentlich bislang nicht bekannten Zeugenaussagen bei der Münchner Staatsanwaltschaft stark belastet. Was Middelhoff zu Protokoll gab, widerspricht teilweise Angaben Breuers und des Geldinstituts im Kirch-Prozess, in dem die Erben des mittlerweile verstorbenen Medienmagnaten Leo Kirch Schadensersatz in Milliardenhöhe fordern.

Die Staatsanwaltschaft, die gegen Breuer und andere Bank-Manager wegen versuchten Prozessbetrugs ermittelt, betrachtet Breuer offenbar als wichtigen Zeugen. Seine Aussage soll eine geplante Anklage gegen Breuer und eventuell noch weitere Beschuldigte stützen.

Unterdessen hat der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, in dieser Woche bei einer Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft den Verdacht zurückgewiesen, er und die Bank hätten die Justiz täuschen wollen. Breuer soll sinngemäß erklärt haben, es habe in dieser Sache auf die Anwälte des Geldinstituts vertraut. Diese haben der Bank und deren Vorstand immer wieder geraten, wie man sich im Kirch-Streit bei Gericht äußern solle. Die Staatsanwaltschaft und die Deutsche Bank nahmen dazu auf Anfrage nicht Stellung.

Überleben mit geschrumpftem Konzern

Middelhoff hat am 21. Mai und 30. August 2012 vor allem zu einem Treffen am 27. Januar 2002 beim damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder in Hannover ausgesagt, an dem auch Breuer und der seinerzeitige Geschäftsführer der Mediengruppe "WAZ", Erich Schumann, teilgenommen hatte. Thema war unter anderem die finanzielle Notlage von Kirchs Film- und Fernsehkonzern gewesen.

Middelhoff berichtete den Ermittlern, Breuer habe seinem Kreditkunden Kirch die konkrete Unterstützung auch des Investmentbankings der Deutschen Bank anbieten sollen, um eine Lösung zu finden. Middelhoff sprach sogar von einer "Maßgabe" aus der Kanzlerrunde. Breuer habe Kirch behilflich sein sollen, mit einem geschrumpften Konzern zu überleben. So sei das vereinbart worden.

Im Schadensersatzprozess der Kirch-Erben gegen die Bank und bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ist das ein zentraler Punkt: Das Geldinstitut bestreitet bis heute vor Gericht, dass es mit Kirch Geschäfte habe machen wollen. Deshalb müsse man auch nicht für ein TV-Interview haften, in dem Breuer am 4. Februar 2002 Kirchs Kreditwürdigkeit öffentlich angezweifelt hatte.

Breuer droht Anklage

Middelhoff sagt dazu den Ermittlern, er sei wegen Breuers Fernseh-Interview etwas ratlos gewesen. Schließlich sei in der Kanzlerrunde nicht vereinbart worden, dass Breuer die Kirch-Gruppe "insolvenzreif" reden sollte. Also sei er, Middelhoff, am 8. Februar 2002 zu Breuer gefahren, um herauszufinden, ob der Bankchef nun eine andere Absicht habe. Doch Breuer habe versichert, es habe sich nichts geändert. Er werde sich am nächsten Tag mit Kirch treffen und wolle ihm anbieten, unter dem Schutz der Bank wertvolle Teile des Medienkonzerns zu verkaufen und so den Fortbestand der Film- und Fernsehgruppe zu sichern. Er wolle Kirch die Unterstützung der Bank bei der Lösung aller Probleme anbieten.

Breuer weist bislang den Vorwurf des versuchten Prozessbetrugs zurück. Ihm werden aber in Kreisen von Verfahrensbeteiligten keine Chancen mehr eingeräumt, einer Anklage und einem Prozess zu entgehen.

Quelle: n-tv.de

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